Kultur | 14.09.2009

„I feel like Frank Sinatra“

Text von Jessica Hefti | Bilder von Jessica Hefti
Starsailor spielte im Kaufleuten. Sie fühlten sich gut. Auch dank hoher Gage, roten Vorhängen und einem Kronleuchter.
Fühlte sich im Kaufleuten wie Frank Sinatra: Sänger James Walsh von Starsailor.
Bild: Jessica Hefti

Einige Bands spielten im Abart, sie waren nicht allzu bekannt und – schwups! – waren sie grosse Namen. Wohl mit ein Grund, wieso das Abart jetzt vermehrt auch ausserhalb ihrer Höhle Konzerte organisiert. Sie haben den Riecher für die guten Acts. Auch wenn die Überschrift „Abart presents at Kaufleuten Zürich“ komisch wirkt. Umgesetzt sind das rockige Türsteher unter Kronleuchtern und blaue Abart-Gästebändel unter Glitzerarmreifen. Sieben Franken 50 für das Bier und drei Franken für die Garderobe. Und kaum sind die letzten Klänge verklungen, ist man mit seiner Jacke – schwups! – wieder draussen. Ohne ungeplanten Afterpartys und neuen netten Bekanntschaften in der ewigen Garderobenschlange im unteren Stock. Zwischen den üblichen Konzertgängern mischten sich schwarze hohe Pumps, Glamour-Creolen und viel gestrecktes, teils echtes, teils falsches Blond. Die Kaufleuten-Garde: „Du, wer sind diese Starsailor?“ – „Also eigentlich kenne ich nur einen Song.“- „Singen die englisch?“

Schwarzer Blazer statt Holzfällerhemd

Doch Sänger James Walsh war gütig mit der Menge. „Hello, we are the Stairsailor“, begrüsste er das Misch-Abart-Kauf-Publikum. Vor fast jedem Song erzählte er artig von welchem Album dieser jetzt kommt. Walsh schwitzte. Beim Auftritt im Abart im letzten November hatte er ein Holzfällerhemd an. Hier trat er zu Beginn mit schwarzem Blazer auf und als er ihn abzog, war das Hemd schon gar verschwitzt. Keyboarder Barry Weasthead ignorierte das Rauchverbot. Die Band performte Songs der neuen Platte, wie das melodiöse „Tell Me It’s Not Over“ neben bekanntem wie „Alcoholic“. Auch „Four the Floor“, welches sich gut in der Schweizer Hitparade halten konnte. Das dankte Walsh dem Publikum und betonte, dass das Essen und die Bezahlung nirgends so gut sei, wie hier in der Schweiz. Und auch fürs Kaufleuten konnte er sich begeistern: „It looks like Las Vegas and I feel like Frank Sinatra.“ Und liess darauf eines seiner unzähligen „Cheers!“ folgen. Neben einem Outro, das eindeutig von MGMT geklaut war, liessen sie sich zum Tag, an dem alle geremasterten Beatles-Alben herauskamen, nicht nehmen, noch ein „Let it be“ anzustimmen. Diesmal sangen alle mit. Auch das falsche Blond. So schmeckt das siebenfränkige Bier noch besser.