Gesellschaft | 28.09.2009

My big fat macedonian wedding

Ein Hochzeitsfest in Mazedonien verläuft ähnlich wie in der Schweiz - nur ausgelassener: Musik bis in die frühen Morgenstunden, Tischtanzen und dann sind da noch die nervigen Verwandten.
Es wird im Kreis getanzt: Hochzeitsfeier in Mazedonien.
Bild: Redaktion Tink.ch (Artikel anonymisiert)

 

Gegen Ende der Ferien stand noch ein Grossereignis der Extraklasse an (und das ist ausnahmsweise nicht ironisch gemeint): Die Hochzeit meiner Cousine, die auch in der Schweiz, nur ein paar Dörfer weiter, wohnt. Wobei ich an dieser Stelle ausdrücklich betonen möchte, dass sich das „fat“ im Titel auf die Anzahl geladener Gäste und nicht auf das Körpergewicht meiner Cousine bezieht. Meine schlanke Cousine also, hat mir schon einige Male den Hals gerettet. Wenn ich irgendein Problem habe, kann ich sie Tag und Nacht erreichen. Für ihre Hochzeit musste ich also keine Ausrede für mein Nichterscheinen finden.

Normalerweise lege ich nämlich keinen grossen Wert darauf, meine gesamte Verwandtschaft auf einem Haufen ertragen zu müssen. Doch bei ihrer Hochzeit hatte ich sogar Spass. Und nicht nur das, ich habe sogar einige lebenswichtige Erkenntnisse gewonnen:

  • 1. Mit den Absatzschuhen im Gras stecken zu bleiben und sich dabei fast den Fuss zu verstauchen, ist nur halb so lustig, wie es sich anhört.
  • 2. Die Band spielte bis um vier Uhr morgens (Draussen), daraus folgere ich, dass es in Mazedonien keine Nachtruhe oder Lärmvorschriften gibt.
  • 3. Es ist nichts Aussergewöhnliches, von den 200 geladenen Gästen gerade einmal 20 beim Namen zu kennen.
  • 4. Diejenige mit dem kürzesten Kleid zu sein ist unangenehmer als man denkt.
  • 5. Wenn die Band sagt, der nächste Song sei der Letzte, dann ist das eine Lüge.
  • 6. „Nurten, bis du schon wieder gewachsen?!“ Auf diese Frage mit Sarkasmus („Ja und bald werde ich Basketballspielerin“ oder „Klar wachse ich noch. Das und andere Abnormalitäten liegen wohl in der Familie“) zu antworten, ist die beste Methode um sich nervige Verwandte vom Hals zu halten.

Auch wenn ihr nun einen falschen Eindruck bekommen habt, ich war sonst ein braver Hochzeitsgast (bis auf das Getanze auf den Tischen). Es war auch wirklich eine schöne Feier mit guter Musik und reichlich Essen. Und wenn ich mir zum Schluss einen kitschigen Ausrutscher erlauben darf: Das Leuchten in den Augen meiner Cousine gab mir die tiefe Gewissheit, dass sie eine glückliche Zukunft vor sich hat.