Kultur | 24.08.2009

„Respekt für die Gehörlosen“

Ein Poetry Slam ohne Worte - das ist für viele Unvorstellbar. Der Deaf Slam zeigt, dass Gehörlose ebenso viel zu sagen haben. Am Freitag anlässlich der Musikfestwochen in Winterthur fand er zum sechsten mal statt.
Schweinegrippe?: Die Deaf Slammer wussten sich gekonnt zu inszenieren. Fotos: Michèle Däppen Teilweise sprachen sie schneller, als die Dolmetscherin übersetzen konnte. Ein kleines Mädchen als Glücksfee: Sie zog die Startliste. Acht Teilnehmer getrauten sich auf die Bühne des 6. Deaf Slams.

Die beiden Moderatoren betreten die Bühne des Albani-Klubs in Winterthur. Automatisch wandern die Hände aller Zuschauer in die Luft. Sie lassen ihre Finger tanzen, klatschen in Gebärdensprache. 

Jeder Teilnehmer hat sechs Minuten Zeit, um über ein Thema seiner Wahl zu sprechen. Einzige Bedingung dabei: Alles muss in Gebärdensprache sein. Für Leute wie mich, die noch nie damit in Kontakt gekommen sind, steht eine Dolmetscherin bereit, die in Worte fasst, was die Teilnehmer uns mit ihrem Körper sagen. Am Schluss kann das Publikum per SMS-Voting den Sieger bestimmen.

Zu schnell für die Dolmetscherin

Insgesamt acht junge Menschen waren bereit, sich dieser Herausforderung zu stellen und sind vors Publikum getreten. Ein kleines Mädchen zog eine Nummer, um die Reihenfolge zu bestimmen. Es traf eine junge Frau, die mit einem noch etwas scheuen Lächeln die Bühne betrat. Ihre Hände flogen durch die Luft. Sogar die Dolmetscherin kam kaum noch mit. Mit Witz und haufenweise Charme sprach sie über Respekt für mich und dich. Ihre Story endete mit dem Satz: „Respekt für die Gehörlosen“. Die Finger des Publikums „klatschten“ in der Luft. Ich persönlich war sehr beeindruckt. Doch mir blieb keine Zeit um über ihr flinken Bewegungen zu staunen, denn schon wurde die nächste Nummer gezogen. So ging das weiter. Von Themen wie „Operieren“ über „Beziehungsprobleme“ bis hin zu „Langeweile“.

Die Teilnehmer waren sehr kreativ. Und am Ende war es eigentlich ganz egal, wer den 6. Deaf Slam gewonnen hat, denn bezaubert haben sie uns alle.


Links