Kultur | 31.08.2009

“Wie ich das wohl mache?”

Text von Martin Sigrist
Yuksek ist einer der Überflieger der aktuellen Franco-Elektrozene. Tink.ch traf Pierre-Alexandre Busson alias Yuksek am Melt und sprach mit ihm über Tourbusse, Schuhe und Hot Chip.
Lebt gerne im Tourbus: Yuksek alias Pierre-Alexandre Busson. Fotos: Martin Sigrist Tink.ch-Reporter Martin Sigrist mit Yuksek.

Yukseks Stücke wie “Tonight” sind kaum mehr von einer elektronischen Party wegzudenken. Nach zahlreichen Remixes für Tiga, Chromeo oder Birdy Nam Nam erschient anfangs diesen Jahres sein erstes Album “Away from the Sea” (Savoire Faire, Universal).

Pierre oder Yuksek?

Pierre ist gut.

Wie geht’s dir, Pierre?

Mir geht’s gut, ich bin nur etwas müde, es war ein langes Wochenende. Ich war unter anderem in Montreux, dafür wurde der Auftritt am Benicassim abgesagt, weil es dort so gestürmt hat.


Deine Konzerte zeigen einen grossen Aufstieg. Letztes Jahr war dein Auftritt in Montreux noch kostenlos, nun warst du dort wie auch hier ein Headliner.

Das ist eine grosse Freude. Auch, dass ich nun eine ganze CD aufnehmen konnte. Es ist ein grosses Glück zu sehen, wie sich die Leute über meine Musik freuen und wie sie meine Stücke kennen. Ich bin wirklich sehr zufrieden, wie es gerade läuft. Auf Tour zu sein, macht einen riesigen Spass, ist aber auch sehr anstrengend und ermüdend.

Was machst du, um trotzdem immer gute Auftritte zu bieten?

So ermüdend ist es ja nicht. Wir sind mit dem Tourbus unterwegs, da kann ich mich gut ausruhen. Ich habe damit immer meine Wohnung dabei und alles, was ich so brauche. Gerade auf Festivals sind die Garderoben nicht so toll. Mit dem Bus habe ich einen Ort, wo ich mich zurückziehen und entspannen kann. Und ich muss nicht dauernd auf irgendwelche Flüge und zu Hotels rennen. Von Freude am Leben im Tourbus höre ich zum ersten Mal. Na ja, so super ist es nicht, natürlich ist es daheim noch bequemer. Wenn ich als DJ unterwegs bin und nicht viel Material dabei habe, dann reise ich auch mal gerne mit dem Auto oder dem Flugzeug und nächtige dann im Hotel. Aber mit dem vielen Equipment von Festival zu Festival reisen – da bin ich echt froh, wenn ich immer mein kleines Haus dabei habe.

Du bist sehr viel unterwegs, ganz ohne eine Gruppe. Fühlst du dich manchmal einsam?

Ich bin zwar alleine auf der Bühne, aber mit einigen Leuten unterwegs auf Tour, ich bin also nicht wirklich alleine.

Möchtest du denn gerne mal mit einer Gruppe unterwegs sein?

Vielleicht beim nächsten Album oder der nächsten Tour. Ich stelle mir aber nicht eine fixe Gruppe mit Schlagzeug, Gitarre und so weiter vor, wie man das sich im herkömmlichen Sinne vorstellt. Ich möchte lieber als Band auftreten wie es zum Beispiel Hot Chip tut, jeder ist vorne und bringt seine Stimme mit rein und übernimmt sozusagen eine Stimme der Musik. Bei Elektromusik funktioniert das einfach besser, als wenn ich meine Musik auf eine herkömmlich besetzte Band umschreibe. In Frankreich scheint es gerade eine sehr lebhafte und innovative Szene der Elektronischen Musik zu geben. Ich weiss nicht warum das ist, aber vielleicht funktioniert es bei uns einfach gerade sehr gut, und ein Erfolg in der Heimat kann hilfreich sein, auch international grössere Touren zu machen. Bands wie Daft Punk, Cassius oder Justice feiern ja riesige Erfolge. Auch Bands, die nicht so danach klingen wie beispielsweise Phoenix sympathisieren damit. Auf der anderen Seite gibt’s diese Entwicklung auch in anderen Ländern. Bis vor kurzem kannte man hier kaum Bands aus Australien, nun sind da Cut Copy, Midnight Juggernauts oder Empire of the Sun, die grosse Erfolge feiern können. Vielleicht ist auch einfach ein gutes Netzwerk der Schlüssel zum Erfolg, so findet man einfacher eine Agentur, die sich für die Musik begeistern kann.

Du hättest mal gesagt, dass du für die Freude als DJ auflegst und für die Gefühle Musik machst.

DJ zu sein ist entspannender, ich muss nicht so viel vorbereiten. Ich nehme einfach meine Platten und gehe los. Bei Live-Musik muss ich viel mehr vorbereiten und mich auch mehr konzentrieren. Man kann auch meine Fehler viel besser hören, gerade wenn falsch gesungen wird. DJ zu sein hat auch den Vorteil, dass ich da meine neuen Remixe ausprobieren kann, das würde ich bei Live-Auftritten nie tun. Ich respektiere DJ’s, sehe mich selber aber nicht als einen sehr guten.

Viele Leute erzählen, du hättest nun mit deinem Erfolg deinem Label den Rücken gekehrt und zu einem grösseren Label gewechselt, was anscheinend nicht stimmt.

Richtig, also dass es nicht stimmt. Ich bin bei einem kleinen französischen Label namens Savoire Faire, den Vertrieb macht dann in Frankreich Barclay und weltweit Universal. Du magst Stücke über Schuhe, Flugzeuge und Sex. Na, ich weiss nicht, aber die drei Dinge mag ich schon. Ich habe immer gerne mit Flugzeugen gespielt und ich kaufe sehr gerne Schuhe, das stimmt also auch. Und Sex, na ja, das muss man nicht erklären (lacht).

In fast jedem Interview wirst du nach deiner Arbeitsweise auf der Bühne gefragt. Kannst du dir erklären warum?

Es scheint heute komisch zu sein, wenn ein Typ auf der Bühne elektronische Musik macht mit mehr als nur seinem Computer. Da interessiert es die Leute, wie ich das wohl mache und wie ich meine Musik produziere. Anscheinend ist meine Musik anders, oder wird zumindest anders wahrgenommen, so dass man sich die Produktion nicht vorstellen kann. Dann macht sich Pierre auf, um sich vor seinem Auftritt noch etwas im Tourbus zu entspannen.

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