Gesellschaft | 24.08.2009

„Wir sind Pastoren im Dienste von Gott“

Die Mitglieder von "Antidemon" sind Vertreter des White Metals. Das heisst sie spielen sehr laute Musik mit christlichen Texten. Tink.ch sprach mit den Brasilianern über Gott, Teufel und die Welt.
Antidemon befinden sich aktuell auf Welttournee. Tink.ch sprach mit Sänger Carlos Batista (r.). Fotos: Martin Sturzenegger Sie singen wie der Teufel, meinen aber Gott: Antidemon.

Beim ersten Blick ins innere der überschaubaren Kellerräumlichkeit des Rock-Citys wird der Musikclub seinem Übernamen „The Metal Cage“ gerecht: Metalfans stehen dicht gedrängt und schütteln ihre langen Haare im Takt der lauten Musik. Die Stimmung ist friedlich, auch wenn von der Musik eine aggressive Energie ausgeht. Die Besucher befinden sich unter Gleichgesinnten. Die Musik der brasilianischen Band Anti-Demon scheint die meisten in Trance zu versetzen.

Wäre man der portugiesischen Sprache mächtig, könnte man die Worte zumindest teilweise verstehen, die sich der Sänger Carlos Batista von der Seele brüllt: „Im Namen Gottes, greift den Teufel an!“ oder „Geh zur Hölle Satan, ich kann deine Lügen nicht mehr ertragen!“ Antidemon spielen christliche Metal-Musik. Vor ihrem Auftritt äusserten sich der Sänger in einem Gespräch.

Wer sind Antidemon? Carlos Batista: Wir kommen aus Brasilien und existieren als Band seit sechs Jahren. Momentan befinden wir uns auf Welttournee mit unserem  aktuellen Album „Satanichaos“. Wir spielen Death Metal  mit christlichen Texten (siehe Kasten).

Wie viele Leute besuchen die Konzerte? Unsere Art von Musik ist in Südamerika ziemlich populär, deshalb haben wir in Bolivien schon vor 2000 Leuten gespielt. Auch in Kassel (D) hatten wir etwa 800 Leute im Publikum.

Wo auf der Welt ist die Begeisterung für christlichen Metal am grössten?

Die erste Bewegung kam aus den USA mit der Band Stryper. Inzwischen hat diese Art von Musik auf der ganzen Welt ihre Anhänger und sie macht einen grossen Teil der Metalszene aus.

Gibt es eine bestimmte Botschaft, die ihr mit eurer Musik vermitteln wollt? Wir erzählen viel über unsere eigenen Erfahrungen mit Gott. Es gab auch Zeiten in denen wir die Bibel belächelten. Doch inzwischen nehmen wir, und ein grosser Teil der Metalszene, Gott ernst. Mit Hilfe von Gott fand ich aus Depressionen und Drogen heraus. Das hat nichts mit der Kirche zu tun, sondern mit einer persönlichen Erfahrung. Die Musik der Musik übermitteln wir diese Erfahrungen.

Besucht ihr die Kirche? Wir reisen viel herum und kommen deshalb nur selten dazu die Kirche zu besuchen. Wir sehen uns selbst als Pastoren, die im Dienste von Gott für sich selbst und die Konzertbesucher predigen.

Was entgegnen sie gläubigen Christen, die sagen, dass Rockmusik ein Werk des Teufels sei? Jede musikalische Stilrichtung kann dazu verwendet werden, um Gott zu ehren. Entscheidend ist nicht die Musik, sondern die Worte, die man für diese Ehrung verwendet.

Auf dem Umschlag eurer CD  „Satanichaos“ ist ein gekreuzigter Teufel abgebildet. Was wollen sie damit zum Ausdruck bringen? Der Teufel richtet auf dieser Welt viel Chaos an. Das Böse, das von ihm aus kommt, wird eines Tages wieder auf ihn zurückkommen und das Gute wird siegen. Dieses Bild soll symbolisch dafür stehen, dass jemand der etwas Schlechtes tut, irgendwann dafür bezahlen muss.

Ist alles Schlechte, dass auf dieser Welt geschieht ein Werk des Teufels? Es gibt Leute, die von sich aus Schlechtes tun wollen. Irgendwann werden sie aber von der Finsternis eingelullt und das Schlechte, das daraus entsteht ist ein Gemeinschaftswerk von Mensch und Teufel.

Würden sie den Teufel zerstören, wenn sie könnten?  Früher, als ich depressiv war, hörte ich Stimmen, die mir sagten, dass ich mich umbringen soll. Diese Stimmen kamen vom Teufel aus und wenn der Teufel kein Geist wäre, würde ich ihn zerstören. Ich hasse den Teufel.

Kann das Gute ohne das Böse überhaupt existieren? Gott existiert immer, auch wenn der Teufel nicht mehr hier wäre. Denn der Teufel ist eine Kreatur, die von Gott geschaffen wurde. Die Engel, die sich zum Bösen bekannten, wurden einst vor die Wahl gestellt und entschieden sich aus freiem Willen bös zu sein.

Haben sie Feinde? Es gibt gerade in der Metalszene Leute, die unsere Arbeit nicht schätzen. Doch ich finde es gut, dass es im Metal eine christliche – und eine antichristliche Front gibt. Nur so kommt die Wahrheit ans Licht. 

Kam es auch schon mal  zu Gewalt zwischen diesen beiden Fronten? In Brasilien versammelten sich einst Black-Metal Anhänger und kamen mit Schusswaffen an unser Konzert. Die Polizei bekam im Vorfeld davon Wind und konnte rechtzeitig intervenieren. Wir hatten grosses Glück.

Sie haben drei Wünsche zur freien Verfügung. Was würdet ihr damit anstellen?

1. Die Menschheit muss zu mehr Toleranz aufgerufen werden. 2. Gott sollte bei jenen Menschen Einzug halten, die ein offenes Herz haben. 3. Jesus sollte zurückkommen und die gläubigen Menschen abholen.

Antibewegung zum Black Metal:


Christlicher Metal, auch White oder Unblack Metal genannt, entstand in den 1980er Jahren als Reaktion auf die antichristlichen Texte des Black Metal. Die Musik ist dieselbe, doch die Texte unterscheiden sich grundlegend. In den 1990er Jahren kam es deshalb öfters zu Komplikationen zwischen den beiden Fronten. Vor allem in südlichen Gebieten, wie Südamerika oder Italien, wo ein strengerer katholischer Glauben praktiziert wird, zieht sich der Kampf der Gegensätze bis heute hin. Grundsätzlich ignorieren sich die beiden Szenen aber so gut es geht, und die Bands bringen ihre Überzeugungen und ihren Hass nur in den Liedtexten zum Ausdruck. (mars)

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