Kultur | 31.08.2009

„Ich bin ein moderner Schweizer“

Tink.ch traf Stress am Openair Gampel und sprach mit ihm über seine Heimat, seine Konzerte und die Musik. Auch Peinlichkeiten werden auf den Tisch gelegt.
"Spass auf der Bühne ist das Wichtigste." Fotos: Fabian Küng Tink.ch-Reporter Fabian Küng (links) und Nick Egloff im Gespräch mit Stress.

Wie schaffst du es, in nur 5 Monaten 22 Konzerte zu haben?

Stress: Waren es nur 22? (lacht) Ich denke es waren mehr. Das ist nicht so schlimm. Klar, man muss körperlich fit sein, aber das ist für mich kein Problem, denn ich betreibe viel Sport. Aber das wichtigste ist, dass du Spass hast. Ohne Spass würde es nie gehen.

Was war auf deiner aktuellen Tour das absolute Highlight?

Die Afterpartys (lacht verstohlen). Nein, das ist schwer zu sagen. Jedes Konzert ist für mich ein Highlight. Aber das Konzert in St.Gallen war für mich das absolute Highlight! Das Wetter war zwar scheisse, doch die Stimmung war wie immer in St.Gallen einfach nur geil.

Was war das peinlichste, was dir je auf einer Tour passiert ist?

Wenn ich nach einem Konzert betrunken am Boden liege und irgendein Fan kommt und sagt „Hey, du bist doch Stress.“ (lacht)

Deine Eltern kommen aus Estland und du selbst hast bis du 12 Jahre alt warst in Estland gelebt. Wie stark fühlst du dich deinem Mutterland verbunden und wo fühlst du dich zu Hause?

Ich bin hier zu Hause in der Schweiz, es ist meine Heimat. Ich hatte hier meine Ausbildung und alle meine Erlebnisse. Einfach alles ist hier. Ich bin Schweizer – ein moderner Schweizer.

Deine Kindheit hast du in der kommunistischen Sowjetunion verbracht, hast du irgendwelche Erinnerungen daran?

Man sollte hier geniessen was man hat. Da war es nicht so toll. Alle waren arm. Klar, es waren alle gleich, trotzdem hatte man nie so viele Möglichkeiten wie man hier hat.

In deinen Texten beziehst du dich immer wieder auf den Klimawandel und auf nationale wie auch internationale Politik. Siehst du dich selbst als Vorbild für deine Fans?

Nein, ich sehe mich nicht als Vorbild. Ich denke, es ist normal zu sagen, was man denkt und was man glaubt. Mit der Musik und den Texten kann ich „meine“ persönliche Welt auch besser machen. Und es ist sehr wichtig zu verstehen, was in der Welt läuft und vor allem warum.

Ist dir in der Schweiz jemals Rassismus direkt widerfahren?

Ich persönlich habe nie direkt Rassismus erfahren. Die Leute fragen mich zwar wegen meines Namens woher ich komme, doch den Leuten, denen man es ansieht, dass sie Ausländer sind, geht es wesentlich schlechter.

Was planst du in naher und ferner Zukunft?

Im Herbst kommt eine neue Version meines neuen Albums mit neuen Songs und Live-DVD raus. Für nächstes Jahr plane ich eine Best-Of-Platte mit einem Synphonieorchester. Damit werde ich sicher auch auf Tour gehen.

Jetzt geben wir dir noch ein paar Stichworte und du sagst einfach spontan, was dir dazu einfällt.

SVP: Vergangenheit.

Faschismus: Auch Vergangenheit, man muss aber aufpassen.

WEF: Fuck off.

Lieblingszimmer: Keller.

Lieblingswort: Puttain oder Fuck.

Orte, an denen du deine Texte schreibst: Zu Hause in meiner Wohnung in Lausanne.

Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du? Banane (lacht)

Wallis: Wunderschön, es sollte aber mehr Events wie das Openair Gampel geben.

Cannabis: Moderne Medizin.

Melanie: Meine Frau und beste Hälfte.