Gesellschaft | 14.09.2009

Lieblingsplätze XVI: Spiel und Romantik

Der Lindenhof mitten in Zürich darf ruhig als Oase der Ruhe bezeichnet werden. Im Herbst kommt die romantische Stimmung besonders gut zur Geltung.
Das Schachspielen hat auf dem Lindenhof eine lange Tradition.
Bild: www.flickr.com Mit den schönen Lindenbäumen wird der Hof seinem Namen gerecht. Fotos: kawey / www.pixelio.de Aussicht auf die lebendige Limmatstadt.

Über dem Herzen von Zürich erstreckt sich auf einem Moränenhügel der Lindenhof. 15 v.Ch. errichtete die römische Legion auf dem Hügel eine Festung, ein Zollhaus und sogar ein Thermalbad. Später schwor man hier den Eid auf die helvetische Verfassung. Heute tummeln sich Touristen, das Stadtvolk und mit Regelmässigkeit auch ich rum. Wo man bei Sehenswürdigkeiten kaum von einer Oase der Ruhe sprechen kann, bildet der Lindenhof die Ausnahme.

Sobald man der Pfalzgasse oder der Lindenhofstrasse hinauf folgt und den Platz mit den Lindenbäumen erreicht, hat man das Gefühl, man könnte hier seine Seele baumeln lassen und sich entspannen. Touristen werden magisch angezogen von der schönen Aussicht, die sich ihnen auf die Limmatstadt bietet. Doch mich zieht es eher in Ecke des Lindenhofs, wo die Schachspieler sich auf den grossen Schachbretter duellieren. An sonnigen Tagen trifft man auf passionierte Stammspieler, Schaulustige und Mitgrübelnde, die sich versammeln und die Spiele konzentriert verfolgen.

Konzentrierte Spieler
Ich schlendere zu der hintersten Schachrunde, denn dort spenden die grossen Linden Schatten vor der Sonne. In meinem Sommerkleid fühle ich mich leicht deplaziert neben den Leuten, die durchschnittlich mindestens 60 Jahre alt sind. Mein Erscheinen bleibt nicht unbemerkt und ich werde von den älteren Herren argwöhnisch gemustert. Die Kontrahenten dagegen bringt nichts so schnell aus der Ruhe. Sie konzentrieren sich auf die schwarzen und weissen Schachfiguren und grübeln über die nächsten taktischen Züge.

Eine zeitlang betrachte ich die Figuren auf dem Spielfeld, dann schweift mein Blick über den Platz. Eine ältere Frau unterrichtet ihren Schüler in der Kunst des Tao und auf einer der zahlreichen Parkbänke sitzen zwei verliebte Teenager, die die Welt um sich vergessen haben.  Die Touristen und die tobenden Kinder scheinen in weite Ferne gerückt zu sein. Ich habe das Gefühl, als ob jedes Geräusch vom Wind und von den Bäumen verschluckt wird und stelle einmal mehr fest, wie friedlich es hier oben ist.

Wenige Touristen im Herbst

Im Herbst, bei Einbruch der Dämmerung, zeigt sich der Lindenhof von seiner aller schönsten Seite. Das diffuse Licht der Laternen, das raschelnde Laub geben dem Platz etwas mystisches. Touristen, bis auf die Romantiker, sind um diese Zeit kaum anzutreffen. Es spricht also nichts gegen ein Picknick in guter Begleitung!