Kultur | 01.09.2009

Lieblingsplätze XV: Zu Gast bei Frau Meise

Text von Audrey Djouadi
Letzten Samstag eröffnete in Baden das Café Frau Meise. Eine Mischung aus Café, Laden und Kunstlokal. Unsere Autorin ernannte es kurzerhand zu ihrem Lieblingsplatz.
Bei Frau Meise ist das Licht gemütlich-schummrig. Fotos: Audrey Djouadi Claudia Nabholz alias Frau Meise. An der Eröffnung war das Café bereits gut gefüllt.

Gegen sechs Uhr treffen meine Begleitung und ich an der Unteren Halde 15 in der Altstadt von Baden ein. Der Anblick, den wir dort vorfinden, ist unbeschreiblich. In einem unscheinbaren Seitenhaus wird das Frau Meise Café mit einer rauschenden Party willkommen geheissen.

Betritt man das kleine, charmante Lokal, wird man als erstes von einer zwitschernden Meise empfangen – zwar keine lebendige, aber immerhin: Das Café wird seinem Namen ein erstes Mal gerecht. Schreitet man weiter ins Café, das in zarten Farben gestrichen und mit wunderschönen alten Möbeln eingerichtet ist, kommt man in den Teil, bei dem das Herzen jedes Mädchens höher schlagen dürfte. Kleider und Kuchen in einem Raum, unfassbar! Und natürlich sind es nicht irgendwelche Kleider. Nein. Es werden die Kreationen von aufstrebenden Jungdesignern und Vintagehändlern angeboten.

Idee aus Hamburg

Zwischendurch findet die Inhaberin Claudia Nabholz, auch bekannt als Frau Meise, Zeit, mir das Konzept des Cafés zu erklären. Entstanden sei das alles in der Zeitspanne von ungefähr sechs Monaten. Claudia besuchte ihre Schwester in Hamburg, wo sie in einem verträumten Café frühstückten. Aus der Frustration von Frau Meise, einerseits über ihre noch ungewissen Zukunftspläne und andererseits über das Fehlen eines solchen Cafés in Baden, sei die Idee für ein Lokal entstanden, das Kaffee und Design Kultur vereine. Schon auf  dem Rückflug sei fleissig an Businessplänen, Öffnungszeiten und Preisen gebastelt worden. Und plötzlich sei alles Schlag auf Schlag gegangen: Location war gefunden, Freunde, die mit anpackten und Labels, die ihre Mode zur Verfügung stellten.

Chanson und Zuckerguss

An der Wand prangen neben Vogel- und Blumentapeten auch Fotos von den Labels, die bei Frau Meise verkaufen. Wir sitzen  also gemütlich in dem Café, das aussieht wie ein Wohnzimmer und mindestens genauso gemütlich ist. Eine Mischung aus einem Françoise Hardy Chanson und einem guten Schuss Zuckerguss. So lässt sich das Frau Meise beschreiben.

Feinste Leckerbissen wie Kuchen, Muffins und Co, der angeblich weltbeste Kaffe und einzigartige Mode. Ich hab natürlich versucht, mich bei Frau Meise einzunisten und ins WC zu ziehen (welches nämlich ebenso herzlich eingerichtet ist), was leider missglückt ist. Doch Grund zur Traurigkeit gibt’s nicht. Neben Mode und Kaffe bietet Frau Meise zusätzlich Lesungen an, wie zum Beispiel am 24. September, wenn „Begehren“ von Rebekka Burkhardt und Mirjam Hofmann vorgetragen wird. Und Live-Musik fehlt auch nicht. Am Sonntagmorgen dem 30. August, fand zudem ein Frühstück statt, das mit waschechtem Bauernzopf, Bauereiern und allem, was das Frühstücksherz begehrt, lockte. Untermalen wurde das Ganze von Madame Susset gesungenen Chansons. Weiter tritt am 3. Oktober Tim&Puma Mimi auf.

Frau Meise fliegt aus

Mein Geheimtipp: Am 3. Oktober findet eine Modenschau bei Frau Meise statt, zwar nicht im Café, dafür unter der nahegelegenen Brücke. Das ganze steht dann unter dem Motto „Frau Meise fliegt aus“. Dieses Konzept verspricht uns, dass Frau Meise einmal im Monat ausfliegt und ein Event in einer anderen Location, aber ebenso faszinierend und bezaubernd, organisieren wird.

Fazit


Frau Meise ist ein Café, das man in Zürich vergebens sucht. Etwas ganz Besonderes mit einem unverwechselbaren Flair, das Kunst, Mode, Fotografie, Literatur und (ja, ganz wichtig) Essen vereint. Ich könnte jetzt noch stundenlang weiter schwärmen, aber am besten setzt sich jeder selbst in Bewegung. Der Weg lohnt sich allemal und eines ist klar: Dieses Café hat höchstes Potenzial, sich in meinen definitiven Lieblingsplatz zu verwandeln. Und ich weiss jetzt, wie ich meine Wohnung einrichten werde.

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