Gesellschaft | 10.08.2009

Einfache, aber herzhafte Küche

Im Bodenseecamp 2009 in Markelfingen (D) lernten 130 junge Leute das Medienhandwerk. Die Workshop-Resultate veröffentlicht Tink.ch in loser Folge. Heute ein Porträt des Campkochs.
Sven Ladwein in seiner Küche
Bild: Bodenseecamp / Armin Forster

Vom Tellerwäscher zum Azubi, der jugendfreundliche Gemüsevariationen kocht: Sven Ladwein verköstigte uns am Bodenseecamp und liess sich auch in hektischen Situationen nicht aus der Ruhe bringen.

Ruhepol inmitten der Hektik
Es ist kurz vor Essenszeit, 18.10 Uhr, die Bäuche der jungen Medienfreaks knurren laut und lauter. Immer mehr drängen sich um das Essenszelt, warten ungeduldig. In der Küche ein ähnliches Gewusel. Da noch eine Prise Salz, da ein Tropfen, aber nur ein Tropfen, Öl. Dazwischen ein Ruhepol: Der Koch mit der weissen Schirmmütze. Er ist in seine Arbeit vertieft, schlängelt sich um die Herdplatten, schwimmt um die Felsen der Hitze. Ein See von Sicherheit und Achtsamkeit. Die Hände fliegen. Das Buffet füllt sich.

Ein Halbkoch
Zwei Stunden später sieht das Zelt aus wie ein verschütteter Fruchtsalat. Gelbe und grüne Kleckse, blaue Punkte und Saftpfützen. Es wurde geschlemmt, der Hunger gestillt. Alle sind zufrieden. Besonders der Gurkensalat hat geschmeckt. Kompliment! Überhaupt: Das Essen sei viel besser als erwartet, sagen viele.
Und da kommt der Meister, Sven der Koch, Halbkoch um genauer zu sein. Er hat die Lehre abgebrochen. Mit zarten 15 Jahren. Nun tritt er erstaunlich vital und ausgelassen aus der frisch geputzten Küche. Nach zehn oder zwölf harten Arbeitsstunden. Seit Mai ist er hier auf dem Gewerkschaftscamp. Wieder ein Azubi, nach 20 Jahren als Tellerwäscher, Hilfskoch, ja sogar als Pizzabäcker. Auch auf dem Bau war er, aber die Arbeit hier ist viel besser, er habe immer ein Dach über dem Kopf und warme Füsse. Ob er Lust hätte, einmal ein eigenes Restaurant zu führen? Nein, sagt er, das sei ein viel zu grosser Stress und man hätte keine normalen Arbeitszeiten. Nachts arbeiten liegt ihm nicht.

Leute glücklich machen
Und was ist seine Passion? „Durchs Kochen machst du viele Leute mit teilweise wenig Aufwand glücklich. Das ist das Geile daran.“ Umso schöner, dass sein Beruf auch eins seiner Hobbies ist. Das gäbe es  heute ja eher selten. Hier auf dem Camp kocht er keine extravaganten Sachen. Die jungen Leute kennen ja nur noch Pizzabestellservice, Dönerbuden und „McDoof“. Da sei es gut, „wenn die hier mal was Richtiges essen“. Der Menüplan wird mit der Chefin vom Camp zusammengestellt: Einfache aber herzhafte Gerichte.

Ein Sportfan
Die Sonne geht langsam unter, die Mücken werden aufdringlicher, die Menschen verteilen sich auf dem Gelände. Bald wird Sven nach Hause fahren, nach Singen, seine Freundin treffen und faulenzen. Und fernsehen? Ja, vielleicht. Die Fernseh-Nachrichten und die Bild-Zeitung seien seine bevorzugten Medien. Die seien wichtig, um über die Welt informiert zu sein. Und über den Sport. „Ich bin ein absoluter Fussballfan.“ So schmücken während der EM- und WM-Zeit Knöpfe mit den Deutschlandfarben seine Kochweste, sogar seine etwas längeren Haare am Hinterkopf, versteckt unter der Mütze, färbt er dann schwarz, rot, golden.

Am Morgen darauf, die Sonne wärmt bereits die Haut, steht er wieder in der Küche, bereit für den kommenden Arbeitstag, bereit für unsere gefrässigen Mäuler.