Gesellschaft | 01.09.2009

Ferien in der zweiten Heimat – Teil II

Unsere Autorin ist schweizerisch-mazedonische Doppelbürgerin. Wie sie den diesjährigen Besuch in ihrer zweiten Heimat erlebt hat, schildert sie in einer mehrteiligen Serie.
Stöckelschuhe sind selten praktisch - beispielsweise auch nicht auf Reisen.
Bild: momosu / www.pixelio.de

Eigentlich bin ich ein organisierter Mensch, wenn es um die wichtigen Dinge des Lebens geht. So weiss ich zum Beispiel auswendig, in welchem Monat meine Freunde Geburtstag haben (nur mit dem genauen Datum hapert es noch). Frühzeitiges Packen erachte ich nicht als wichtig: Wozu Tage vorher packen, wenn es einige Stunden auch tun?! Oder in meinem Fall Sekunden.

 

Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mir die falsche Abfahrtszeit mitgeteilt wurde. Ich dachte an Freitag morgen acht Uhr, gemeint war Donnerstag Abend „acht“ Uhr, dabei weiss doch jeder, dass es dann 20 Uhr heisst. War also eindeutig nicht meine Schuld. Da ich Donnerstags zu allem Übel immer erst um 19 Uhr zu Hause bin, kam es wie es kommen musste: Es wurde für mich gepackt. Ich konnte gerade noch meine Bücher und meinen MP3-Player einpacken. In Mazedonien angekommen herrschte beim Auspacken grosse Wiedersehensfreude mit Kleidungsstücken, die ich jahrelang nicht getragen habe. Weniger erfreut war ich allerdings über die Tatsache, dass anscheinend niemand an meine Zahnbürste gedacht hatte (alles muss man selber machen). Das Erste, was ich mir also in Mazedonien gekauft habe, war ein Notizbuch und das Zweite dann die Zahnbürste. Das Notizbuch habe ich übrigens häufiger in die Hände genommen als die Zahnbürste und nur damit hier kein falscher Eindruck betreffend meiner Mundhygiene entsteht, ich putze mir dreimal täglich die Zähne.

 

Die Reise dahin

Falls diejenigen mit den unterirdischen Geografiekenntnissen tatsächlich bis hierhin gelesen haben: Danke dafür. Und dies ist für euch: Wie jedes Jahr reisten wir mit dem Auto nach Mazedonien. Wir durchquerten dabei die halbe Schweiz, Österreich, Slowenien, Kroatien, Serbien und Mazedonien. Mit Pausen dauerte diese Reise etwa 24 Stunden. Natürlich ist es wichtig, für so eine lange und anstrengende Reise angemessen gekleidet zu sein. Angemessen bedeutet für mich in diesem Fall komfortabel. Konkret bestand mein Outfit aus kurzen Shorts und einem nicht unbedingt farblich dazupassenden, aber bequemen Shirt und Flip Flops. «Klingt doch gut!- werdet ihr nun sagen. Das habe ich auch gedacht.

 

Paris mit 10cm- Absätzen

„Angemessen“ ist nun einmal, wie so vieles, Definitionssache. Ich habe oben kurz die Pausen an den Raststätten erwähnt. Das waren gar keine Pausen. Also für mich schon. Andere (meistens waren es leider Frauen) nutzten diese vermeintlichen Pausen für ein Schaulaufen unter dem Motto „Ich sehe perfekt aus, trotz stundenlanger Autofahrt“. So stieg ich also aus dem Auto, mit Flip Flops, ungeschminkt und zerzausten Haaren. Da meine Beine vom dauernden Sitzen nicht mehr das machten, was ich von ihnen wollte (laufen), humpelte ich mehr oder weniger zur Tankstelle, um mir das ungesündeste Getränk, welches ich finden konnte, zu holen. Unterwegs wurde ich jedoch von einer Frau, Typ „Ich bin nicht Paris Hilton, aber ich wäre es gern“, überholt. Wie war das bitteschön möglich? Auf ihren 10cm-Absätzen, in enge Jeans gequetscht und ständig darauf bedacht, ihr Oberteil in eine vorteilhafte Position zu rücken? Sie drehte sich dann noch kurz um (ihre perfekten Haare wehten im Wind), um die bewundernden Blicke der notgeilen Männer zu geniessen, lief dabei geradewegs in ein stehendes Auto und legte sich schön vor mir auf die Schnauze. Natürlich habe ich ihr wieder auf die Beine geholfen, gibt ja schliesslich noch so etwas wie Frauensolidarität! Den Weg zurück humpelten wir dann gemeinsam.

 

Übrigens, falls ihr euch fragt, was ich während der langen Autofahrt gegen die Langeweile gemacht habe, hier eine kurze Aufzählung interessanter Tankstellennamen: Valonioil, Makoil, Jugopetrol, Prima Petrol Company und Neptun Petrol.

 

 

Ausblick Teil III:

Im dritten Teil wird das mazedonische Fernsehprogramm durchleuchtet und damit die Bildung nicht zu sehr unter dem Fernsehkonsum leidet, wird dabei natürlich vor allem der bildungstechnische Aspekt in den Vordergrund gestellt.

 

 

Zur Serie:


 

Als Doppelbürger hat man es nicht immer leicht. Da sind sogar so banale Dinge wie Sommerferien ein schwieriges Unterfangen. Die Autorin, in Mazedonien geboren und in der Schweiz aufgewachsen, lässt ihren letzten Ausflug in ihre „zweite“ Heimat revue passieren. In einer mehrteiligen Serie versucht sie ihre Beziehung zu den beiden Ländern in den Griff zu bekommen.