Kultur | 14.09.2009

„Kinder sind ein sehr ehrliches Publikum“

Bücher schreiben isoliert. Bücher schreibt man alleine für sich. Stephan Sigg, Jungautor aus Rheineck SG, ist begeistert vom Schreiben, aber nicht für sich im Kämmerlein, sondern mit anderen im Austausch. Das ist einer der Gründe, weshalb er Hörspiele für Kinder schreibt.
Bild: stephansigg.com "Vielleicht entdecken wir so eine neue Trudi Gerster." Luzia Tschirky

Trotz der Fülle an Beschäftigungs-Möglichkeiten für Kinder ist das Hörspiel noch immer sehr beliebt. Waren die Tage früher grau und verregnet, sass ich viele Stunden vor meinem kleinen Fisher Price Radio und hörte Hörspiele für Kinder. „Die fünf Freunde“, Pumuckl, Pippi und auch manche, die ich schon lange wieder vergessen habe. Das Hörspiel muss für Kinder etwas sehr Prägendes sein, denn was ich in dem Alter in der Schule gemacht habe, daran kann ich mich nur noch blass erinnern. Als Kind überlegt man sich kaum, wer eigentlich hinter solchen Hörspielen steckt. Wer also ist dieser Stephan Sigg, der den Kindern mit seinem Text lebendige Bilder in die Luft zu zeichnen vermag?

Um genau dies herauszufinden, warte ich im Starbucks Kaffee irgendwo in Zürich. Die betont lässige Jazzmusik im Hintergrund ist träge und benebelt, genau so wie der Geruch nach künstlicher Vanille, Zimt und Caramel. Mein Versuch, mehreren potenziellen Kinderhörspiel-Produzenten lange in die Augen zu schauen, um ihnen zu verstehen zu geben, dass ich dann jene vom Tink.ch-Magazin sei, scheitert kläglich.

Untypischer Kinderbuchautor

Bevor ich mich aber auch noch über die Inneneinrichtung zu ärgern beginne, tritt ein schwarzhaariger Mittezwanziger durch die Türe und mein Eindruck bestätigt sich: Das also ist Stephan Sigg. Er entspricht ganz klar nicht dem Klischeebild, das wohl so viele von uns von Geschichtenschreibern haben mögen. Warum er schreibt, und warum er im Speziellem für Kinder schreibt, erklärt Stephan Sigg so: „Zuerst habe ich einfach viel geschrieben. Für Gleichaltrige, für Jugendliche. Kinder sind einfach ein wahnsinnig ehrliches Publikum. Man kann Spass und Ernsthaftigkeit in den Texten verbinden. Bei Texten für Erwachsene kann man die Phantasie nie so stark einbeziehen, wie das bei Kindern möglich ist.“

Seine Texte sollen Kinder nicht erziehen, sie haben nichts „Lehrerhaftes“ an sich. Woran man merkt, dass der junge Autor keine Ausbildung zum Lehrer absolviert hat. Aber wie kommt man denn dann zum Kinderhörspiel? Seit neun Jahren publiziert Stephan Sigg Geschichten, vieles was er geschrieben hatte, landete in der Schublade und wurde nie veröffentlicht. Aber dennoch sind schon einige Bücher von ihm erschienen. Es fällt schwer, die verschiedenen Werke in einen Satz zu fassen, denn seine Werke könnten unterschiedlicher nicht sein. Da gibt es einen Weihnachtskrimi, eine Ostergeschichte für Kinder, ein Buch für den Religionsunterricht und so weiter.

Theologie trotz Vorurteilen

Eine Gemeinsamkeit schält sich aber dennoch heraus: Alle Texte befassen sich in irgendeiner Form mit Religion, Kirche oder Ethik. Das kommt nicht von ungefähr, denn Stephan Sigg hat Theologie in Chur studiert. Das sollte kein Grund sein, den Text nicht weiter zu lesen. Wer Theologie studiert, hat mit unglaublichen Vorurteilen zu kämpfen. Veraltet, steif, „bünzlig“, langweilig und prüde. Ja, die lieben Mitmenschen haben so einige nette Vorstellungen in ihren Köpfen. Sich mit den Themen Religion und Ethik auseinander zu setzen, hat aber gar nichts Langweiliges an sich. Denn wie auch immer man eine Sinn- und Wahrheitssuche bezeichnen möchte, ob mit Philosophie, Ethik oder Religion, sie war für die Menschen schon immer ein zentraler und heikler Punkt im Leben, ist es immer noch und wird schätzungsweise auch immer bleiben. Stephan Sigg weiss um die Empfindlichkeit der Menschen bei diesen Themen, findet es aber genau deswegen so interessant, darüber zu schreiben. Man müsse sehr aufpassen, denn die Leute würden sich sehr schnell angegriffen fühlen.

Ideen für eine Geschichte entstünden ganz unterschiedlich, manchmal komme ein Geistesblitz, aber manchmal wisse er auch das Thema, über welches er schreiben möchte, muss aber länger über die Geschichte nachdenken. „Während dem Studium hat es mit den Büchern so richtig angefangen. Zuerst habe ich einen Krimi geschrieben, bevor ich dann ziemlich schnell zu Kinder- und Jugendbüchern gewechselt habe.“

Lieber im Team

Im Rückblick findet er, dass er schon viel früher hätte beginnen sollen, in einem Team Projekte auszuarbeiten. „Ich interessiere ich mich sehr für Kultur, vor allem für das, was andere junge Leute erschaffen. Ich weiss nicht, ob das nur in der Schweiz so ist, aber ich finde es sehr schade, wenn man so für sich alleine arbeitet.“ Das Kinderhörbuch, das Ende dieses Jahres erscheinen wird, ist ein Projekt von Stephan Sigg und James Francis, einem Musiker aus Chur. Wer dieser James Francis ist und wie es zur Zusammenarbeit der beiden gekommen ist, erfahrt ihr nächste Woche. Zum Hörspiel hat Stephan Sigg erst so viel verraten: „Es ist ein Hörspiel-Projekt mit Kindern für Kinder, wo es nicht nur ums Drehbuch geht, sondern vor allem auch um die Sprecher. Vielleicht entdeckt man so auch eine junge Trudi Gerster.“

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