Gesellschaft | 10.08.2009

Unter den Dächern von Nizza

Ganze drei Wochen. 20 Nächte. Also echt lange. Frankreich, Nizza und Roger. Wer mich kennt, wird den Zusammenhang vielleicht bereits erraten haben, für alle anderen hier eine Kurzfassung. Seit der fünften Klasse ist Französisch mein sprachliches Dilemma.
Steinstrand und Meer: Sommerferien-Feeling in Nizza. Fotos: Roger Tschallener Typisches Gastfamilienhaus: Zimmer frei? Gastschüler rein. Auch Nachts spannend: Place Massena

So wirklich beherrscht hatte ich die Grammatik der Sprache der Liebe leider nie. Nichts desto Trotz wage ich mich im September in ein Studium, in welchem nicht nur Deutsch und Englisch zu den Schulfächern gehören. Ein Sprachaufenthalt in Nizza soll mich darauf vorbereiten.

Sprache I

Ja, mein Französisch wurde besser. Von „Je m’apelle Roger. J’ai 21 ans.“ hab ich es auf ein für meine Verhältnisse beachtliches Niveau bezüglich Grammatik und Wortschatz geschafft. Was Reissverschluss in Français heisst, kann ich mir aber beim besten Willen nicht merken.

Sprache II

Wortgebastel. Die Franzosen lieben das. Glaub ich zumindest. Anders kann ich mir das Fehlen von eigentlich einfachen Wörtern nicht erklären. Diese Lücken werden natürlich gefüllt, und zwar mit Wortkombinationen. So ist ein „Zmorge“ halt einfach ein „kleiner Zmittag“ und „billig“ ist „nicht teuer“. Auch den besagten Reissverschluss würde ich hier gerne erwähnen. Aber ja, siehe oben.

Essen

Mein kleines Mittagessen bestand klassisch aus Baguette und Fruchtsaft. Weniger klassisch verbrachte ich das grosse Mittagessen, das meistens auch eher klein ausfiel. Einerseits war es viel zu heiss, um gross essen zu gehen, andererseits waren die Preise auf Zürcher Niveau – qualitativ blieb man aber an der Franzosenküste. Ein tägliches Highlight war dann das Abendessen, das man in meiner Gastfamilie eigentlich als riesiges Mittagessen hätte bezeichnen können. Nach Salat, Fleischvorspeise und/oder Aperitifhäppchen und Hauptgang folgte stets der erste Dessert, französischer Weichkäse. Abgeschlossen wurde die durchschnittlich einstündige Zeremonie mit Mouse au Chocolat und Früchten.

Klima

Das Klima in Nizza ist, wer hätte es erwartet, mediterran. Für meine Verhältnisse etwas zu heiss und sonnig, vor allem bei Getränkepreisen wie im X-Tra. Dennoch hat das gelegentliche Sonnenbaden ganz gut getan – neben der Schule musste man natürlich auch mal die Seele am Kiesstrand baumeln lassen.

Ausflüge

…habe ich natürlich auch gemacht. Ja, wie ein richtiger Tourist! Mit Kamera und Sonnenbrille in den klimatisierten Reisecar und ab nach Monaco. Zugegebenermassen eine unglaublich hässliche Stadt, die von der Skyline an ein kleines Züri-Wiedikon erinnert – mich zumindest. Ganz anders Cannes. Die französische Filmhauptstadt kann mit einer hübschen Strandpromenade inklusive Sandstrand (für Nizza-Urlauber ein klares Highlight) punkten. Wer das nötige Kleingeld hat, kann auch noch Shoppen gehen, die Herren von Gucci und Co. warten frisch frisiert auch an Nationalfeiertagen auf die Chihuahua tragenden Edeltussen. Weniger glamourös, deshalb aber gleich charmanter kommt das kleine Dörfchen Antibes daher. Auch mit Sandstrand und einer hübschen kleinen Altstadt.

Fazit

Mit ausreichend Selbstinitiative ist das Lernen (Neulernen und Wiedererlernen) einer Sprache in einem Ort wie Nizza ohne Probleme möglich.

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