Kultur | 07.09.2009

Keine verstaubten und langweiligen Museen

Text von Julian Stiefel
Am Samstag luden zahlreiche Museen und Ausstellungen zur sechsten St.Galler Museumsnacht. Besonders das Sitterwerk zog viele Besucher an, darunter auch unseren Tink.ch-Redaktor.
Fotos: Julian Stiefel DJ in der St.Laurenzenkirche Geisterhafte Atmosphäre im Sitterwerk Erklärungen in der Kunstgiesserei Reges Interesse bei der Bevölkerung

Der Schwerpunkt der Museumsnacht lag in der Stadt, verteilt auf Museumsgebiet, Davidstrasse und Kloster. Bei den Museen gab es ab 18:00 Uhr zahlreiche Aktivitäten für Kinder. Dazu gehörte das Bearbeiten von Fossilien im Naturmuseum, Kinderführungen mit Geschichten durch Museen und das Photoshooting zum Thema „Born to be Wild“, welches auch zahlreiche Erwachsenen anzog. Auch die Kantonsbibliothek Vadiana nahm an der Museumsnacht teil. Die Ausleihe war bis nach Mitternacht geöffnet und man hatte die Möglichkeit einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, wo alle Bücher aufbewahrt werden. Für gute Musik sorgte DJ Dr. Fes im Ausstellungssaal mit einer riesigen Sammlung ausgewählter Musik. Sehr seltsam wirkte an diesem Abend die St. Laurenzenkirche. Das ganze Kirchenschiff wurde blau beleuchtet und am Altar stand ein DJ.

Sitterwerk

Es ist wohl am wenigsten bekannt und war somit für viele Leute einen Besuch wert. Es besteht aus einer Kunstgiesserei, einem Fotolabor und der Buchwerkstatt. Zudem kann auf eine Kunstbibliothek und ein Werkstoffarchiv zugegriffen werden. Der Shuttlebus führte die Besucher an diesem Abend direkt in das Industriegebiet an der Sitter. Zwischen Maschinen zur Herstellung von Gips und einem riesigen Ofen standen am Samstag Tische mit Kerzen. Die Atmosphäre war seltsam angenehm. Da das Sitterwerk ziemlich abgelegen ist und viele interessante Einblicke bot, verführte es den Tink.ch-Reporter dazu, seinen ganzen Abend dort zu verbringen und sich genau mit der aussergewöhnlichern Materie auseinander zu setzen.

Kunstgiesserei

Die Kunstgiesserei ist wirtschaftlich tätig. Es handelt sich also nicht um eine Stiftung. Ihre Hauptaufgabe ist es, Objekte von Künstlern in Metall umzusetzen. Solche Gebilde bestanden auch schon aus Kaugummi, wie in der Führung erzählt wurde. Zudem finden Künstler im Sitterwerk Unterstützung zur Verwirklichung ihrer Ideen. Einen Kunstguss zu erstellen, das klingt erst einmal einfacher als es tatsächlich ist. In einer Vielzahl von Arbeitsschritten entsteht schlussendlich das stabile Metallobjekt. Eine weitere Teilaufgabe ist die Digitalisierung von Objekten mittels Laser. Da somit gigantische Datenmengen anfallen, wurde das Sitterwerk bereits mit einem Glasfasernetz ausgestattet. Mit den gewonnenen Daten können extreme Vergrösserungen der Kunstwerke erstellt werden. Da Objekte in einer Grösse von über fünf Metern im Sitterwerk über ein Jahr in Anspruch nehmen würden, wurden auch schon Projekte mit chinesischen Firmen zusammen verwirklicht, wo solche Güsse eine grosse Tradition haben.

Üblich ist auch eine Umsetzung von sehr banalen Dingen. So standen in den Hallen etwa Baumstämme oder auch Kisten.

Vacumet

In einer anschliessenden Halle richtet sich die Firma Vacumet ein, deren Teilbesitzer die Kunstgiesserei St.Gallen ist. Vacumet beschäftigt sich mit dem Ausgiessen der Gussformen unter Vakuum. Bei diesem Verfahren können keine Blasen entstehen und für den Guss können auch exotische Materialien verwendet werden. Mit diesem Verfahren werden winzige und extrem stabile Flugzeugteile hergestellt.

Fotolabor

Das Fotolabor im Sitterwerk ist eines der wenigen, das sich noch mit der analogen Entwicklung beschäftigt. Dabei findet die Ausbelichtung auf empfindliches Fotopapier statt. Dies geschieht sowohl maschinell, als auch von Hand. Im Gegensatz zur InkJet-Variante, bei der Punkte nebeneinander gedruckt werden, arbeiten die Ausbelichter des Fotolabors St.Gallen noch mit chemischen Substanzen. Vorteile dieser Technik sind eine viel bessere Qualität und eine längere Haltbarkeit.

Das Fotolabor St.Gallen verfügt zudem über einen von weniger als zehn Diaentwicklern in Europa. Das Entwickeln auf diese Art und Weise lohnt sich heutzutage nur noch für Fotografen und Künstler, da die Preise auch dem Aurbeitsaufwand entsprechen.