Kultur | 21.09.2009

Draussen Berge aus Stein – drinnen Berge von CDs

Er trat schon als Vorband von Heidi Happy auf und produziert gemeinsam mit dem Autor Stephan Sigg ein Hörspiel für Kinder. Auf Tink.ch spricht Jefferey Schneider alias James Francis über seine Musik und die Zukunft in Omaha.
"Kei Wunder hen miär soooo Grinder!" James Francis, Bündner Musiker.
Bild: Luzia Tschirky Beim ersten Auftritt in der Werkstatt Chur. http://jamesfrancismusic.restorm.com/

Draussen ziehen graue Nebelschwaden vorbei und irgendwie stecke ich meine Nase lieber unter die Decke und hinter meinen Laptop als ins Nassgraue. Nicht das kleinste Fleckchen Blau ist am Himmel zu sehen, aber wenn James Francis „The whole world is in bloom…“ zu singen beginnt, scheint irgendwie einfach Sonne auf mein Gesicht und ja, ich habe wirklich das Gefühl, die Blüten in der Luft riechen zu können. Um das Geheimnis zu lüften: Hinter James Francis steckt Jefferey Schneider.

Ehrliche Texte

Nein, es ist keine Bildungslücke, wenn euch dieser Name nichts sagt. James Francis hat bis jetzt noch nicht viele Konzerte gegeben und ist nicht sehr bekannt. Was er eigentlich auch nicht sein möchte, wie er selbst sagt. Was diesen Singer- und Songwriter aus Chur von allen anderen unterscheidet, die ich kenne? Es ist die Ehrlichkeit in den Texten, bei denen man merkt, dass da jemand singt und weiss, wovon er schreibt und singt. Kein Ghostwriter, der Themen vorgibt, kein Produzent, der Rhythmus und Melodie hervorkramt. Die Ehrlichkeit ist wohl einer der gemeinsamen Punkte von Stephan Sigg und James Francis. Auf der Suche nach einem Musiker für sein Hörspiel ist der Autor Stephan Sigg ganz zufällig auf den Bündner gestossen.

Wie das genau gekommen ist, erfahrt ihr nächste Woche, denn jetzt geht es mehr um James Francis und seine Musik. Seine Musik sei ganz simpel, wirklich nichts Kompliziertes, so beschreibt er es selbst. Das ist vielleicht das Einmalige am Songwriter-Dasein. Man nehme eine Gitarre, jemanden der diese Gitarre ein wenig beherrsche und dazu noch fähig sein sollte, zu texten und zu singen. Und voilà , das scheinbar so Simple entfaltet sich nach den ersten Tönen zu etwas so Tiefgründigem, wie es eine zehnköpfige Band nicht auf die Bühne zu bringen vermag.

Aus Jefferey Schneider wird James Francis

Jeder Mensch trägt wohl Gegensätze, vielleicht auch Widersprüche in sich. Eigentlich ist Jefferey Schneider gelernter Hochbauzeichner, aber die Welt der Büros sei wirklich nichts für ihn gewesen. „Ich bin einfach nicht der, der den ganzen Tag im Büro sitzt und Pläne zeichnet. Ich bin eher der, der die Pläne in die Hand nimmt und dann das umsetzt, was auf den Plänen steht.“ Heute arbeitet er auf Baustellen als Maurer. „Das Gegensätzliche ist auch der Grund, weswegen ich einen Künstlernamen habe. Auf der Bühne bin ich James Francis. Allen Liedern, die ich singe, gebe ich so eine Person. Meine Lieder sind dann meine lyrischen Ergüsse, dann habe ich meinen Senf auch noch dazu gegeben.“ Den Stil von James Francis könnte man als akustischen Indie Rock Pop bezeichnen, da aber alle diese drei Bezeichnungen mit Vorurteilen zu kämpfen haben, lasse ich es lieber bleiben. Festgelegt auf eine Musikrichtung sei er noch nie gewesen. „Es war einmal dies und einmal das.“

Bevor er sein Solo-Ding gestartet hat, war er Teil einer Melodic Punk Band unter Freunden. Diese Band ist eigentlich nie über das Bündnerland hinausgekommen und nach drei, vier Jahren hat sich das Ganze dann irgendwann aufgelöst. Nach der Auflösung war James Francis nicht motiviert, eine andere Band zu suchen und hatte den Wunsch, akustische Musik zu machen. Also hat er sich eine Western Gitarre gekauft und laut eigener Beschreibung zu „klimpern“ begonnen. Mit der Zeit ist dann aus dem „Geklimpere“ vor Freunden eine CD entstanden: „Wandering Wonderings“. Von dieser CD gibt es rund 60 Exemplare, das heisst rare Ware, CDs gibt’s momentan nur auf Anfrage bei James Francis. Allerdings kann man seine Lieder in diversen Internet-Shops downloaden.

Anfang dieses Jahres hat James Francis bei der „Werkstatt“ in Chur einmal angefragt, er mache Musik und ob vielleicht einmal ein Konzert möglich wäre. Worauf James Francis als Vorband von Heidi Happy seinen Debüt-Auftritt hatte. (Ja, wenn euch dieser Name nichts sagt, dann fällt das schon eher unter die Kategorie „Bildungslücke“, aber pssstt! Einfach mal googeln. ) Und jetzt? Dieses Jahr ist ein sehr bewegtes Jahr für den Singer- und Songwriter. Diese Woche am Donnerstag hat er nun den zweiten Auftritt in der Werkstatt als Vorband, dieses Mal von EZIO, einer Band aus England. (lassen wir das mit der Bildungslücke mal.)

Leben als Landei?

Was die Zukunft alles so bringen wird für James Francis, ist noch ungewiss, auch die Zukunft von Jefferey Schneider liegt noch im Dunkeln. Denn eigentlich würde er gerne in die Heimat seines Vaters ziehen, nach Omaha in Nebraska, zumindest für einige Zeit. Nebraska sei so ziemlich „der mittlerste Staat der USA“. Man gelte in den USA als absolutes Landei, wenn man aus Omaha komme. Was er in Chur vermisst, ist die Weite Omahas, man könne fahren und fahren und sehe so weit in die Ferne. –Als sehr flach kann man die Umgebung von Chur nun ja nicht gerade bezeichnen. „Miär hoggen so ufenand, kei Wunder hen miär soooo Grinder.“ Das ist eine Original Bündner Beschreibung für die aktuellen Wohnverhältnisse der Schweizerinnen und Schweizer.

Es ist zu hoffen, dass James Francis der Schweiz noch ein wenig erhalten bleibt. Vorerst baut er sich zu Hause nämlich noch eigene Berge aus CDs, als ob die vor dem Fenster aus Stein die Weite nicht schon genügend versperren würden. Aber Musik sei einfach so zentral in seinem Leben, jedes Mal wenn er aus einem Plattenladen wieder draussen sei, habe er wieder zwei Papiertaschen CDs mehr. Dass er noch diesen Herbst das eigene Hörspiel von Stephan Sigg und sich kaufen kann, ist vermutlich noch gewöhnungsbedürftig.

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