Gesellschaft | 08.09.2009

Die Feier des Jahrgangs 1991

Text von Tabea Sadok
Die Volljährigkeit muss natürlich gehörig gefeiert werden. Die Tink.ch-Reporterin folgte deshalb der Einladung zur Jungbürgerfeier der Stadt Basel.
Fotos: Tabea Sadok

Den Namen „Jungbürgerfeier“ hört man immer wieder, aber was es genau ist, wissen meist nur jene, welche auch endlich eine wirklich ausführliche Einladung (in welcher von A bisZ das ganze Programm beschrieben wird) erhalten haben. Es ist die Feier zur Volljährigkeit. Man kann endlich wählen und hat viele weitere Rechte. Gesetzlich wird man als Erwachsener angesehen. Es gibt sie schon sehr lange, manchmal mit grossem und dann wieder mit kleinerem Andrang. Dieses Jahr hiess das Thema „4 Seasons“ und es wurden rund 500 Junge Bürgerinnen und Bürger eingeladen. Unter anderem hatte sich Regierungsrat Guy Morin als Gastredner angekündigt. Während des Abends konnte man die vier Jahreszeiten durchlaufen und es wurden einige weitere Events dargeboten.

Après-Ski und Vogelgezwitscher

Der Zeitpunkt, auf den alle gewartet haben, stand kurz bevor: Mehr als 300 Personen mit Jahrgang 1991 versammelten sich auf dem Messeplatz und warteten sehnsüchtig auf die Eröffnung der Jungbürgerfeier 2009. Endlich war es soweit, man durfte den Fuss in die noch fast menschenleere Halle setzen und den Duft einiger Apérohäppchen geniessen, welche sogleich „ratzfatz“ aufgegessen wurden. Wie im Brief angedeutet gab es vier verschiedene, nach Jahreszeiten dekorierte Räume, in welchen jeweils die passende Musik gespielt wurde. Im Raum des Winters unterhielten Aprés-Ski-Songs, und im Frühling Vogelgezwitscher die Gäste. Während man ein dreigängiges Essen geniessen konnte, wurde auf der Bühne mit Alphörnern, einer Handorgel, Trommeln und Piccolos das junge Publikum unterhalten. Doch das „Highlight“ des Abends war das riesige Dessertbuffet auf der Bühne. In der Mitte verziert mit einer kunstvoll gebastelten Papp-Torte und rundherum diverse Kuchen, Cremes, Puddings, Fruchtsalate und eine 4-stöckige Früchtetorten.

Gut gesättigt konnte man dann an verschiedenen Aktivitäten teilnehmen, „Karaoke singen“ und „Bullriding“ waren nur ein Teil davon. Ab halb zwölf Uhr durften dann auch endlich die Freundinnen und Freunde, welche erst in den nächsten Jahren volljährig werden, dazu stossen. Die Disco war beim Publikum der absolute „Hit“ und bereits um ein Uhr war die Halle so überfüllt, dass kaum Platz zum Tanzen blieb. Gestört hat dies jedoch kaum jemand, wurde man doch vom Beat mitgerissen und wäre am liebsten bis in die Morgenstunden geblieben. Doch leider hat auch diese grosse Feier ein Ende. Bis drei Uhr konnte man ausgelassen feiern und danach mit dem letzten Nachtbus nach Hause fahren.

Während der Feier traf ich zufälligerweise Markus Grieder, den Präsidenten des Organisationsteam:

Wie lange sind Sie schon beim Organisationkomitee?

Markus Grieder: Also ich bin seit über zehn Jahren im Organisationskomitee und seit 6 Jahren OK -Präsident.

Gibt es immer Veränderungen im Organisationskomitee oder ist es von Jahr zu Jahr gleich?

Nein, wir haben schon immer wieder Neue, welche dazu stossen, aber wir schauen, dass auch Junge dazu kommen, also auch 18-jährige. Heute ist zum Beispiel jemand vom OK selbst am Fest und dann sind es wieder Ältere, welche nach einer gewissen Zeit aussteigen. Wechsel gibt es also immer.

Wie viele sind in der Leitung?

Beim OK sind wir 20 Personen, das ist relativ viel, aber es muss auch gemischt sein. Wir müssen Männer und Frauen sowie Ältere und Jüngere haben. Mir müssen einfach von allen Gattungen Leute haben, denn so wird es am Schluss besser.

Dies ist ja ein Riesenevent, also es werden viele eingeladen; was muss man beim Organisieren alles beachten, und wann muss man mit den Vorbereitungen beginnen?

