Gesellschaft | 28.09.2009

Volunteering in Taiwan (2)

Text von Malte Vogt
In Tainan, der viertgrössten Stadt Taiwans, finden die Gegensätze zueinander: Nachtleben und Bambuswälder, Arbeit und Freizeit. Und sollte zu Hause einmal nichts los sein, wagt man sich mit dem Roller in den Stadtverkehr.
Malte Vogt verstand sich ausgezeichnet mit seiner Gastfamilie.

Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Ich sitze auf der hintersten Bank eines kleinen gelben Busses auf dem Weg zur Arbeit. Der Bus schaukelt und klappert, die Luft ist, dank Klimaanlage, angenehm kühl und ich döse vor mich hin. Ab und zu hält der Bus an, damit weitere Kinder zusteigen können. Woran man in Tainan eine Busstation erkennt, ist mir allerdings unklar. Ich persönlich orientiere mich an einem grünen Wellblechhaus, bei dem ich jeden Morgen warte.

Vorbei an einfachen Häusern und Wellblechhütten verlassen wir die Stadt und die Strasse windet sich durch eine mit Bambuswald bewachsene Hügellandschaft. Überall sind die Schäden des letzten Taifuns sichtbar. Hier und dort fehlt ein Stück Strasse und der Bambuswald sieht ein wenig gerupft aus.

Hallo, älterer Bruder!

Nach einer guten Stunde Fahrt erreiche ich mein Ziel, das St. Theresa Opportunity Center.

Ich schreibe meinen Namen in eine Liste, zur Kontrolle meiner Anwesenheit. Natürlich in chinesischen Schriftzeichen. Das Klassenzimmer ist ein mit Spielsachen und einem grossen Ventilator ausgerüsteter Raum. In der Mitte sind ein paar Tische kreisförmig aufgestellt. Als ich das Zimmer betrete, werde freundlichst mit «gege« begrüsst, was älterer Bruder bedeutet. Meine Aufgabe ist es, den Kindern bei alltäglichen Dingen behilflich zu sein, sei es Füttern, Händewaschen, oder stundenlanges Schaukeln im Garten. Das Schwierigste ist, herauszufinden, wie viel Hilfe jemand benötigt und was sie oder er alleine kann.

Freunde auf Abruf

Die Einrichtung ist ein durch und durch friedlicher Ort. Doch wie es in Asien so ist, braucht man immer einen Ausgleich. Schwarz  und weiss, Süss und Sauer, Ruhe und Lebhaftigkeit. Und für diesen Teil ist meine Gast-Familie zuständig. Meine Freizeit verbringe ich mehr oder weniger hinten auf dem Roller meiner Gastschwester. Laut knatternd geht es durch die von Leuchtreklame beschienen Strassen Tainans. Zwischen unzähligen Rollern, Taxis, Fahrradfahrern und Fussgängern flitzen  wir durch die Stadt . Hier und da halten wir an, essen Nudeln, trinken Wassermelonenmilch, oder spielen Billard. Und wenn wir mal nicht wissen, was wir genau unternehmen sollen, ruft die Gastschwester einfach einen Freund an, der sich hier auskennt, und so einen Freund gibt es in Taiwan in der Regel immer.

Wenn wir dann spät nach Hause kommen, ist der Abend noch lange nicht vorbei. Meine Gastmutter hat noch etwas zu Essen gemacht. Mein Gastbruder will noch eine Runde Computer spielen und mein Gastvater möchte mir noch Bilder der Schule zeigen, an der er arbeitet. Irgendwann gelingt es mir dann, mich in meinem Bett zu verkriechen. Ich schlafe sofort ein, bis mich meine Gastschwester mitten in der Nacht aufweckt, um zu schauen, ob ich auch gut schlafen kann und das, obwohl ich so früh mit dem gelben, angenehm knatternden Bus zur Arbeit muss.