Psychologen im Netz

Millionen von Menschen beschäftigen sich bereits mit “World of Warcraft” (kurz: WoW). Tausende können als süchtig bezeichnet werden.
Die Spieler erleben Abenteuer in einer Welt voller Zerstörung, Feindseligkeit und Teamgeist. Dabei bilden sie ihren virtuellen Charakter immer mehr aus.

Spielen ohne Ende

Die Spielentwickler von Blizzard Entertainment arbeiten dauernd an neuen Inhalten. Somit endet das Spiel nie. Es ist kaum möglich, einfach abzuschliessen, nachdem man schon etliche Stunden investiert hat, um virtuelle Macht zu erlangen. Hat man einen Gegner besiegt, warten schon neue Bedrohungen. Man legt dieses Spiel nicht einfach beiseite, dafür ist die eigene Figur zu wertvoll. Da das ganze ein Onlinegame ist, können sich andere Spieler jederzeit weiterentwickeln, auch wenn der eigene Computer mal nicht läuft.

Virtuelles Kräftemessen

Die Spieler selbst haben jedoch nicht das Gefühl, zu viel vor dem PC zu sitzen. Zur Suchtgefahr meinen die meisten: “Das passiert mir doch nicht.”
Suchtforscher Jürgen Tegel gegenüber dem Onlinemagazin “Chip.de”: “Wir haben es hier nicht mit einer körperlichen Abhängigkeit zu tun, sondern vor allem mit sozialem Druck und der Attraktivität einer alternativen Realität.”
Viel Arbeit steckt hinter dem virtuellen Leben, mit dem die betroffenen Personen besser klarkommen und stärker sind als in der Realität. Sie sind abgeschirmt von den äusseren Gefahren. Ist es nicht ein schönes Gefühl, die anderen Spieler mit seinen überlegenen Waffen beeindrucken zu können?

Bis zu 16 Stunden täglich

Die Gamesucht führt zu stundenlangem Spielen im abgedunkelten Zimmer, bis zu 16 Stunden täglich. Somit ist ein negativer Einfluss auf das reale Leben zu erwarten. Die normalen Tätigkeiten wie Beruf, Studium und Sport werden vernachlässigt, Freunde stehen gelassen. Das Spiel wird zum Allerwichtigsten im Leben. So etwas kann von einem Aussenstehenden nicht verstanden werden.

Die einfachste Art eine derartige Spielsucht zu verhindern: Gar nie anfangen, “World of Warcraft” und ähnliches zu spielen. Für die bereits Abhängigen ist die einzige Lösung, die Software direkt von der Festplatte zu löschen. Doch so einfach geht das in den meisten Fällen nicht.

Ambulanz für Computerspielsüchtige

Bereits heute gibt es an der Universität Mainz eine Ambulanz, die sich um die schweren Fälle der Spielsucht kümmert. Vor allem gefährdet sind männliche Personen im Alter von 16 bis 24 Jahren.

Eine neue Therapiemethode wurde kürzlich vom Psychologen Dr. Richard Graham vom Tavistock Center in London vorgestellt.
Dr. Graham versucht momentan, bei “Blizzard” für sich und seine Mitarbeiter freie Accounts für die WoW-Spielwelt zu bekommen. Es sei die beste Methode, die Süchtigen in ihrer bevorzugten Umgebung zu behandeln, da die betroffenen Teenager die meiste Zeit in ihrem Zimmer verbringen und sich vom sozialen Umfeld abschirmen. Anzeichen der Spielsucht könnten meist nicht oder erst zu spät erkannt werden, da diese Teenager nicht wie andere durch ihr asoziales Verhalten auffallen. Schliesslich sind sie ganz abgeschirmt von der restlichen Welt.

Spielfiguren statt weisse Kittel

Das Projekt von Graham soll Ende 2009 starten. Seine medizinischen Mitarbeiter sollen ihre eigenen Spielcharaktere anlegen und sich so unter die Gamer mischen. So können die betroffenen Personen direkt im Spiel betreut werden. Die Mitarbeiter sollen sich zudem mit dem Spiel vertraut machen und sich auch selbst in der spielinternen Hierarchie hocharbeiten, sodass sie unentdeckt bleiben. Also erstmals keine Psychologen in weissen Kitteln.

Spieler machen sich lustig

Die Spielefirma “Blizzard” hat dazu noch keine Stellung genommen. Ob sie so etwas überhaupt zulassen will, ist eine andere Frage. Wieso soll “Blizzard” mithelfen, seine Kunden zu vertreiben?

