Kultur | 07.09.2009

Vielseitige Kultur zu später Stunde

Text von David Weber
Auch dieses Jahr trat die Museumsnacht St. Gallen mit dem selbst erklärten Ziel an, das womöglich noch vorhandene Vorurteil der verstaubten und langweiligen Museen und Ausstellungen zu widerlegen. Der erste Teil der Tink.ch -Reportage
Ein roter Teppich für den Museumsliebhaber. Fotos: David Weber und und Rubina Silvestrin Im Bierflaschenmuseum Kunst von Alexandra Maurer "Textil-Monster" im Flon Stickereien aus dem Textilmuseum

Letzten Samstag, am 5. September 2009, fand zum sechsten Mal die St. Galler Museumsnacht statt. Dies bedeutete für rund 30 Museen, Ausstellungen und Ateliers, dass sie ihre Türen zur etwas ungewöhnlichen Zeit von 18 bis 1 Uhr morgens geöffnet hatten und so ein Kulturerlebnis der besonderen Art schufen. Tink.ch war dabei.

Bier aus dem Tonkrug

Museen hin oder her, es war Samstagabend, da gehörte ein Bier einfach dazu. Für den Tink.ch-Reporter und seine Begleitung begann die Museumsnacht 2009 deshalb im Bierflaschenmuseum, direkt bei der Schützengartenbrauerei. Hier lud Christian Bischof, der Inhaber der Sammlung, dazu ein, mehr als 2’000 verschiedene Bierflaschen aus über 260 Brauereinen zu bestaunen. Vom klassischen Tonkrug bis zum eleganten blauen Bierfläschchen fand man hier alles. Auch die Entwicklung der bekannten Biermarken nachzuverfolgen, war spannend.

Kunst in der Davidstrasse

Ein Bus-Rundkurs verkehrte im Viertelstundentakt in beide Richtungen und ermöglichte den über 6’000 Besuchern eine schnelle und bequeme Verbindung zwischen den einzelnen Ausstellungsorten. Er brachte uns an die Davidstrasse, wo sich gleich eine ganze Reihe von Veranstaltungen befanden. Die Galerie Paul Hafner zeigte farbenfrohe Bilder von Alexandra Maurer und das Architektur Forum Ostschweiz eine bewegte Lichtinstallation. Beides waren Impressionen, die bewusst erlebt werden wollten; Sie luden ein zum stehen bleiben und auf sich einwirken lassen.

Zwei Stockwerke weiter unten, im Jugendkulturraum Flon, stellten rund 15 junge Künstler im Rahmen der Ausstellung „Junge Kunst“ aus. Diese war besonders vielfältig und zeugte von der kreativen Schaffenskraft der Jugend. Von Gemälden über Installationen bis zu Textilien war fast alles vorhanden. Vor dem Gebäude zeigten Graffitikünstler den Passanten ihr Können.

Textilien von Grossmutter und Usain Bolt

Nach einem Zwischenhalt bei Jazz-Musik in der Stadtlounge („das Wohnzimmer von St. Gallen“), statteten wir dem Textilmuseum einen Besuch ab, das gleich fünf verschiedene Ausstellungen bot. „Inspiration Farbe“ zeigte moderne Stickereien und Stoffe sowie ihre unterschiedliche farbliche Wirkung, „Stichfest“ dagegen Einblicke in die 250-jährige Geschichte der Union AG, dem ältesten Stickereiunternehmen der Welt. Daneben führte das Textilmuseum eine Sammlung aktueller und historischer Sporttextilien vor, die vom Weltrekord-Schuh von Usain Bolt bis zum Weltrekord-Schwimmanzug von Michael Phelps reichten. Etwas andere Schuhe fand man in der Textilbibliothek: „SpoARTschuhe“ zeigte aussergewöhnliche Kreationen, einmal mit Tannenzapfen und ein andermal mit Briefmarken verziert.

Bilanz

Die Museumsnacht 2009 kann als Erfolg gewertet werden, denn sie bot ein
attraktives Programm an Ausstellungen und Rahmenveranstaltungen für jeden
Geschmack. Auch dieses Jahr erlebten die Besucher in einer
aussergewöhnlichen Atmosphäre zwischen Verweilen und Flanieren die
unterschiedlichsten Facetten der Kultur, vor allem auch mit einer stark
vertretenen Region St. Gallen. Die Besucherzahlen waren aber im Vergleich zu den Vorjahren rückläufig, weshalb die Zukunft der Museumsnacht St. Gallen
gemäss den Organisatoren noch im Ungewissen liegt.

Im zweiten Teil berichtet Julian Stiefel über technische Meisterleistungen im Sitterwerk.