Gesellschaft | 17.08.2009

Wandern über die Sprachgrenzen hinaus

Das Projekt Get-Together geht dem Phänomen der Viersprachigkeit nach und möchte das gegenseitige Verständnis der vier Sprachregionen fördern. Tink.ch besuchte die Auftaktveranstaltung.
Mit Get-Together werden die Sprachgrenzen physisch überwunden.
Bild: Rainer Sturm / pixelio.de Nach der geglückten Pilotwanderung traf man sich in Estavayer-Le-Lac, um ein Fazit zu ziehen und die nahe Zukunft des Projektes zu planen. Fotos: Janosch Szabo und Martin Sturzenegger Eine Villa oberhalb des Neuenbuger-Sees bot eine entspannte Atmosphäre, die sich die Wanderer verdient haben. Auch musikalisch wurde etwas geboten - unter anderem ein Crash-Kurs im Beatboxen. Oder gemeinsames Musizieren in allen Landessprachen. Gipsmasken gabs als Souvenir.

Das Wandern gehört seit jeher zu den Lieblingsbeschäftigungen von Herrn und Frau Schweizer. An der frischen Luft lässt sich wunderbar durchatmen, man wird eins mit der Natur und dem Stress des Alltags begegnet man mit einem sonnengebräunten Lächeln, vom Berge herab trotzend. Doch erfüllt dieses Hobby mehr als nur die Funktion eines erholenden Selbstzwecks? Wen interessiert es, wenn Herr Schweizer auf 2000 m.ü.M. eine Salamiwurst schält und dabei einen befreiten Jauchzer ausstösst? Wohl höchstens die Gemsen, die sich aufgeschreckt aus dem Staub machen.

Dass es auch anders geht, zeigt das Infoklick-Projekt „Get-Together – Begegnung der Sprachen“, wo junge Menschen während zwei Monaten nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Öffentlichkeit wandern. Im Sommer des nächsten Jahres marschieren die Initianten quer durch die Schweiz. Mit dem Ziel, auf die Sprach- und Kulturbarrieren unseres Landes aufmerksam zu machen, diese selbst zu erfahren, zu überwinden. Der Weg ist in diesem Fall das Ziel und so führt die Route entlang des Alpen Kulturweges, welcher am Genfersee beginnt und in den Tiefen des Münstertals endet. Gut 600 Kilometer durch 10 Kantone und – im Hinblick auf das Projekt besonders wichtig – durch alle vier Sprachregionen der Schweiz. „Der Kulturweg zeigt die Schweiz in all ihren Facetten und nicht nur als malerisches Postkarten-Idyll. Gerade deshalb ist er repräsentativ“, meint Ramona Schneider, die 24-jährige Projektleiterin.

Geglückter Pilotversuch

Bevor das Projekt im Sommer des nächsten Jahres startet (voraussichtlich August-September), braucht es noch viel Vorbereitungsarbeit. Dazu gehörte auch ein Pilotversuch, der letzte Woche erfolgreich zu Ende ging. Insgesamt 10 Leute wanderten während einer Woche bis zum Zielort Estavayer-Le-Lac im Kanton Freiburg. Die eine Hälfte lief von Basel, die andere von Genf aus. Unterwegs veranstalteten beide Gruppen einen Projekttag mit Workshops, die sich mit dem Phänomen der Mehrsprachigkeit befassten: Ein Röstibratwettbewerb, kultureller Austausch mit Strassenmusikanten oder das gemeinsame Erbauen eines Bambusturms, bei dem der kommunikative Austausch über die Sprachgrenzen besonders wichtig gewesen war.

Zwei Reporter von Tink.ch waren am letzten Samstag ebenfalls vor Ort, als die Beteiligten bei eitel Sonnenschein und guter Stimmung über die Erfahrungen aus der vergangenen Wanderwoche berichteten und diskutierten. Die einen waren gezeichnet von den durchschnittlich 25 Kilometern, die sie täglich wanderten. „Nur in Ausnahmefällen und wenn es besonders stark regnete, sind wir zwischendurch kurz auf den Zug aufgesprungen“, sagt Ramona Schneider. Es waren vor allem die Begegnungen mit fremden Leuten, welche die Wandernden nachhaltig beeindruckten. Als sie für die Übernachtung ein Dach über dem Kopf oder ein Platz für das Zelt benötigten, hätten sich viele Menschen als hilfsbereit erwiesen. „Die Leute wurden neugieriger je mehr wir ihnen von unserem Projekt erzählten“, erzählt eine Teilnehmerin.

Diskussionen und Musik

Die Wandervögel und andere am Projekt interessierten Leute tauschten sich in Estavayer-Le-Lac noch bis in die späte Nacht über die gesammelten Erfahrungen aus, berieten und schmiedeten Pläne fürs nächste Jahr – dann, wenn das eigentliche Projekt starten wird. Nach dem Motto „Begegnung schafft Verständnis“ traten am selben Abend auch noch Musiker aus allen sprachlichen Landesteilen auf und lieferten einen stimmungsvollen Beitrag zum Gelingen dieser Auftaktveranstaltung.


Tink.ch informiert ab sofort regelmässig über die Entwicklung von "Get-Together – Begegnung der Sprache".

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