Die Spieler zweifeln sogar jetzt schon am Nutzen dieser Methode. Sie machen sich über die Psychologen lustig. “Diese werden das Spiel und unsere Internetsprache sowieso nicht verstehen”, heisst es, “dafür müssten sie viel zu viel lernen.”

Was Berlusconi richtig macht

Der braungebrannte Machtmensch aus Mailand, der das “always a smile”-Gen verinnerlicht zu haben scheint, macht sich und sein Land ausserhalb der Landesgrenzen zum allgemeinen Gespött. Mit Liebesgeschichten, aber auch mit lange bekannten Problemen, die dem Südstaat auch schon den Übernamen “Stinkstiefel” bescherten. Beispielsweise unterhält Italien laut der OECD eines der schlechtesten Bildungssysteme Europas. Experten fragen sich, ob der Staat bald von seiner eigenen Schuldenlast erdrückt wird. Im Süden wütet die Mafia – in Krisenzeiten mehr denn je. Und wer schon einmal durch das Land der Pizze und Pasta fuhr, der sah zweifelsohne auch die unfertigen Betonkonstruktionen, die wie viele hässliche Warzen das wunderschöne Landschaftsbild Italiens beeinträchtigen.

Hochkonjunktur des rechten Populismus

Trotzdem wählten die Italiener Silvio Berlusconi im Mai des vergangenen Jahres zum dritten Mal zum Ministerpräsidenten. Irgendwo muss dieser machtbesessene, oft unzimperliche und machohafte Berlusconi – dessen Amtsperioden allesamt ohne bahnbrechende Erfolge über die Bühne gingen – seine Stärken haben. Denn wer seine Wahlerfolge mit Berlusconis Besitz von diversen Medien begründet, macht es sich zu einfach. Tatsächlich scheint der Cavaliere am besten zu wissen, wo den Leuten von Mailand bis Neapel der Schuh drückt. Der rechts-bürgerliche Populist profitiert im Allgemeinen von einer europäischen Rechtstendenz. Aufgrund von Ausländerproblematiken in Grossteilen Europas und der Ideenlosigkeit der politischen Linken in dieser Hinsicht, erleben die bürgerlichen Parteien europaweit grössere Zuläufe, sicherlich ein Vorteil Berlusconis.

Volksnah trotz Milliarden

Der Medientycoon weiss diese Stimmung gut auszunutzen – Grossaufgebote der Carabinieri vermitteln den Bürgern die gewünschte Sicherheit. Und als vor seiner wiederholten Wahl zum Ministerpräsidenten Abfallberge in Neapel internationale Wellen schlugen, löste er ein Wahlversprechen ein und räumte die Stadt nach Amtsantritt in kurzer Zeit. Er interessiert sich für die Probleme des kleinen Bürgers – eine Disziplin, die er perfekt beherrscht, obwohl sein auf 9,4 Milliarden Dollar geschätztes Vermögen anderes erahnen lassen könnte.
Fast symbolisch zeigte sich Berlusconis Fingerspitzengefühl nach der Erdbebenkatastrophe in den Abruzzen. Il presidente sorgte erst mit der Bemerkung “Ihr müsst das als Campingausflug betrachten” für Negativschlagzeilen. Doch darauf erschien er in den ersten zwei Monaten vierzehn Mal in der Krisenregion und nahm der Bevölkerung die Probleme ab. Es gipfelte schliesslich darin, dass Berlusconi den G8-Gipfel in die Abruzzen verschob, um den internationalen Politgrössen seine Krisenfähigkeiten zu zeigen, die tatsächlich vorhanden sind.

Kein Gegenspieler

Weiter mangelt es in Italien auch an Konkurrenz, an einem politischen Gegenspieler. Der Linken fehlt ein Mann mit Charisma – der ehemalige Ministerpräsident Romano Prodi verkörperte alles andere als Sicherheit, Kompetenz und Übersicht. Seine Regierung zerfleischte sich nach kurzer Zeit und der Erbe war, einmal mehr, Silvio Berlusconi. Denn in Italien ist scheinbar nicht die Veränderung das Ziel, sondern man sehnt sich nach einer Konstanten. Und man sehnt sich vor allem danach, dass es nicht schlechter wird, als es mit Berlusconi ist. Und genau dieses Versprechen kann nur einer garantieren: Silvio Berlusconi.