Gesellschaft | 10.08.2009

Gebote brechen und Verbote missachten

«1000 places to see before you die" lautet der Titel des Buches, welches mein Vater vor kurzem zum Geburtstag erhielt. Ich blätterte darin herum und liess mich von den Ideen inspirieren. Dann beschloss ich, meine Bildungslücken zu füllen, um später nicht unter Zeitdruck zu geraten.
Bild: pixelio.de / A. Liebhart Die Tink.ch-Reporterin liess sich von "1000 places to see before you die" inspirieren. amazon.de

Wer fünf Tage in Paris verbringt, kann in kürzester Zeit zahlreiche solcher Plätze abhaken. Beispielsweise die Besichtigung des Eiffelturms. Und da stand ich also, schaute empor und war sehr beeindruckt. Da die Sonne mir ins Gesicht brannte, kaufte ich mir ein Eis und legte mich in den Schatten eines Baumes im angrenzenden Park. Ich fragte mich, ob es das nun war. Einfach da zu stehen, dieses Gebilde zu betrachten und den Moment möglichst nicht zu vergessen? Nein, es ist wesentlich spannender, auch etwas zu tun. Darum sind hier meine „three things to do before summer ends“.

Warteschlange
Die vor der Polizei fliehenden Strassenverkäufer rissen mich aus meinem Tagtraum und ich machte mich mit meiner Kollegin auf, um den Eisenturm zu besteigen. Wir konnten es kaum glauben: Da waren weder Geländer, Linien noch Schilder oder andere Absperrungen, doch quer über den Platz bildeten die Leute eine enorm lange Warteschlange. Ein Beweis dafür, dass der Mensch grundsätzlich zu Gehorsam neigt und ein soziales Wesen ist. Normalerweise würde es mir als eigentlich braves Wesen widerstreben, mich anders zu verhalten, doch an diesem Tag dem nicht so. Meiner Kollegin war es peinlich und unangenehm, als ich mich einfach ungefähr zehn Meter vor die Kasse stellte und tat, als stünde ich schon lange an. Vor mir wurde holländisch gesprochen, hinter mir englisch. Das bestätigte meine Überzeugung, dass ich diese Leute nie mehr sehen werde und sich niemand beklagen würde. Der Trick gelang und wir waren froh, nicht auch drei Stunden gewartet zu haben.

Mein Hut, der hat drei Ecken
Eine Woche später besuchte ich ein Sommerlager. Als Leiterin einer Jugendgruppe bin ich automatisch auch ein Vorbild für die Kinder. Darum suchte ich einen passenden Hut, um mich auf der Wanderung vor der Sonne zu schützen. Auf meinem Kopf befand sich ein ganz ausgefallenes, für Frauen eher untypisches Modell, das vermutlich selten jemand trägt. Damit stolzierte ich dann quer durch St. Gallen zum Treffpunkt am Bahnhof. Einige Menschen blieben stehen oder starrten mein neues Accessoire mit grossen Augen an. Und einige konnten sich auch einen Kommentar nicht verkneifen. Um mich nicht von den Bemerkungen der Passanten erdrücken zu lassen, sang ich dauernd das Lied „Lasse reden“ von den Ärzten: „Hast du etwas getan, was sonst keiner tut? Hast du hohe Schuhe oder gar einen Hut?“

Kreisverkehr
Seit ich die Rollerprüfung bestanden habe, rege ich mich über die unglaublich vielen Kreisel auf. Ich muss zwar weder abstehen noch schalten, doch dauernd so lange in die Kurve zu liegen, um bei der letzten Ausfahrt wegzufahren, ist mühsam. Viel einfacher wäre es doch, einfach in die Gegenrichtung zu fahren. Und genau das tat ich. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, irgendwo in einem Kaff namens Zihlschlacht, zwischen St. Gallen und Kreuzlingen, fernab aller Zivilisation. Es war stockdunkel, die Kirchenglocke schlug gerade zwei Uhr und ich fragte mich, was ich da eigentlich tat. Und da lag er. Wie im Rampenlicht, beleuchtet von drei Strassenlampen. Mein Herz klopfte schneller. Kein Mensch befand sich auf den Strassen des verschlafenen Dörfchens. Also nutzte ich die Gelegenheit und bog ein – nach links! Es war toll! Und weil es so toll war, wendete ich mein Fahrzeug und fuhr gleich noch einmal in den Kreisverkehr. Diesmal drehte ich etwa zehn Runden und fuhr wieder in Richtung St. Gallen.

Things to do before winter begins…
Das war noch nicht alles, was ich mir vorgenommen habe. Das steht jetzt alles auf der Pendenzenliste für den Herbst. Und vielleicht hast du jetzt auch Lust, etwas, was du schon immer einmal tun wolltest, auf deine Liste zu schreiben. Es bringt zwar nicht viel, aber es macht das Leben spannender!