Kultur | 01.09.2009

Bier flog durch die Luft

Am Montag vor einer Woche spielte die Kultband Dinosaur Jr. im Abart. Obwohl die Bandmitglieder auch nicht mehr die jüngsten sind, war es ein äusserst lauter und wilder Abend.
Wiedervereint: Lou Barlow, J Mascis und Murph.
Bild: www.myspace.com/dinosaurjr JMascis auf der kleinen Bühne im Abart. Fotos: Anina Diem. Schlagzeuger Murph stiess im Jahr 2005 wieder zur Band.

Sie schreit, tanzt und springt wie wild auf der Bühne herum. Gegen Ende der überzeugenden Show ruft sie dem Publikum „Dance and fuck together“ zu und nach weiteren energiegeladenen Minuten verlässt die Sängerin von Spinnerette die Bühne. Der Support von Dinosaur Jr. hat das Abart schon so eingeheizt, dass man kaum durch die Eingangstür getreten, beinahe einen Hitzeschlag bekommt. Der Club ist gut gefüllt und trotz dem von der Band verhängtem Rauchverbot ist die Luft stickig.

Als die Band die Bühne betritt, wird klar, warum kaum ein Zuschauer unter 25 Jahren ist und die jungen Fans nur in einer Minderheit auftreten. Kein nerviges Gekreische, keine „Ich muss in der ersten Reihe stehen“-Fans.  Dinosaur Jr. wurde 1984 gegründet und würde diese Jahr das 25 jährige Jubiläum feiern. Würde, wenn die Band nicht einige Trennungen durchgemacht hätte. Nach einem erfolgreichen Erstling kam es zu Streitigkeiten zwischen den Bandmitgliedern, woraufhin der Bassist die Band verliess. Es folgten noch zwei weitere Alben, bis der Sänger und Gitarrist J. Mascis im Jahr 1993 auch den Drummer feuerte. Kommerziell waren sie weder zu zweit noch zu dritt besonders erfolgreich, aber in gewissen Kreisen geniessen sie bis heute einen Kultstatus.

Comeback in ur-Formation

2005 folgte das Comeback in der ursprünglichen Formation und es folgten drei erfolgreiche Alben. Die Musik ist schwer in eine Schublade zu stecken, doch wird schnell klar, dass die Klänge nicht nur vom Punk, sondern auch vom Metal geprägt sind, was beim Anblick des langhaarigen Gitarristen schon beinahe erwartet wird.

Zurück ins Abart. Das Publikum schwitzt und als es gegen 23 Uhr zugeht, beginnen die ungeduldigen Rufe. „Dinosaur, Junior, Dinosaur, Junior“. Ein glatzköpfiger Mann betritt die Bühne. Als klar wird, dass es sich um den Drummer Murph handelt, verfällt die Menge in Euphorie. Doch ebenso unauffällig wie er reingekommen ist, verschwindet er auch wieder. Jetzt herrscht eine unruhige und unsichere Stille.

Security nützt nichts

Wenige Minuten später betritt er noch einmal die Bühne, diesmal in Begleitung eines gealterten Metalheads und einem um einiges jünger aussehenden Bassisten. Es kann beginnen. Kaum erklingt der erste Ton, springen auch schon die ersten Fans wild herum und versuchen die Bühne zu entern. Die wütenden Blicke der Security scheinen nicht zu wirken. Im Laufe des Abends stellt sich die Band als nicht sehr gesprächig heraus, doch dies tut Begeisterung keinen Abbruch. Das Abart ist selten so gefüllt und es stellt sich als äusserst schwierig dar, von der vordersten Reihe zur Bar zu kommen.

Die Musik ist zwar nicht besonders tanzbar, aber ab einem bestimmten Alkoholpegel oder wenn man einfach auf Spass aus ist, wird jeder Song zum Discohit. Nach durch die Lüfte fliegendem Bier und einer Menge Schweiss verlässt die Band die Bühne. Die Zuschauer scheinen zufrieden, die Lieblingssongs wurden gespielt, die obligatorischen Zugaben geliefert. Was kann man noch dazu sagen? Als eingefleischter Fan und Folger des Kults ein Abend wie kein anderer, als stiller Teilnehmer, ein bisschen Unterhaltung, ein bisschen gute Musik, aber der Funke sprang nicht über. 

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