Gesellschaft | 14.09.2009

Ein Traum von nimmer endenden Ferienerlebnissen

Text von Jessica Hefti | Bilder von Jessica Hefti
Eigentlich wieder in der Schweiz, aber mit den Gedanken noch immer im Baltikum. Die Tink.ch-Reporterin und Aufnahmeleiterin bei der Operation Baltikum zieht ein Resümee.
In Gedanken zurück an den Strand.
Bild: Jessica Hefti

Wenn ich in der Schule die Aufgabe erhielte, mein liebstes Ferienerlebnis aufzuschreiben, würde ich in eine einjährige Gedankenreise versinken. Daran denken, wie wir uns in Aloja – einem Ort, der dem Namen nach an einem Strand liegen könnte – auf stinkige, feuchte Matratzen betteten. Und am Morgen nicht auf Hawaii, sondern in einem schäbigen Festsaal in Lettland erwachten. Wie wir auf dem Weg nach Pärnu das Windschattenfahren für eine besonders geistreiche Idee hielten, bis wir so nahe auffuhren, dass einer vornüber im Kies landete. Und ich würde mich daran erinnern, dass uns in Pärnu – das dem Reiseführer nach das estnische Sommermekka sein sollte – nur noch der Saisonschluss erwartete. Auch daran wie in einem Hinterhof das Bastelfieber ausbrach. Wir hatten eine Bettlerhütte zu bauen, fanden alte Dosen und gruben eine Cornflakes-Packung aus einem Müllcontainer. Glücklicherweise residierten wir in Pärnu in einem „Grand Hotel“, welches wir uns dank der Saisonschluss-Preise leisten konnten. Und so gingen uns beim Anblick der fertiggebauten Hütte die Erinnerungen an die Nacht in Aloja nicht allzu nahe.

Weiter ging es mit dem Zug in die estnische Hauptstadt Tallinn. Der Zug war Drehort und Ruheoase zugleich, und nach zweieinhalb Stunden erreichten wir unser Ziel. Der Kondukteur rief uns noch einmal zurück und wir entsorgten die leeren Bierdosen. Nach drei weiteren intensiven Drehtagen kam der Tag der Abreise. Ja, und nun sind die Dreharbeiten in den baltischen Staaten abgeschlossen. Nach 20 Tagen, über 250 Arbeitsstunden pro Person, 100 verschiedenen Drehorten, ein paar 100 Kilometern auf dem Fahrrad, zwei platten Reifen, mindestens einem Sturz pro Person, je gut 20 Mückenstichen, einem Fernsehauftritt, 500 Bierflaschen, einer Nacht fast im Freien, unzähligen Eindrücken von Ländern und Leuten, ein paar Auseinandersetzungen und angeregten Diskussionen, spannenden Gesprächen und um die 400 „Actions“ und „Cuts“.

Und doch ist ankommen nicht gleich angekommen. Kürzlich zum Beispiel: Ein kurzes Nickerchen im Zug, kaum aufgewacht, hatte ich mich schon umgeschaut, wo denn die anderen sieben sein könnten. Oder auch einst: Kerzengerade im Bett, 7.00 Uhr und ein „Scheisse, wieso hat der Wecker nicht geläutet?“. Dabei gar kein Drehtag, dabei alleine unterwegs. Und so wird noch ein wenig weiter geträumt. Von rundem Plastikkäse, der so gar nicht auf die eckigen Toasts passt, von sprudelnden Hotelbädern und feuchtstinkigen Matratzen, von endlosen Birkenwäldern und abrupt endenden Bahngeleisen. Das letzte Cut ist aber noch nicht gesprochen. Es folgen weitere Nachdrehs in der Schweiz. Diese, wie auch die weiteren Arbeiten in der Postproduktion, können auf dem Blog mitverfolgt werden. Im Dezember feiert der Film Premiere.

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