Kultur | 24.08.2009

Vom Anfang bis zum Ende

Text von Tamara Funck | Bilder von JKF
«Share and Show", eine Aufführung von sieben Mädchen, die mit professioneller Hilfe einen viertelstündigen Auftritt erarbeiteten. Die Mädchen im Alter von 14 bis 20 Jahren hatten bereits Erfahrungen mit Tanz und Theater gesammelt und liessen sich von Profis und voneinander inspirieren.
"Share and Show" - ein Tanztheater am JKF. Fotos: Tamara Funck Zu Beginn noch farbig und individuell, erfolgt eine Verwandlung zu allgemeinem Grau. Diese Frauen stecken hinter "Share and Show".
Bild: JKF

Die kleine Bühne vom Theater Basel liegt dunkel vor uns. Das runde Scheinwerferlicht richtet sich auf die Mitte der Bühne, wird ganz langsam heller und heller. Zu Beginn erkennt unser menschliches Auge wegen der schwachen Lichtquelle nur verschwommene, bunte Flecken, dann ergänzen sich die Eindrücke zu einem Haufen von Menschendurcheinander. Die bunten Flecken kleben als Kleidungsstücke an den Gliedern von sieben Mädchen. Eine Hand schnellt hervor, ein Gesicht wird frei und dies geschieht während völliger Stille. Während die Bewegungen immer größer und schneller werden und die Mädchen sich zur vollendeten Körpergröße aufrichten, setzt die Musik ein und gibt den ausdrucksvollen Impulsen eine Form. Eine Form, die sich während dem Auftritt dauernd ändert und am Ende mit dem Zusammenkommen der Mädchen wieder zum Anfang zurückfindet. Dazwischen findet man kurze Schauspiel-Elemente geschickt in Choreografie gebettet.

Alltagssituationen

Das Thema von Alltagskonflikten wird immer wieder aufgegriffen, wobei man das Ganze so interpretieren mag, wie man will und das wiederum macht den Auftritt so gelungen. Anfangs gibt es dazu die Szene mit den imaginären Umkleidekabinen. Die Mädchen mit den oben genannten Kleidungsstücken an ihren Gliedern, welche wegen den knalligen, bunten Farben, gerade so eigen und unverkennbar wirken, reissen diese bunten Flecken von sich und gefallen sich erst ganz grau, trüb und traurig. Die Farbe Grau, als Attribut dafür, dass niemand als graue Maus dastehen möchte, man erst mit sich zufrieden ist, wenn man dazu gehört und genauso aussieht wie die meisten andern. Das Anderssein als Alltagskonflikt. Darauf folgt ein Schauspiel-Element, in dem sich zwei Mädchen über ihr Alter bewusst werden, während sie einen Handyraubüberfall durchführen. Zuerst fühlen sie sich gross, stark und erfahren, doch dann werden ihnen plötzlich die gesetzlichen Konsequenzen bewusst, die sie nun mit volljährigem Alter zu erwarten haben. Eine paradoxe Alltagssituation, die in geänderter Form tatsächlich oft vorkommt. Vielleicht liegt es daran, dass jedes Alter einmalig ist und dadurch das Thema wohl permanent für Gesprächsstoff sorgt und überbewertet wird.

Der ganze Auftritt wird trotz verschiedenen Schauspiel-Elementen nicht auseinander gerissen, was dem Gesamten Ausdruck und Bewegung verleiht. Impulsive Menschen auf der Bühne, die keine Grenzen kennen und wie wild in einem Raster auf- und ablaufen. Das Raster führt die sieben Mädchen so dicht zusammen, dass sie ineinander laufen und wieder in einem Haufen versinken. Zu Beginn und Ende ein Haufen von Gliedern – als Zeichen für Geburt und Tod?