Kultur | 24.08.2009

Morddrohung beim Filmdreh

Text von Jessica Hefti
In der zweiten Woche erreichte die Operation Baltikum Estland. Die Aufnahmeleiterin und tink.ch-Reportin berichtet von aussergewöhnlichen Drehorten.
Erschreckte Marktfrau inmitten von Dosenfutter und Whiskey-Flaschen. Fotos: Jessica Hefti Die Sicherheit dieses Landes ist besser als sein Ruf: Velos werden nicht geklaut - auch wenn der Schlüssel steckt.

Zentralmarkt Riga. Die Vielfalt an frischer Ware die hier angeboten wird, kann man sich fast nicht vorstellen. Auf den ersten Blick sieht man tausend verschiedene Dinge, beim zweiten noch knapp hundert. Viele Stände sind kaum von einander zu unterscheiden. Hier Zwetschgen, da auch. Hier Tomaten, hier auch. X-mal alles. In der Halle sieht es dann abwechslungsreicher aus. Eine hat nur Dosenfutter, die andere die abartigsten Sorten Würste oder Käse oder Schokolade oder Fische. Unsere Protagonisten im Film beginnen hier mit der Klauerei. Sie haben kein Geld mehr, aber Hunger. Und hier geht auch eine der Vier verloren. Also in der Geschichte. Es ist Lena, gespielt von Petra Auer. Im Nu wurde sie durch ihren authentischen Auftritt, lautes Geschluchze und Geschreie inmitten von Ständen und Leute, zum Publikumsmagnet. Als sie aber absichtlich jemand anrempelte um ihr Handy zu verlieren, sah dieser alte Mann die Kamera nicht und fing an ihr wirklich helfen zu wollen, das kaputte Handy wieder zusammenzuflicken. Ein grandioser, wenn auch unfreiwilliger Statist, der uns zu einer tollen Szene verhalf.

Hilfsbereiter Kellner

Edelrestaurant La Boheme. Ein Ort, wo sich Studenten wie wir es sind, sich weniger sehen lassen. Kellner Hans-Henrik Kjolby dachte erst, wir seien eine Jackass-Crew, als er uns so mit dem vielen Gepäck, verschwitzt von einem anstrengenden Tag und in Jeans daherkommen sah. Zwischen dem edlen Marmor, dem Stein, dem vielen Weiss aus Servietten, Tischtuch und Kerzen fielen wir auf. Doch das Restaurant gab für unsere Szene Vollgas. Kjolby streifte weisse Handschuhe über, um das Essen zu servieren und die Speisen konnten exklusiver nicht mehr aussehen. Ein gelungener Shot.

Villa Alberta. Vor diesem Gasthaus wehte eine amerikanische Flagge. Drinnen ein Paar, ausgewandert aus den Staaten, das uns empfing und uns günstige, saubere, pompös eingerichtete Zimmer anbot. Wir buchten zwei Nächte. Die Kingsize-Betten, die Sauna, das Jacuzzi, Bier und Pizza standen am ersten Abend noch hoch im Kurs. Am nächsten Tag drehten wir überwiegend Szenen im Hotel. Da der Besitzer unbedingt «a big Moviestar- werden wollte, boten wir ihm eine Rolle an. Sein Alkoholproblem wurde uns aber immer unangenehmer. Zum Frühstück Bier, ab Mittag Whiskey und gegen Abend hatten wir schon eine Morddrohung am Hals. Als Person war er eine Selbstinszenierung und als Statist gänzlich untauglich. Und glücklicherweise bezahlten wir die Rechnung auch vor dem zu Bettgehen. „Otherwhise I will kill you“, aha, hahaha. Wir schliefen ruhig und fuhren am Morgen im Regen los.

Wie sicher ist Estland?

Vor einer Pizzeria. Wie findet man heraus, wie sicher so ein Drehort ist? Zum Beispiel man schliesst seine Fahrräder ab, lässt aber den Schlüssel gleich im Schloss stecken. Als wir dann zurückkamen war noch alles da und der Ort hatte den Sicherheitstest bestanden. Zum Nachmachen ist der Test aber nicht geeignet.

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