Politik | 23.08.2009

Wie die Welt in Gang gehalten werden kann

Text von Céline Graf
Was bedeuten die UNO-Welttage und können sie überhaupt etwas bewirken? Welche Tage müssten eigentlich noch erfunden werden? Eine Umfrage unter den Festivalbesuchern.
Auf der "Sustainability Wall" konnten die Festivalbesucher unterschreiben und ihre Ideen für die Zukunft hinschreiben. Fotos: Céline Graf Katrin Sutter aus Laufen BL Duncan McKenzie kommt aus Südafrika und wohnt in Witterswil BL Rosmarie Bühler aus Nidau (Biel) Rachel James wohnt in Basel, kommt aus Ohio/New Jersey und ist Helferin an der "Sustainability Wall". Jonas Aebi aus Bubendorf BL

Im Rahmen des Jugendkulturfestivals fand vom 21. bis 24. August das 1. Internationale Jugendfestival in Basel statt. Oberstufenschüler informierten Interessierte über das Hauptthema „Nachhaltigkeit“. In der Theaterpassage konnten die Besucher auf einer „Sustainability Wall“ unterschreiben und ihre Ideen für die Zukunft hinkritzeln. Anstoss zu der Aktion war der Weltjugendtag der UNO vom 12. August 2009. Doch weshalb gibt es solche Internationalen Tage überhaupt? Können Sie tatsächlich etwas bewirken? Eine Tink.ch-Reporterin wollte dazu von den Festbesuchern eine persönliche Einschätzung und führte deshalb eine Umfrage durch. Aus einer Liste der kommenden Welttage im September wählten die Befragten zudem jenen Tag aus, der ihnen am wichtigsten erschien. Man war sich einig: Welttage führen Menschen zusammen und machen aufmerksam, erreichen aber nicht jeden. Sie motivieren zum Nachdenken und Diskutieren und ermuntern vor allem die Jugend, etwas zu ändern.

 

Katrin Sutter, 21, Laufen BL

Internationale Tage machen die Leute auf globale Probleme aufmerksam. Damit sie sich etwas überlegen, nachdenken. Bei den wirklich Interessierten zeigt es Wirkung, denke ich. Bei jenen, die sich nur «passiv« einbringen, weniger. Den Tag für die Erhaltung der Ozonschicht finde ich sehr wichtig. Man muss auf die Umwelt achten und Sorge tragen zur Welt. Die Leute sollten wegen dem CO2-Ausstoss aufpassen, nicht zu viel Autofahren, mehr das Velo und die ÖV benutzen. An unserem Stand (Energie-Erlebnis-Zelt) machen wir die Leute spielerisch auf Umweltprobleme aufmerksam.

 

Duncan McKenzie, 59, Witterswil BL (kommt aus Südafrika)

Welttage vereinigen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Gesellschaften, besonders junge Leute. Die Tage sind da, um zu durchmischen, zusammen das Leben zu geniessen. Das ist der einzige Weg, wie die Welt in Gang gehalten werden kann: Wenn die Leute zusammen kommen und in der Lage sind, ihr Leben mit anderen zu teilen, was sie tun, woher sie kommen, ihre verschiedenen Kulturen und Sprachen. Ich denke, in der Regel funktioniert das. Vor allem mit jungen Leuten klappt es oft viel besser als mit älteren Menschen. Das ist ein wichtiger Teil der Arbeit der internationalen Gemeinschaft. Der bedeutendste Welttag im September ist für mich der Weltfriedenstag, es gibt so viele unnötige Konflikte in der Welt. Für die Zukunft ist es unabdingbar, diese Konflikte aus dem Weg zu schaffen. Und wer wäre dafür besser geeignet als die Jugend? Wenn ich einen Tag bestimmen dürfte, wäre das ein „Day of Reconciliation“, ein Tag der Versöhnung, um sich zu entschuldigen und um über seine Probleme und Konflikte zu reden.

 

Rosmarie Bühler, 54, Nidau (Biel)

Internationale Tage weisen auf Probleme hin. Sie bewirken wohl nicht unmittelbar etwas, aber dennoch dass sich die Leute bewusst sind, dass Probleme existieren oder dass es nicht überall Demokratie und solche Sachen gibt. Den Tag der Demokratie sehe ich denn auch als wichtigsten Welttag im September. Weil Demokratie etwas vom Wertvollsten ist und man das erst merkt, wenn man sie nicht mehr hat. Wir können ja gar nicht mitreden, da wir in einer Demokratie leben.

 

Rachel James, 17, Basel (kommt aus Ohio/New Jersey, USA), Helferin bei der „Sustainability Wal“

Solche Internationalen Tage sind da, um Aufmerksamkeit zu erzielen, zu mehr Beteiligung anzuregen und die Jugend zu motivieren, etwas zu bewegen, ihnen auch aufzuzeigen, wie sie dies tun können. Es geht vor allem um Bildung, Aufmerksamkeit und Ermutigung. Ich denke, dies kann wirklich etwas ändern. Ich wusste zum Beispiel zuvor nicht viel über Nachhaltigkeit. Schon nur durch die Arbeit, die wir bis jetzt gemacht haben, konnten wir viele Leute erreichen. Sie nehmen an der Diskussion teil, unterschreiben die Wand, stellen Fragen. Auch wenn sie nur ein paar Fragen stellen, wissen sie dann ein bisschen mehr als vorher. Den Tag der Alphabetisierung finde ich enorm wichtig, da viel Elend von Problemen in der Bildung abstammt. Bildung ist sehr wichtig für jene Menschen, die eine Chance haben wollen, ihr Leben zu verbessern und in der Gesellschaft mitzuwirken. Dazu braucht es Fähigkeiten wie Schreiben und Lesen. Und man kann diese lernen, sie sind nicht unerreichbar. Der Weltfriedenstag ist natürlich auch sehr wichtig. Ich halte es für eine sehr gute Idee, dem Frieden einen Tag zu widmen. Es gibt schon fast alle wichtigen Tage, wie den Jugendtag. Vielleicht existiert der auch schon, aber ich würde eine Art Internationalen Kulturtag einführen, um die eigene Kultur mit anderen zu teilen, um die Vielfalt zu feiern sowie um fremde Kulturen kennenzulernen und von ihnen zu lernen.

  

Welttage im September 2009


8.: Welttag der Alphabetisierung

15.: Welttag der Demokratie

16.: Welttag für die Erhaltung der Ozonschicht

21.: Weltfriedenstag

24.:Schifffahrtstag

27.: Welttourismustag