Kultur | 24.08.2009

Tanz als Verständigung der Kulturen

Text von Fatlume Halili
Die albanische Tanzschule Shota trat am Freitag beim Jugendkulturfestival auf und entführte das Publikum in eine farbenprächtige Welt des Tanzes. Ich führte nach dem Auftritt ein Interview mit zwei Tänzern der Gruppe und stiess auf Gastfreundschaft, wie ich sie lange nicht erlebt hatte.
Botschafter für kulturelle und integrative Themen: Die albanische Tanzgruppe Shota. Fotos: shota.ch

Das Theater Foyer ist schon gut gefüllt, als auch ich meinen Sitzplatz einnehme und auf den Auftritt der Tanzgruppe Shota warte. Das Publikum besteht aus verschiedenen Altersgruppen und Nationen, die Stimmung ist gut.

 

Die albanische Tanzgruppe Shota wird angekündigt. Nach wenigen Sekunden stehen auch schon über 20 Tänzerinnen und Tänzer in ihren farbenfrohen Kleidern auf der Bühne und tanzen zu folkloristischer albanischer Musik. Der Tanzstil und das Auftreten der Gruppe scheinen anzukommen, denn Shota erntet vom Publikum viel Applaus.

 

Kulturelles Erbe verbreiten

Nach dem Auftritt treffe ich mich mit Shkëndije Bajrami(20) und Sherif Dakaj(26). Sie sind die Assistenten von Agron Bajrami, des Gründers und Tanzleiters der Tanzgruppe Shota. Shota wurde vor über 15 Jahren gegründet und zählt heute ungefähr 85 Tänzer in Basel, Baden und Altbüron. Zusammen mit seiner Frau gründete Agron Bajrami 1993 Shota, nachdem er 1988 mit seiner Familie in die Schweiz immigriert war. Der Kosovar gründete die Tanzschule, um die Familientradition weiterzuführen und auch der Schweizer Bevölkerung die albanische Kultur näher zu bringen. Ausserdem wolle man besonders den Jugendlichen die Möglichkeit geben, etwas Sinnvolles zu tun. „Mein Vater möchte die eigene Begeisterung für das Tanzen an alle weitergeben und auch den eigenen Landsmännern zeigen, dass wir ein wunderbares Erbe haben, welches wir unbedingt verbreiten sollten“, sagt Shkëndije, die Tochter von Agron Bajrami, die seit mehr als 18 Jahren auf der Bühne steht.

 

Im Gegensatz zu Shkëndije, die von Klein auf nichts anderes kennt, als jedes Wochenende mit Tanzen zu verbringen, fing Sherif bei Shota zuerst zum Zeitvertrieb an. „Ich wollte den Samstag nicht auf der Strasse oder sonst wo verbringen, also fing ich mit 16 Jahren an zu tanzen. Mit der Zeit wurde es immer mehr zu meiner Leidenschaft und ich werde solange weitermachen, wie es möglich ist.“ Die dauernde Abwechslung und die immer wieder neuen Leute, die dazu kommen, machen die Tanzschule so besonders, meint Sherif. Der Haustechnikplaner für Lüftung kann fast nicht aufhören zu schwärmen und erzählt, dass auch seine Frau bald bei Shota anfangen werde.

 

Immer zwischen zwei Kulturen

Die Tänzer möchten nicht nur Botschafter für kulturelle, sondern auch für integrative Themen sein. „Integration ist für mich ein gegenseitiges Zueinanderfinden: Ausländer und Schweizer müssen sich in der Mitte treffen und das macht es eben so schwierig“, sagt Shkëndije. Die angehende Fachfrau für Kinderbetreuung wurde in der Schweiz geboren und findet, dass Rassismus in den Schulen am meisten verbreitet ist. Sherif kann seiner Tanzkollegin nur zustimmen und erinnert sich an die Zeit vor 13 Jahren, als er mit seinen Eltern und seinen zwei älteren Schwestern in die Schweiz gekommen ist: „Das ist die schlimmste Zeit meines Lebens gewesen. Ich habe wirklich Schlimmes erlebt und mir oft gewünscht oder wünsche es mir immer noch, dass die Schweizer und die in der Schweiz Lebenden mehr auf uns Ausländer zukommen und zumindest versuchen, uns so zu akzeptieren, wie wir sind.“

 

Zwischen Integration und Assimilation wird jedoch klar unterschieden: „Wir wollen uns so gut wie möglich integrieren und gleichzeitig die eigene Kultur nicht verlieren. Wir Immigranten werden immer in zwei Welten leben, können also nicht sagen, dass wir hundertprozentig Schweizer oder Albaner sind“, sagt Sherif nachdenklich und Shkëndije fügt hinzu: „Wir sind weder Fisch noch Vogel. Schlussendlich geht es darum, sich zwischen diesen zwei Welten zurechtzufinden und so zu leben, dass man sich wohl fühlt und niemandem Schaden zufügt.“

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