Gesellschaft | 28.09.2009

Wind in den Segeln der Minderheiten

Text von Oliver Nyffeler | Bilder von Oliver Nyffeler.
Minderheiten in Europa müssen sich nicht als Einzelkämpfer um ihre Rechte bemühen. Die Tatsache, dass jede siebte Person in Europa einer Minderheit angehört, macht klar, dass der Kontakt untereinander ein grosser Vorteil sein kann. Neustes Beispiel dafür war der Surfing Exchange 2009.
Aus den Bündner Bergen ans friesische Meer. Auch das Rahmenprogramm kam nicht zu kurz. Der Austausch zwischen den Teilnehmern stand im Mittelpunkt.
Bild: Oliver Nyffeler.

Unter dem Titel «SurfingEurope« veranstaltete die Deutsche Minderheit in Dänemark zwischen dem 1. und 8. August einen Surfaustausch. Eingeladen waren junge Rätoromanen aus der Schweiz, Kaschuben aus Polen, Nordfriesen, sowie Burgenlandkroaten aus Österreich. Wie der Name schon andeutet standen dabei der Sport und die generelle Beschäftigung mit dem Element Wasser im Vordergrund. Denn gerade für Minderheiten aus Bergregionen ist dies nicht alltäglich.

So konnten sich alle Teilnehmenden einige Tage auf dem Surfbrett versuchen und unter Anweisung von professionellen Lehrern gegen Wind und Wellen ankämpfen. Dass dies besonders zu Beginn viel Ausdauer und Durchhaltevermögen forderte, verkleinerte den Spassfaktor in keiner Weise. Im Gegenteil. Schnell entstand eine spannende Gruppendynamik und man versuchte sich gegenseitig zu motivieren und zu helfen. So kamen sich alle Teilnehmenden in den Surfpausen schnell näher und aus einer Einzelsportart wurde ein Gruppenerlebnis.

Mehr als nur Sport

Natürlich wurde in den vielen Gesprächen nicht nur das Windsurfen thematisiert. Nachdem man sein Gegenüber und dessen Minderheit etwas besser kannte, wurden oft Gemeinsamkeiten gefunden und jeder konnte von den Eigenheiten der anderen Minderheiten lernen. Denn wie so oft konnte man schnell feststellen, dass unterschiedliche Minderheiten ähnliche Probleme haben.

So wurden denn auch politische Themen von den Organisatoren nicht ausgeklammert. Jede der Minderheitengruppen hatte Vorträge erarbeitet, welche die Bedeutung des Klimawandels für ihre spezifische Volksgruppe näher beleuchtete. Dabei wurde schnell klar wie stark sich beispielweise ein Bergvolk wie die Rätoromanen von einem Volk direkt am Meer unterscheidet und wie sehr die eigene Identifikation nicht nur mit Sprache und Kultur zu tun hat, sondern gerade auch stark von diesen Elementen geprägt wird. Die Unterschiede wurden nicht zuletzt auch in der Unterkunft der Teilnehmenden ersichtlich. Diese lag in Skelde, direkt am Meer – für Rätoromanen einzigartig.

Immer wieder eine tolle Erfahrung

Da Surfen auf die Dauer anstrengend wurde, gab es zwischendurch einen Ausflug nach Haitabu ins Wikingermuseum. Dort gab es eine Führung durchs ehemalige Wikingergebiet und deren Siedlungen. Nach der morgendlichen Exkursion konnte man sich in Deutschlands nördlichstem Gasthaus «Hansens Brauerei« eine deftige Stärkung gönnen. Anschliessend folgte, wie es sich für den hohen Norden gehört, eine Bootstour, die mit einem Zwischenstopp und einem Vortrag auf den so genannten Ochseninseln endete.

Für die Rätoromanen war der SurfExchnage ein besonderes Erlebnis, weil er ursprünglich als Folgeprojekte des SnowExchange in der Schweiz entstand. Nachdem dieser bereits zwei Mal stattgefunden hatte, revanchierte sich die deutsche Minderheit in Dänemark indem sie den Schnee durch das Meer ersetzten. Aus dieser intensiven Zusammenarbeit resultiert jedoch nicht nur Positives für die eigene Minderheit, sondern auch für den einzelnen Jugendlichen selbst. Oft entstehen nach solchen Projekten enge Freundschaften, die auch Jahre später noch gepflegt werden. Es gibt bestimmt viele Formen, internationale Zusammenarbeit unter Minderheiten zu fördern, doch zeigt sich am Beispiel des SurfExchange, dass mit dem Jugendaustausch eine Form gefunden wurde, die nicht nur politischen und kulturellen Inhalten gerecht wird, sondern ebenso den Spass und den persönlichen Kontakt unter den Jugendlichen unterstützt.

Jugend in Aktion

Dass solche Treffen stattfinden können, ist jedoch nicht selbstverständlich. Es bedarf eines grossen Einsatzes der Jugendlichen, ihrer Organisationen und des ganzen Europäischen Netzwerks. Nicht zuletzt ist aber auch die Unterstützung der Schweizerischen Koordinationsstelle des Programms „Jugend in Aktion“ unumgänglich. Durch ihr Engagement ist es überhaupt erst möglich, solche und ähnliche Projekte durchzuführen.