Kultur | 28.09.2009

Die Folgen eines E-Mails

Text von Luza Tschirky | Bilder von Südostschweiz
Wo findet man einen Musiker, dem man zutraut, authentische Weihnachtsmusik für ein Kinderhörbuch zu schreiben? Auf Myspace! Aus dem Treffer in einer Musikplattform ist die tolle Zusammenarbeit zwischen Stephan Sigg und James Francis entstanden.
Die beiden Künstler bei der Arbeit.
Bild: Südostschweiz

Angenommen, du suchtest jemanden, der ein Weihnachtslied für dein Kinderhörspiel schreiben sollte. Es erginge dir dabei wohl ähnlich wie Stephan Sigg, dem St. Galler Jungautor. Du würdest all diese Musikforen im Internet durchforsten. Myspace ist wohl das Bekannteste, aber es gibt noch viele Andere. Für einen Weihnachtssong sucht man vermutlich besser nicht unter der Rubrik Metal oder Punk. Aber auch wenn man so die Suche einschränken kann, das Angebot bleibt riesig. Die Chance für einen Musiker durch eine solche Plattform entdeckt zu werden, besteht zwar, ist aber doch verschwindend klein.

James Francis, der Churer Sing  – und Songwriter hatte aber das grosse Glück. «Ich habe also stundenlang Song um Song angehört und plötzlich die Musik von James entdeckt“, erinnert sich Stephan Sigg, „und die hat mir sofort gefallen. Seine Songs wirken sehr authentisch und kommen ehrlich rüber.“ Sogleich schrieb er dem jungen Musiker ein Mail. Die Überraschung für James Francis war gross, dass überhaupt jemand ausserhalb des Bündnerlandes seiner Musik Beachtung schenkte. Die Vermarktung von Musik im Internet scheint also auch ihre positive Seite zu haben. Nach dem ersten Überraschungsmoment dachte James Francis: «Ja eh, da mach i mit.«

Weihnacht ohne Kitsch

Er weiss selbst, wie sehr Hörspiele Kinder faszinieren können. Es war ihm aber sehr wichtig, nicht einfach ein Lied zu schreiben, wie es schon viele gibt: «Das Lied, das ich geschrieben habe, habe ich nicht für Kinder geschrieben, in der Art von Linard Bardill, dem Bündner Kinderliedermacher.« Das schien mit Stephan Siggs Vorstellungen übereinzustimmen, denn er wollte auf keinen Fall einen kitschigen Song. Verständlich bei einem Thema wie Weihnachten, dass mit vielen solchen Vorurteilen beladen ist. Trotzdem aber sollte in dem Song Weihnachten und Winter thematisiert werden. Keine leichte Aufgabe, die James Francis da zu erfüllen hatte. Aber laut Stephan Sigg hat er die Aufgabe gut gemeistert.

Die meisten Musikerinnen und Musiker bekommen heute ihre Aufträge über ihr Plattenlabel zugeteilt. Das Ganze wird so recht unpersönlich und vielen Songs hört man auch an, dass kein Herzblut drin steckt. Die Zusammenarbeit zwischen James Francis und Stephan Sigg ist um einiges ungezwungener und offener, was man dem Hörspiel sicher anmerken wird.

Ganz anders als geplant

Aufgenommen worden ist die Musik für das Kinderhörspiel in Herisau. Stephan Sigg beschrieb die Momente im Studio mit James Francis so: «Wir sind im Studio zusammen gesessen, haben so dies und das ausprobiert und so sind wir zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen, als wir ursprünglich geplant hatten.« Für den Musiker James Francis war es eine ganz spezielle Erfahrung ein Lied über ein vorgegebenes Thema zu schreiben. Das Aussergewöhnlichste an der Zusammenarbeit zwischen James Francis und Stephan Sigg ist aber wohl ihre Entstehung. James Francis wundert sich immer noch, wie viel ein einziges Mail auslösen kann.