Kultur | 25.08.2009

„Hip-Hop ist nicht nur ein Rumgehopse“

Sinnvolle Freizeitbeschäftigung ist die beste Prävention, finden Smoothness. Mit Tink.ch sprachen sie über die Hip-Hop-Szene in der Schweiz.
Smoothness am JKF.
Bild: JKF "Weite Kleidung und lässiger Schritt reichen nicht aus, um dazuzugehören." Fotos: Tabea Sadok

Sie waren schon bei der WM dabei, ergatterten kürzlich den ersten Platz in der EM und haben unglaublich lange Tanzerfahrungen. Bei dem Jugendkulturfestival waren sie natürlich auch dabei. Da es schon fast gegen Mitternacht ging, begaben sich viele Menschen an die angenehme frische Luft, die im Theaterfoyer nach gut fünf Stunden bei so vielen Menschen nicht mehr vorhanden war. Doch dies war ein gewaltiger Fehler, denn wie der Titel schon sagt : „Das Beste kommt zum Schluss“. Einige grössere Tanzgruppen wurden von einer Moderatorin angekündigt, was bei den Smoothness auch der Fall war. Jene Ankündigung war mit Abstand die längste, denn es gab viel zu sagen.

Endlich war es so weit, es wurde dunkel im Saal und die Bühne füllte sich abermals und leider schon zum letzten mal, denn danach war das JKF zu Ende. Saltos, Handstände und viele weitere sportliche Darbietungen waren in einen perfekten Hip-Hop-Tanzauftritt eingeflochten. Die Musikstücke, zu welchen sie tanzten, haben sich alle zwei bis drei Minuten geändert, zu denen sie ohne Unterbruch die nächste Performance zeigten. Der Schluss kam unerwartet, denn man hätte am liebsten noch einige weitere Stunden zugesehen. Das Theaterfoyer leerte sich fast so schnell wie es sich gefüllt hatte und alle atmeten sie frische kalte Nachtluft ein.

Stunden zuvor traf ich Stephan Müller und T.C. Seykejhang von Smoothness zu einem Interview:

Eine Frage brennt mir schon lange auf der Zunge: Wie seid ihr auf diesen Namen gekommen?

Das war eigentlich eine eher spontane Idee, denn wie jedes Wochenende sassen wir wieder in einer Bar und genossen den Abend. Da wir schon länger eine Gruppe waren, dachten wir, ist es an der Zeit einen passenden Namen auszudenken. Wir wollten etwas Weiches, denn Hip-Hop ist kein harter Tanz und zu uns passte ein weicher Name am besten. Daher kamen wir auf „smooth“ was ja weich heisst, doch es war uns noch zu einfach und so kamen wir auf den Namen „Smoothness“.

Sucht ihr eure Stücke zum Tanzen spontan aus oder schaut ihr auf bestimmte Künstler wie zum Beispiel Justin Timberlake?

Wir suchen zwar nicht nach etwas Bestimmtem, aber wir achten darauf, dass das Stück nicht so bekannt ist, denn das finden wir langweilig.

Ihr habt auch ein Video ins Internet gestellt, in dem ihr über die Hip-Hop-Szene sprecht. Ihr erwähnt auch, dass es in Basel eher nur noch „Möchtegern-Hip-Hopper“ gibt. Stimmt das wirklich? Und an was könnte es liegen?

Ja, es stimmt, denn nicht nur in Basel sondern in der Schweiz allgemein ist dies der Fall. Die Menschen meinen, sie wissen was Hip-Hop ist und denken mit weiten Kleidern, coolem Aussehen und lässigem Schritt kann man sich schon dazu zählen, doch Hip-Hop ist mehr als das. Es ist auch nicht nur dieses „Rumgehopse“ wie es viele nennen. Man tanzt es mit Leidenschaft und meist steckt auch viel Arbeit dahinter. Wir denken, man nennt es eine „Möchtegern-Hip-Hop-Szene“, weil es in der Schweiz eigentlich keine Wohlstandsprobleme gibt, wodurch zum Beispiel in den USA die Hip-Hop-Szene entstanden ist. Die Leute hatten keine Arbeit und wussten nicht, was sie machen sollten, daher stellten sie einen „Ghettoblaster“ auf und fingen auf der Strasse an, meist noch auf einem Pappkarton zu tanzen.

Ihr hattet auch schon an der WM und EM teilgenommen, wieso hatte es euch nicht zum Sieg gereicht?

(Lachen) Ja, das haben wir und ich denke, es hat daran gelegen dass man die Art, wie wir Hip-Hop tanzen, dort nicht so kannte, denn in den USA (dort fanden die WM statt) wird Hip-Hop mit viel grösseren Bewegungen in die Richtung von Aerobic, getanzt. Und wir hatten den Eindruck, dass die Juri keine Ahnung davon hatte, was Hip-Hop eigentlich war. Wir waren die Exoten der Auftritte und wie es so ist, haben es die, die nicht gleich sind wie alle anderen, meist schwerer. Bei der EM hingegen haben wir den ersten Platz ergattert.

Wie ist es denn mit den neuen Tanzmitgliedern? Wann und wie kommt man in die Gruppe? Spielt das Alter eine Rolle?

Man sollte schon etwas können, denn wir sind ja keine Anfänger mehr. Bei uns haben alle eine längere Ausbildung und sind selber Tanzlehrer in verschiedenen Regionen der Schweiz. Wir sind aber immer offen für neue Mitglieder, solange das Klima stimmt. Es gab auch solche Momente, in denen wir Leute aus unserer Gruppe werfen mussten. Wenn das Klima nicht stimmt, ist die ganze Spannung bei all den Auftritten weg. Zu Anfangs hatte es ein bisschen länger gedauert, bis wir die perfekte Gruppe waren, doch jetzt stimmt alles. Das Alter spielt überhaupt keine Rolle, bei uns gibt es Unterschiede von mehr als Jahren. Man muss Freude und Motivation mitbringen, denn ohne diese geht es nicht.

Wie ist es für euch am JKF aufzutreten? Ihr wart ja schon an viel grösseren Auftritten, tanzt ihr hier mit gleicher Motivation?

Es ist für uns auch ein sehr wichtiger Auftritt, denn wir möchten den Jugendlichen wieder einmal zeigen, dass Hip-Hop nicht nur dieses „Rumgehopse“ ist sondern viel mehr. Da so viele Jugendliche ans JKF kommen, ist es die perfekte Chance, noch mal zu zeigen, was man aus seiner Freizeit machen kann. Das glaubt man zwar gar nicht, aber praktisch keiner von uns raucht oder trinkt. Viele denken, dass es auch dazu gehört, doch das ist eine völlig falsche Interpretation.