Politik | 29.09.2009

Global Education in der Schweiz

Text von Marius Wiher | Bilder von Frej Fuori
Interkultureller Dialog, Menschenrechte, Globalisierung. Nur wenige wissen, welche Chancen und Herausforderungen sie mit sich bringen. In Diskussionen und auf spielerische Weise lernten dies die Konferenzteilnehmer in Zürich.
Das Thema Bildung stand ganz klar im Zentrum der Konferenz. Im Spiel erfährt man direkt, wie sich eine ungleiche Verteilung der Ressourcen auswirkt. Aus 18 Ländern kamen die Schüler in die Schweiz.
Bild: Frej Fuori

«Welterziehung ist unvermeidbar im Prozess zur Bildung einer demokratischen Schule, die jedem Lernenden angepasst ist.«, sagte Guiseppe Beccia, der Generalsekretär der Obessu, bevor die Konferenz begann. So sollte also jeder Schüler und jede Schülerin ein möglichst hohes Weltverständnis erlangen, um mit seiner Umwelt kompetent umgehen zu können, meint Beccia.

Die Welt schulen

Global Education – Welterziehung – war das Thema einer Konferenz in Zürich organisiert von der Union der Schülerorganisationen der Schweiz und Liechtenstein (USO) und dem Organising Bureau of European School Student Unions (Obessu) vom 12. Bis 16. März 2009. Der Konferenz vorausgegangen war ein Treffen des Organisationskomitees in Zürich Ende Februar 2009. Finanziell ermöglicht wurde diese Konferenz durch die Förderprogramme «Jugend in Aktion« und «Ostprojekt«, die Stadt Zürich und durch die Eigenmittel der USO. An der Konferenz nahmen 43 Personen aus mehr als 18 verschiedenen europäischen Ländern teil.

Das Ziel der Konferenz war einfach: Die Vertreter aller Unionen Europas sollten auf das Thema «Global Education« aufmerksam gemacht werden. Darum wurden die Vertreter nach Zürich eingeladen, um über Menschenrechte, Demokratie, Friedenserhaltung, Interkulturellem Dialog und der Kontakt mit Drittweltländern zu diskutieren, Probleme aufzuzeigen und Projekte zu entwerfen um «Democratic Education« in den jeweiligen Ländern besser zu fördern. Das Ziel der Konferenz war für fünf Tage hoch gesteckt. Dennoch wurden in verschiedenen Vorträgen, spielerischen Gruppenarbeiten und interessanten Diskussionsrunden viele Vorschläge für Projekte gesammelt, um «Global Education« besser zu fördern.

Ungleiche Ressourcen

Unter Anderen wurde ein solches Projekt praktisch vorgestellt: Allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen wurde eine Land und dazu virtuelle Ressourcen in Form von Schreibern, Papier, Zirkel und Tesa-Streifen zugeordnet. Das Ziel jedes Landes war es, eine Anzahl von geometrischen Formen zu zeichnen und auszuschneiden, um das Spiel zu gewinnen. Die Ressourcen waren natürlich ungleich verteilt und entsprachen dem tatsächlichen Ungleichgewicht des BIP verschiedener Länder. So begannen die einzelnen Länder miteinander Tauschhandel zu betreiben, in den verschiedensten Sprachen zu feilschen und bei Streit sogar ein «Völkergremium« einzuberufen.

Nach drei Stunden wurde sichtbar, wie unfair die Ressourcen verteilt gewesen waren und wie die einzelnen Länder damit umgingen. Dieses Rollenspiel kann in Schulen mit wenig Aufwand durchgeführt werden und fördert das Verständnis für Konflikte zwischen Industriestaaten und Drittweltländern.

Auch ein Sprachaustausch

Die Rückmeldungen zur Konferenz waren durchwegs positiv. Vor allem das Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen wurde als bereichernd empfunden. Die Konferenzsprache war schon von Beginn weg Englisch. Jedoch gab es immer wieder Situationen, in denen man andere Sprachen hörte. So konnten die Finnen auch ihr Schwedisch und die Schweizer Vertreter ihr Französisch verbessern. Die verschiedenen Treffen in der Schweiz und die intensive Zusammenarbeit der USO mit der Obessu förderten den Austausch und die europäische Vernetzung ungemein. Die anfängliche Skepsis gegenüber der Unterkunft – ein modernes Pfadfinderhaus – , welche nur Massenschläge und Massenduschen zur Verfügung hatte, verflog rasch. Letztendlich wurde die Atmosphäre gelobt, zu welcher auch die Unterkunft beigetragen hatte.

Die Konferenz hat vielen jungen Leuten aus Europa die Möglichkeit gegeben, in ein anderes Land zu reisen, sich auszutauschen, zu diskutieren und hat ihr Verständnis gegenüber anderen Kulturen wesentlich verbessert.