Kultur | 14.09.2009

Von Fehden, Grössenwahn und Musik

Text von Audrey Djouadi | Bilder von www.mandodiao.com
Mando Diao begeistern zusehends die breiten Massen. Ein Besuch an ihrem Konzert in Winterthur bietet die Gelegtenheit, dem schwedischen Rock-Phänomen auf den Grund zu gehen.
Schwedischer Erfolgsrock im Doppelpack: Mando Diao bei einem Auftritt in diesem Sommer.
Bild: www.mandodiao.com

Unlängst ist bekannt, dass in Schweden unzählige Bands rekrutiert und auf die restliche Welt losgelassen werden, doch Mando Diao, die fünf smarten Jungs aus Borlänge in Schweden, treiben es auf die Spitze. Seit ihrem Debütalbum „Bring ‚em in“ hauen sie einen Verkaufsschlager nach dem anderen aus dem Petto. Sieben Jahre, vier Alben, neunzehn Singleauskopplungen und eine gefühlte Million Konzerte später, können die „fab five“ auf eine stolze Karriere zurückblicken.

Ihre Musik haben sie von Jahr zu Jahr neu erfunden, von Garagerock mit Motown-Einschlägen und akustischen Folkrock bis zum aktuellen dramatischen Soundtrackstil. So facettenreich Björn Dixgård, Gustaf Norén, Carl-Johan Fogelklou, Samuel Giers und Mats Björke sich auch präsentieren, einzelne Konstanten sind auch bei Mando Diao vorhanden. Stets präsentieren die Jungs sich in schlichter, meist schwarzer Kleidung, weil „die Leute sollen sich auf die Musik, und nicht auf das Aussehen konzentrieren“. Oder die Detailverliebtheit in ihrer Musik. Mando Diao überraschen mit neuem Bekannten.

Vielfach kopiert, nie erreicht

Mando Diao kann jeder gut finden. Was mit einem Lied für eine Handywerbung anfing, hat sich nun zu einer riesigen Bewegung, mit 14-jährigen Mädchen mit Zahnspangen aber auch 35-jährigen Intellektuellen, entwickelt. Die Mandomanie ist ausgebrochen, und aufhalten lässt sich diese nicht mehr.

Angespornt vom Erfolg von Mando Diao, haben sich die Brüder von Gustaf Norén (Gesang und Gitarre bei Mando Diao), Viktor Norén und Carl Norén, zusammengeschart und mit drei Freunden ebenfalls eine Band gegründet. Sugarplum Fairy heisst das Ganze und versucht, an den Erfolg ihrer grossen Brüder anzubändeln. Und so tun es wöchentlich etwa zwei Bands, bestehend aus pickligen Jugendlichen, die mit ihrer Schrampfe den Weltruhm anstreben. Ganz nach dem Motto „Mando Diao haben’s auch geschafft“. Die Herren fördern also nicht nur Kreativität, sondern holen auch vom Sofa runter und inspirieren.

Grössenwahn und Balzverhalten

Ein weiterer, amüsanter Aspekt an Mando Diao: Ihre Bewunderung für Rapper Snopp Dogg. Denn die Herren bezeichnen sich selbst als grosse Fans des amerikanischen Hip-Hoppers und das, obwohl Rock und Hip-Hop nicht unbedingt für ein brüderliches Verhältnis bekannt sind. Doch neben all den positiven Aspekten müssen wir auch die negativen betrachten. Zum Beispiel die anhaltende Fehde mit der ebenfalls schwedischen Band The Hives. Worum der erbitterte Kampf geht, ist nicht ganz klar. Doch natürlich lässt die Herkunft und Stilrichtung der beiden Bands Eifersuchtszenarien und Missgunst erahnen. Was von wem aus geht und kommt ist zweitrangig, denn schliesslich geht es um die Musik.

Des Weiteren sind Mando Diao für ihre nicht gerade bescheidene Selbstbetrachtung berühmt berüchtigt. Aussagen wie „wir sind grösser als die Beatles“ sind, sagen wir mal, optimistisch, aber durch und durch unrealistisch. Doch Aufmerksamkeit wurde so auf jeden Fall erzeugt. Nichts desto trotz – Mando Diao begeistern, ob jung ob alt, ob Frau ob Mann.

Insbesondere auch durch ihre hochgelobte und vor Energie nur so pulsierenden Bühnenpräsenz. Schon viele Mal wurden sie als „beste Liveband“ betitelt – und das verdient. Wer sich selbst davon überzeugen will, soll dies unbedingt tun. Am Besten gleich am 29.10 in der Winterthurer Eishalle Deutweg. Und zwar schwitzend, schreiend und rockend.


Mando Diao live @ Eishalle Deutweg, Winterthur

Donnerstag, 29. November an 19:00 Uhr

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