Kultur | 24.08.2009

Mode und Musik – Teil III

Text von Audrey Djouadi
Welche Kleidung passt am besten zu welcher Musik? Am besten wissen das die Musiker selbst. Zum Beispiel die Zürcher Band Boredom Laughs Alone.
Oskar und Lukas im Winter-Wunderland. Fotos: Boredom Laughs Alone Oskar giesst die Welt, so dass sie blühen möge. Oskar und Nicolas treffen in ihrem Kleiderschrank einen wildgewordenen Fan. Jung und frisch: Die Band existiert in dieser Form seit einem Jahr.

Die Textreihe „Mode und Musik?“ startet in die dritte Runde. Dieses mal mit der Zürcher Band Boredom Laughs Alone.

Als ich die Jungs nach ihren Anfängen fragte, entgegnete mir Lukas, der die Musik des Quintetts mit Synthesizer-Klängen untermalt: „Unsere Bandgeschichte beginnt eigentlich 1975, als wir noch gar nicht existierten. Aber wir wollen ja nicht zu weit ausschweifen und uns auf die nähere Vergangenheit beschränken.“ 2002  fanden die ersten musikalischen Gehversuche der Band statt. Damals noch in anderer Formation und mit anderem Namen. Auch der Sound unterschied sich von dem heutigen. Die Band, wie sie aktuell auf der Bühne steht, existiert seit knapp einem Jahr. Die Musik der fünf Zürcher Oskar, Nicolas, Lukas, Massimo und Nico ist auf ihrer Entwicklungsreise noch am Anfang. Was als Postpunk-Band angefangen hat, transformierte sich über Monate immer mehr zu elektronischer Musik. Und schlägt langsam die Pfade der experimentiellen Musik ein. Dass die Band zu drei Fünfteln aus sogenannten Künstlern besteht, macht sich auch an den Konzerten von BLA bemerkbar. Ihre Auftritte sind weniger eine Abfolge von Liedern als ein gut durchdachtes Gesamtkonzept.

Keine Stereotypen

Vielleicht ist die Unkonventionalität der Band mit ein Grund, weshalb mit Oskar, Lukas und Nicolas das Aussuchen von passenden Outfits zu ihrer Musik eine bunte und abwechslungsreiche Erfahrung ist:

Neon – Boredom Laughs Alone:

Folgendes Szenario: Ein Taxi rast durch Las Vegas, die blinkenden Lichter sind nur noch verschwommen zu erkennen. Im, von kubanischen Zigarrenrauch gefüllten Taxi, sitzt ein Ritter mit neonfarbener, fluoreszierenden Rüstung. Er trägt Flip Flops, da er gerade vom Surfen kommt (das hellrosane Surfbrett wurde vor Beginn der Teufelsfahrt im Kofferraum verstaut). Man beachte, dass der Ritter keinen Helm trägt. Gesteuert wird der Wagen von einem Fahrer, dessen «schlabriges Mützchen« das einzige Indiz für seine Anwesenheit ist. Die Nacht ist dunkel, der Übermut der Anwesenden ist förmlich zu spüren. Die ganze Szene spielt in Altfilm-Optik, ist mit einem leichten Flimmern überzogen.

Kiss Cocaine – Boredom Laughs Alone

Bei Klick auf den Titel erscheint das Musikvideo. Für alle, die lieber ihre Fantasie nutzen und der visuellen Überfütterung trotzen wollen, schreib ich das Getragene ins Reine:

Der Sänger trägt einen hautengen Ganzkörperanzug an, der etwa so aussieht, als ob die Sesamstrassebewohner ein kleines Bisschen zu viel LSD konsumiert und im Rausch Stoff bemalt haben. Auf dem Anzug selber ist ein Skelett zu sehen. Um keine wichtige Körperwärme über den Kopf zu verlieren, wird fröhlich eine Harlekinwintermütze auf das Haupt gestülpt. Ja richtig, so eine wie man früher in den Skiferien in Savognin getragen hat.

Der Gitarrist ist in Schwarz gehüllt. Komplett. Es heben sich lediglich die weissen Stoffschuhe, der grüne Verband, der die beim Sport verletzte Hand schützt, und natürlich das Markenzeichen des Gitarristen – der Skihelm, hervor. Der Bassist trägt einen gelben Blazer. Die Grundlage des Outfits bildet auch hier eine schwarze Hose gepaart mit einem schwarzen Shirt. Schwarze Espadriles geben den richtigen Halt und ein schwarzer Sonnenhut schützt vor allfälligen UV-Strahlen. Da die Augen bekanntlich die Fenster zur Seele sind, werden diese mit einer überdimensional grossen Sonnenbrille, mit blauen Lichtern dran, untermalen. Der Keyboarder stürmt mit einem Rasenmäher durch das Bild. Hin und her und hin und her. Dabei trägt er eine schwarze Röhrenhose, einen blauen Blazer, eine weisse Gesichtsmaske und ebenfalls eine rote Wintermütze (die sich bei der Band scheinbar an grosser Beliebtheit erfreuen darf. Keine Chance der Mittelohrentzündung!)

Und obwohl vom Schlagzeuger nicht sehr viel zu erkennen ist, einerseits weil Schlagzeuger sich meist gekonnt hinter ihren Drums verstecken und andererseits, weil der vorbeirasende Rasenmäher die Sicht versperrt, sieht man auch bei ihm das Wintersporttenu vertreten. Er trägt einen Elefantenhut (der ihm wohlige Wärme im Kopfbereich verschafft) und einen schwarzen Blazer. Sei noch gesagt, dass das Video in einem geschlossenen Raum gedreht wurde, folglich kann weder Sonne noch Regen der Band was anhaben.

Remote Is Burning In The Kitchen Sink- Boredom Laughs Alone

 Bei diesem Lied tanzt der Sänger auf dem Tisch. Mit Affen. Getanzt wird in einem Hauch von Nichts. Nämlich in einer hochgekrempelten Hose, Hosenträgern und spitzen Schuhen. Während der Sänger und seine Affen also auf dem Tisch tanzen, zerstört der Rest der Band das Mobiliar. Ganz nach Rockstar-Manier. Passend zur blinden Zerstörungswut trägt der Keyboarder ein Prizessinen-Kostüm für etwa 40 Franken, das man zur Fasnachtszeit in jeder beliebigen Ladenkette kaufen kann. Der Bassist kleidet sich, kess wie er ist, in einem „Kermit der Frosch“ – Anzug. Der Gitarrist fährt in einem Spielzeugauto durchs Haus, dabei schützt ihn sein altbewährter Helm. Und für den Drummer ist auch schon ein Schlumpfkostüm reserviert. Das kann er dann tragen, während er auf Stelzen stolziert.

Fazit: Boredom Laugs Alone brillieren durch Kreativität, Sinn fürs Abstrakte und einer guten Portion „sich-selbst-nicht-zu-ernst-nehmen“ – Mehr davon, bitte!

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