Wir fangen jeweils im Wesentlichen ein Jahr zuvor an. Es sind 1200 Leute, die wir einladen und es ist auf 500 Gäste bemessen, denn dort liegt die Grenze, weil wir auch finanziell aufpassen müssen. Es sind ungefähr nochmal 300 – 400, welche mit den Friendstickets an dieses Fest kommen. Es ist natürlich nicht ganz so einfach, eine Lokalität zu finden, denn es gibt nicht so viel Auswahl und es braucht relativ viel Platz. Wir von den Zünften wissen ja nicht so genau, was den 18- Jährigen gefällt, daher müssen wir auch immer 18-Jährige in den Zünften haben, welche wissen, was die Zielgruppe überhaupt gut findet.

Das Programm war früher anders zusammengestellt, es gab beispielsweise den „Sternenmarsch“ welcher abgeschafft wurde.

Ja, das ist zwölf Jahre her. Am Nachmittag hatte man ein Programm, man wurde in der Stadt herumgeführt, um verschiedene Sachen anzusehen und kam danach wieder zusammen, um eine Rede anzuhören und anschliessend etwas zu essen und in die Disco zu gehen. Jetzt ist es einfach so, dass sich ein Grossteil, der sich angemeldet hatte, nicht erschien und das war für uns ja auch nicht so befriedigend. Und vielleicht ist es auch eine Zeiterscheinung, dass die 18-Jährigen am Samstagnachmittag noch an etwas anderes denken und erst am Abend für so etwas Zeit haben. Deshalb hat man das ganze Programm auf den Abend konzentriert. Das was wir gemacht haben, also diesen „Sternenmarsch“ – wir haben es immer „Route“ genannt – findet man an und für sich hier auch, denn das Anstossen mit den zwölf verschiedenen Sternzeichen, kam ja auch von den Zünften als Geschenk für die Jungen Bürger.

Bei so vielen Menschen überlegt man sich auch, wie das eigentlich mit dem Finanziellen aussieht. Habt ihr bestimmte Quellen?

Die Regierung zahlt dies, Riehen gibt natürlich auch etwas daran und wir haben noch einige Sponsoren. Wir sind sehr froh, dass wir Sponsoren haben.

Politiker werden auch immer eingeladen, welche wie auch heute eine Rede halten. Stösst dies auf Interessen der Jugendlichen oder ist es eher nicht so der „Hit“?

Es ist sehr schwierig vor einem jungen Publikum, welches sehr anspruchsvoll ist, über eine lange Zeit hinweg zu reden. Du darfst alles machen, als Redner einfach nicht zu lange, denn sonst wird das Publikum unruhig, aber ich meine heute Abend ist es gut gegangen.

Man kann hier auch Alkohol konsumieren, gab es schon Probleme?

Ja, wir hatten schon Probleme, übrigens ist es so, dass in vielen Jungbürgerfesten in den umliegenden Gemeinden mal so richtig auf die Staatskosten getrunken wird. Bei uns ist es auch mal ausgeartet, es gab einen technischen Fehler, denn der Bier ist zu früh aufgegangen. Da hiess es natürlich: „So geht es natürlich nicht, wir können dies ja nicht fördern“, daher haben wir uns ein Alkoholkonzept ausgedacht. Es gibt zum Essen ein Glas Wein, es steht keine Flasche auf dem Tisch und es wird eingeschenkt und die Cocktails enthalten weniger Alkohol. Wir müssen einfach immer ein bisschen schauen und beim Eingang ist ja eine Eingangskontrolle. Wenn jemand schon halb angetrunken rein möchte, muss er draussen bleiben, denn wir wollen dies ja nicht, aber wir möchten auch keine Weltverbesserung spielen. Wir wollen es einfach ganz normal, also ein bisschen dezent handhaben.

Wissen Sie wer sich solch einen Event ausgedacht hat?

Die Jungbürgerfeier gibt es schon seit hunderten von Jahren, also einer hält eine Rede, dann gibt es ein Apéro oder einem wird ein Buch in die Hand gedrückt, oft ist es eine „Stiirisach“. In Basel war dies auch so, daher haben es die Zünfte übernommen und immer wieder neue Ideen einfliessen lassen. Am Anfang gab es schon gleich Partys und so hat sich dies weiterentwickelt bis zum heutigen Konzept, welches für die Jungen stimmt, denn wenn man 1200 einlädt und es melden sich 500 an und es kommen noch mehr, denke ich, dass es für die Jugendlichen stimmt.