Kultur | 24.08.2009

Ein Album wie ein Hitchcock-Thriller

Die Winterthurer Band The Loops ist die Schweizer Musikentdeckung dieses Sommers. Tink.ch verlost das neue Album.
But the Birds ist ab sofort zu bestellen auf www.cede.ch. Fotos: PD The Loops anno 2009 mit dem neuen Sänger Claudio Landolt (2.v.l.).

Ein teuflisches Lachen hallte letzte Freitagnacht durch die Winterthurer Steinberggasse. Es folgten Schall und Rauch, eine Stichflamme und überdimensionale Raben, die auf der Bühne der 34. Winterthurer Musikfestwochen landeten. Das skurrile Szenario hätte auch aus einer Theaterinszenierung von Hitchcocks „The Birds“ stammen können. Doch tatsächlich handelte es sich bei dieser Aktion nicht um die Wiederbelebung des „Masters of Suspense“, sondern um die Geburt eines neuen Sterns am Schweizer Musikhimmel. Die Winterthurer Band The Loops tauften mit „But The Birds“ eine Platte , die beinahe so spannend klingt, wie ein Hitchcock-Thriller sich sehen lässt – die Vögel waren nicht im falschen Film gelandet.

Humorvoll und dreckig

„No Title“ das erste Stück des Albums zieht einen schönen Spannungsbogen. Sieben Minuten feinster Psychedelik-Bombast, den Bands wie Kula Shaker oder die Beatles in ihrer fleissigsten LSD-konsum-Phase nicht besser hingekriegt hätten. In der Folge werden die Klänge nüchterner, fast Bodenständig: Swimming Pool ist ein knochentrockener Blues-Funk-Rocker, der mit der Zeile „If you were a girl, I would throw you in a swimming pool“ aufwartet. Man nimmt Claudio Landolt, dem neuen Sänger von The Loops, diese Worte ab. Nicht weil der Mann besonders gefährlich aussieht, sondern weil er ganz offensichtlich Humor hat – und musikalische Leidenschaft. Das bewies der Auftritt am Freitagabend, den er fast ausschliesslich mit geschlossenen Augen absolvierte. Seine Stimme darf in der Schweizer Musiklandschaft als einzigartig bezeichnet werden: Rauchig, charismatisch und mit dem gewissen Etwas, das sich dem Hörer niemals erschliesst, dafür umso mehr in die Erinnerung brennt. Chris von Rohr würde sagen: „Er hat ordentlich Dreck in der Stimme“- er hätte für einmal Recht.

Sound-Oddyssey durch die Musikgeschichte

Landolt ist ein Gewinn für die Loops, die früher mit dem Funk verheiratet waren und jetzt in zweiter Ehe nochmals aufblühen. Die Winterthurer beschreiten auf „But The Birds“ vielseitige Pfade. Ihre Sound-Odyssey beschreiben sie wie folgt: „Wir haben zurückgeschaut, nach vorne geblickt und an den Klängen der Gegenwart festgehalten.“ Auf dem Album tauchen so immer wieder déjà -vu-Momente auf, die dem geneigten Hörer bekannt sein dürften. Anders als manch andere retro-Rockbands beschränken sie sich dabei nicht auf eine Stilart, sondern schöpfen aus einem Fundus, der mehrere Musikjahrzehnte umfasst: Funküberbleibsel aus den alten Tagen (Swimming Pool, Pretty Pitty) vermischen sich mit breitbeinigem Grooverock. Eine klassische Bluesballade (I`m Heroin) wird zur Songmitte hin von grellen Mariachi-Trompeten durchbrochen, ehe das Lied in einem Prog-Rock-Perkussions-Jam den 70ern entgegen rudert. Auf „lalalala“ beweisen The Loops, dass Humor in der Musik sehr wohl eine Daseinsberechtigung hat. Die swingende Nummer macht live mindestens so viel Spass wie auf Platte.

Mit But The Birds ist den Loops ein zeitloses Rock-Album mit Ecken und Kanten gelungen. Die grosse Kunst, sich authentisch durch die verschiedenen Musikstile der vergangenen Jahrzehnte zu spielen, gelingt ihnen mit beeidruckender Leichtigkeit. The Loops sind die Schweizer Musikentdeckung des Sommers 2009.

The Loops spielen am Samstag dem 29. August anlässlich des Niederdorffests.


Tink.ch verlost 2x das Album "But the birds". Für eine Teilnahme sende eine Email mit Name, Adresse und dem Stichwort "But the birds" an martin.sturzenegger@tink.ch.

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