Kultur | 01.09.2009

Fliegende Kleider, fliegendes Bier, fliegender Frontmann

Text von Audrey Djouadi
Am letzten Freitag spielten an den Winterthurer Musikfestwochen drei charakteristisch sehr unterschiedliche Bands. The Kooks waren dabei nicht die Lautesten, dafür aber die Besten.
Mit dem Auftritt in Winterthur bewiesen sie es endgültig: The Kooks sind mehr als nur eine Indie-Band für Pupertierende. Fotos: Tatjana Rüegsegger Schwarm der Mädchen und vielleicht auch Frauen: Sänger Luke Pritschard. Zu diesem Zeitpunkt war sein T-Shirt noch unversehrt.

Der Freitagabend an den Musikfestwochen Winterthur verhiess ein rasanter Abend zu werden. The Mojomatics, Danko Jones und The Kooks. Eine ungewöhnliche Kombination, die dennoch mit Witz, Lautstärke und Charme überzeugte.

Kurz vor dem Auftritt der ersten Band fanden wir uns auf der Steinberggasse ein. Wunderschöne Altbauten, Unmengen von Menschen und Gratisfeuerzeuge en masse empfingen uns. Doch viel Zeit um zu Staunen blieb kaum – denn das erste Konzert liess nicht lange auf sich warten. Um Punkt halb Acht heizte die italienische Garageband The Mojomatics dem Publikum ordentlich ein. Ein wilder Mix aus den Editors und The Fratellis. Doch ebenso fulminant wie ihre Musik war auch das Erscheinungsbild der Band. Komplett im einheitlichen, schwarzen Outfit stand das Duo auf der Bühne.

Eine Rockshow, kein Einkaufscenter 

Die darauffolgende Band, Danko Jones, schlug dann komplett in eine andere Richtung. Harter, lauter, aggressiver Rock. Vielen wurde das zu viel, beispielsweise zwei Mädchen, die in der ersten Reihe standen. Als der Frontmann bemerkte, dass sich die Mädels während den ersten drei Liedern ihre Ohren zuhielten, hielt auch er inne und startete eine ebenso aggressive Rede. „This is a rock-show, it’s loud. This is a rock-show, it’s noisy. This is a rock-show, it doesn’t sound like the shopping mall. This is a rock show, and you probably think it sucks.“  Während etwa drei Minuten brachte der Sänger noch ein paar minder gute Vergleiche, die ich nicht als erwähnenswert erachte. Eines muss man Danko Jones lassen, sie sind ausgezeichnete Entertainer. Ob sich der Sänger nun über die Anwohner mokierte, die ihre Fenster geschlossen liessen oder ob er sich selbst in den Himmel lobte. Lustig war es allemal.

Dann kamen wir zum eigentlichen Höhepunkt des Abends. Der Auftritt der englischen Band The Kooks. Während die Rocker Richtung heimwärts schlenderten, fanden sich immer mehr Indie Kids vor der Konzert Bühne ein. Was früher am Abend wie ein Schachbrett von Menschen und Boden war, verwandelte sich jetzt in ein Meer von Menschenköpfen. Doch wer jetzt eine zweitklassige Show für kleine Mädchen erwartete, der hat sich eindeutig getäuscht. Pünktlich erklangen die ersten Töne der Band und ein riesiges Raunen ging durch die Menge. Herzzerreissende Texte und Klänge, die vor Energie nur so strotzen. Aber nicht auf die aggressive Manier, die von Danko Jones an den Tag gelegt wurde. Zarter, emotionaler und sensibler.

Tuch von der Menge zerfetzt

Von dem sanften Schmusesong bis zum absoluten Tanztrack, bei dem weder Band noch Publikum stillhalten konnten – die Kooks bezauberten auf verschiedene Arten. Was mich besonders freute, war zu sehen, wie sehr die Musiker es lieben, auf der Bühne zu stehen. Gegen Ende des Konzerts warf sich der Frontmann Luke Pritchard sogar ins Publikum und erobert damit auch das letzte Mädchenherz. Doch ganz zu übersehen war die enorme Beliebtheit der Band bei der jüngeren Altersstufe nicht. Als Luke Pritchard sein verschwitztes Handtuch in die Audienz warf, wurde es innert Sekunden zerfetzt.

Fazit des Abends, The Mojomatics überraschten, Danko Jones unterhielt und The Kooks, nun ja, sind nun mal The Kooks.

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