Kultur | 28.09.2009

Hurra, die Holländer kommen!

Text von Jasmin Back | Bilder von Laura Kissling
Im Sommercasino beim Denkmal kommen Konzert-Fans auf ihre Kosten. Dort treten jedes Wochenende regionale, nationale und internationale Bands auf. Am vergangenen Freitag standen Punk und Rock auf dem Programm.
"Ich bin nicht taub, ich ignorier dich nur!" Heideroosjes nehmen kein Blatt vor den Mund. Violent Radio eröffnen den Abend. Charmant, aber rockig. Confuzed-Sänger Ruby Cash.
Bild: Laura Kissling

Der Bass lässt den Boden unter den Füssen und den Bierbecher in der Hand vibrieren. Es ist Wochenende. Freitagabend im Sommercasino, im Basler Volksmund auf Soca abgekürzt. Punk Rock steht auf dem Programm. Violent Radio aus Basel machen den Anfang. Während dem ersten Song tummeln sich knappe 15 Leute vor der Bühne rum. Eingefleischte Fans?

Gitarrengeladene Auftritte

«Etwas Ruhigeres zur Einstimmung«, verkünden die Jungs. Mit ihrem spitzbübischen Charme und ihrem Enthusiasmus gewinnen sie das Publikum für sich. Es folgt eine Rapeinlage des Sängers: überraschend erfrischend. Innert Minuten füllt sich der rot-schwarz gestrichene Raum bis auf circa 50 Personen an. «Heute Abend wird gerockt«, sagt der Drummer und Rock bieten sie. Auch das Cover eines Incubus-Songs gelingt. Doch dann lässt der Gesang nach: Er verschwindet in der monotonen Durchschnittlichkeit und die nicht ganz sauberen Töne sind gut rauszuhören. Das scheint das Publikum aber nicht zu stören.

Nach einer kurzen Pause eröffnen Confuzed das zweite Drittel des Abends. Gitarrengeladen (und der Sänger ohne Hemd, dafür mit Hut) spielen sie als gäbe es kein morgen. Unterdessen befinden sich über hundert Jugendliche und Junggebliebene im Soca. Die langjährige Bühnenerfahrung der vier Musiker kommt im Spiel mit dem Publikum sehr gut zur Geltung: Aktionen wie «Den-Gitarristen-auf-den-Händen-Tragen« gelingen ohne Probleme oder Verletzungen. Ansonsten bieten sie ein gutes Repertoire an selbstgeschriebenen Songs.

Wie wenn sie jung und sexy wären

Das Publikum ist nun bereit für den Headliner des Abends. Die holländische Band Heideroosjes legt los. Sobald der Bass ertönt, strömen die Leute von kalten Herbstluft wieder nach drinnen. «Hallo Basel! We’re gonna rock this town!«, brüllt der Sänger ins Mikrofon. Und das tut die Band, die seit 20 Jahren unterwegs ist. Die Songs handeln von Themen, mit denen die Leute sich nur all zu gut identifizieren können. Beispiel: Das Erwachen am Samstagmorgen. «Und jetzt ein Song aus dem Jahre 1992, als wir noch jung und sexy waren.« Das Gelächter geht im Song unter: «I’m not deaf, I’m just ignoring you.« (Dt.: Ich bin nicht taub, ich ignoriere dich nur.) Und das Publikum tobt und hüpft – nur die Musik hörend. «Der nächste Song handelt von Hooligans«, sagt der Sänger. Und nach einem kurzen Zögern fügt er – nicht ganz ernst gemeint – hinzu: « Ihr wisst doch was das ist?« Allerdings. Das wissen wir.

Am Ende schreien sich alle die Kehle nach einer Zugabe aus dem Leibe. Und die gibt’s: Zwei Songs spielen sie für ihre neuen Fans. Und der Sänger meint: «Basel, ihr seid das beste Publikum, das wir heute Abend gehabt haben!« Und das Publikum ist sich einig: «Heideroosjes, ihr seid die beste Band, die wir heute Abend gehabt haben.«