Kultur | 03.08.2009

Geschichten und Gelächter

Text von Laura Kissling
Tracy Chapman erzählte alltägliche Geschichten, Snow Patrol verstand es, auch die Lachmuskeln des Publikums zu beanspruchen: Am Stimmen-Festival in Lörrach war für vortreffliche Unterhaltung und ausgezeichneter Musik gesorgt.
Mit Witz... ... Charme... ... und guter Musik sorgten Snow Patrol für einen krönenden Festival-Abschluss. Fotos: Laura Kissling Tracy Chapman erzählte Geschichten aus dem Alltag. Fotos: stimmen.com

Tink.ch besuchte zwei Highlights des diesjährigen Stimmen-Festival in Lörrach. Vollgepackt mit ausgezeichneten Künstlern aus aller Welt haben wir uns an diesem Festival zwei Musikrichtungen ausgesucht, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Tracy Chapman – Botschafterin der Gerechtigkeit

Am vergangenen Freitag kehrte eine kleine Frau mit gewaltiger Stimme in Lörrach ein. Vor Konzertbeginn schwärmte „Stimmen“-Chef Helmut Bürgel vom Ausgleich zwischen Vorgruppe und Headliner am diesjährigen Festival. Oft sei es nicht zu erkennen, wer denn nun wen supportet. An diesem Abend zeigt die Gegenüberstellung der beiden Musiker jedoch ein klares Ergebnis: Das Publikum wollte Tracy Chapman sehen. Mit seinen melancholischen Liedern fiel es dem leicht nervös wirkenden Australier Scott Matthew schwer, das Publikum zu fangen. Schon nach einigen Songs wirkte es beinahe so, als hätte er die Aufmerksamkeit der Menge verloren oder diese zumindest in einen schlafähnlichen Zustand versetzt. Es war nicht zu übersehen, dass es schon etwas Können brauchte, um die Zuschauer wieder auf Trab zu bringen. Das hatte sich Petrus wohl etwas zu sehr zu Herzen genommen und zeigte sich während der Umbauphase von seiner schlimmsten Seite. Innerhalb weniger Minuten bahnte sich ein starkes Unwetter an, um sich nur einen Moment später in voller Grösse zu zeigen. Es goss wie aus Kübeln, weshalb sich die Besucher unter die wenigen Zelte oder Unterstände auf dem Marktplatz drängten. Gleichzeitig wurden von den Security-Mitarbeitern fleissig blaue Regenschütze eines Sponsors an die hartgesottenen Zuschauer vor der Bühne verteilt und lachende Gesichter unter blauen Kapuzen waren von da an das Hauptbild auf dem Platz.

Zum Glück verzog sich das Gewitter genauso schnell wie es gekommen war und mit einer halbstündigen Verzögerung war es dann soweit: Tracy Chapman betrat mit ihrer Band die Bühne. Was ihrem Supporter nicht gelang, schaffte die scheu wirkende Sängerin auf Anhieb: Das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Wenn auch etwas verhalten (möglicherweise wegen den kalten Fingern nach dem Regenschauer) wurde Tracy Chapman mit viel Applaus und Gesang geehrt. Es ist sofort erkennbar dass es ihr nicht um Show, sondern um eine Botschaft geht. Wortkarg und ganz auf ihre Stimme konzentriert präsentierte sie Songs aus 21 Jahren Musikgeschichte. Eindrücklich ihre A-Capella Geschichte „Behind the Wall“, wunderschön ihre Ballade „Baby Can I Hold You Tonight“. Nicht wegzudenken natürlich der legendäre Geburtstagsgruss an Nelson Mandela „Talkin’bout a revolution“ von 1988 . Wie eh richtet Tracy Chapman ihre Aufmerksamkeit auf Geschichten aus dem Alltag, beleuchtet Schattenseiten, erzählt Geschichten vom Rande der US-Gesellschaft. Doch auch nach so vielen Jahren sind die Stories nicht vergilbt, das Publikum nicht gelangweilt, die Songs nicht totgehört. Tracy Chapman bot ein Konzert für das es sich gelohnt hat, bis auf die Haut nass geworden zu sein.

Snow Patrol – Indie-Rock zum Abschied

Am Sonntag wurde es auf dem Lörracher Marktplatz mit Snow Patrol nochmal richtig laut. Rund 2’500 Besucher durften sich von deren melodiösen Indie-Rock-Songs überzeugen lassen. Mit amüsanten Aussagen wie „Wir wollen heute Abend lachende Gesichter sehen“ war die Sympathie des Publikums schnell auf der Seite von Sänger Gary Lightbody. Während den Songpausen nahm dieser sich immer wieder Zeit für die Fans. Selbst mit einigen Konzertbesuchern, die es sich auf einem der angrenzenden Hausdächer bequem gemacht hatten, hatte der Frontmann sein Vergnügen. Er wies die Herrschaften freundlich darauf hin, dass es ein denkbar ungünstiger Moment ist, um über Dächer in fremde Häuser einzubrechen, was zu großen Lachern im Publikum führte.

Mit einer tollen Lichtshow und Songs wie „Rocket“ und „Chocolate“ leiteten die vier Musiker ihre emotionsgeladene Show ein. Wurden anfangs eher unbekanntere Songs gespielt, änderte sich dies im Verlauf des Konzerts. Die drei größten Hits „Shut Your Eyes“, „Chasing Cars“ und „Crack The Shutters“ spielten Snow Patrol gleich nacheinander. Als wäre es geplant gewesen, ging während diesen Chartstürmern die Sonne unter und begleitete das Publikum gefühlvoll in die Nacht. Kaum ein Besucher liess sich nicht vom Refrain von „Chasing Cars“ mitreissen, der Marktplatz glich einem überdimensionalen Chor. Oft spricht man davon, dass das „Letzte“ zum Schluss kommt. Beim diesjährigen „Stimmen“ war dies gewiss nicht der Fall! Mit Snow Patrol fand das Festival seinen Abschluss mit einem besonderen Highlight, das Lust auf mehr machte.

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