Gesellschaft | 24.08.2009

Ferien in der zweiten Heimat – Teil I

Unsere Autorin ist schweizerisch-mazedonische Doppelbürgerin. Wie sie den diesjährigen Besuch in ihrer zweiten Heimat erlebt hat, schildert sie in einer mehrteiligen Serie.
Schweiz vs. Mazedonien: Hin und her gerissen zwischen zwei Ländern.
Bild: Redaktion Tink.ch (Artikel anonymisiert)

Ich gehe fremd. Jedes Jahr mindestens einmal. Mein heimlicher Lover heisst Mazedonien. Für diejenigen unter euch mit unterirdischen Geografiekenntnissen: Mazedonien ist ein Land in Osteuropa, genauer im Balkangebiet (jener böser Balkan, den die SVP immer so gerne erwähnt) oder ganz anders gesagt: Mazedonien ist meine zweite Heimat. Ich betrüge also die Schweiz, die mir während etwa 50 Wochen im Jahr ein Zuhause bietet, mit Mazedonien. Zumindest kommt es mir so vor. Ihr denkt nun bestimmt, ich bin verrückt. Zum Teil stimmt dies auch. Aber wenn ihr beispielsweise für zwei Wochen nach Spanien in die Ferien reist, dann erlebt ihr (meistens) das Ferien- und Touristenland Spanien. Ich dagegen erlebe wie mein Leben aussehen würde, hätte mein Vater als 20-jähriger nicht den Mut besessen in einem fremden Land sein Glück zu versuchen.

Stefanie Heinzmann in Mazedonien

Ist es also fair, neben der Schweiz, die mir ein sorgenfreies leben ermöglicht, ein weiteres Land meine Heimat zu nennen? „Natürlich ist es das“, wäre die logische Antwort. Doch so einfach ist es nicht. Einerseits geniesse ich es zu hören, wie alle Leute auf der Strasse meine Heimatsprache sprechen, andererseits lief kürzlich Stefanie Heinzmann im mazedonischen Radio und ich konnte nur mit Mühe einen sentimentalen Seufzer unterdrücken. Ich fühlte mich beinahe ertappt, ertappt von Stefanie Heinzmann bei meinen Ferien in Mazedonien.

Mazedonien ist ein abenteuerliches, leidenschaftliches und lautes Land, in dem ein eher rauer, aber herzlicher Umgangston herrscht. Die Schweiz ist jedoch die Konstante, verlässlich und sicher. Oder um es anders zu formulieren. Die Schweiz ist mein Ehemann und Mazedonien mein heimlicher Lover. Hört sich das nun wirklich so verrückt an?

Ausblick auf Teil II:

Die Fortsetzung dieses kleinen Mazedonien 1×1 zeigt auf, wie organisiert mazedonisch-schweizerische Doppelbürgerinnen wirklich sind und dass man sich auf niemanden verlassen kann.

Zur Serie:


Als Doppelbürger hat man es nicht immer leicht. Da sind sogar so banale Dinge wie Sommerferien ein schwieriges Unterfangen. Die Autorin, in Mazedonien geboren und in der Schweiz aufgewachsen, lässt ihren letzten Ausflug in ihre „zweite“ Heimat revue passieren. In einer mehrteiligen Serie versucht sie ihre Beziehung zu den beiden Ländern in den Griff zu bekommen.

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