Schadet Entwicklungshilfe?

Sie heisst Dambisa Moyo und hat mit ihrem Buch “Dead Aid” eine heisse Diskussion über die Effektivität von Entwicklungshilfe für Afrika ins Rollen gebracht.

Entwicklungshilfe schadet

Die vierzigjährige ehemalige Mitarbeiterin der Weltbank (eine internationale Organisation mit der Hauptaufgabe, weniger entwickelte Länder finanziell, mit technischen Hilfsmitteln und in Beraterfunktion im Kampf gegen Armut zu unterstützen) kritisiert auf über 200 Seiten die bisherige Entwicklungshilfe für Afrika.

Ihren Aussagen zufolge hat die milliardenschwere Hilfe nicht viel zum Wohlstand Afrikas beigetragen, sondern – paradoxerweise – der Entwicklung Afrikas eher geschadet: Das Wirtschaftswachstum sei gehindert und die Korruption gefördert worden. Effektiv ginge es der Bevölkerung nicht besser und es gäbe bessere Wege, um effektive Entwicklungshilfe zu leisten.

Diese interessanten Aussagen veranlassten mich, das Buch “Dead Aid” sowie auch die Reaktionen dieser “ineffektiven” Hilfsorganisationen zu studieren und hier gemäss meiner Auffassung kurz zusammenzufassen.

Zunächst stellt sich für mich die Frage nach der Motivation. Warum kritisiert Frau Moyo die Hilfebemühungen von Europa und der USA am eigenen Herkunftsland?
Sie besitzt auf jeden Fall den wissenschaftlichen Hintergrund und die berufliche Erfahrung sowie Position, um die Umstände umfangreich beleuchten zu können. Auch erhielt sie die Anfrage, ein Buch über Entwicklungshilfe zu verfassen.

Andererseits stehen da die unzähligen Hilfswerke und NGOs, die gegen die provozierenden Aussagen von “Dead Aid” ankämpfen. Natürlich sehen diese einen Grossteil ihrer Arbeit und somit auch ihre Existenzberechtigung in Frage gestellt.

Schadet Entwicklungshilfe wirklich?

Betrachten wir einige Kernaussagen des Buches und lassen die soweit bekannten Fakten dazu sprechen.

Laut Frau Moyo sind über eine Billion (also über 1’000 Milliarden) US-Dollar zur Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen, ohne etwas bewirkt zu haben. Sie belegt diese riesige Zahl nirgends im Buch, doch von einer immensen Summe muss wohl ausgegangen werden.

Die grössten Anteile seien in der Bürokratie “versumpft” und von habgierigen Diktatoren wie Mobutu und Mugabe veruntreut worden. Das Wirtschaftswachstum sei nicht gefördert worden, da man das Land von bedingungsloser Hilfe abhängig gemacht habe, ohne einen Anreiz zu Eigeninnovation oder einem Belohnungssystem für Eigeninitiative.
Grundsätzlich muss hierzu gesagt werden, dass ohne den Versuch, Hilfe zu leisten, auch niemals Hilfe ankommen wird. Ist hier nun der Versuch kläglich gescheitert? Ich sage nein!

Um einige Zahlen zur konkreten Hilfe zu nennen, möchte ich auf Berichte des UNAIDS (ein Projekt der Vereinten Nationen im Kampf gegen AIDS) hinweisen. In einem Bericht von 2008 wird gezeigt, dass 2007 etwa 2,1 Millionen Menschen lebensrettende HIV/AIDS-Medikamente erhalten haben; im Jahr 2002 waren es noch 50-˜000 Empfänger. In Ruanda und Senegal erhalten mehr als die Hälfte, in Botswana und Namibia sogar mehr als 75 Prozent der Bedürftigen solche Medikamente. Keine Medikamente zu erhalten, wäre ein sicheres Todesurteil, welches längerfristig wiederum die Gesellschaft und die Wirtschaft treffen würde.

Auch konnten die Malariafälle gesenkt werden und seit 1999 durften zusätzlich 34 Millionen afrikanische Kinder die Grundschule besuchen.

Obwohl es noch viel zu tun gibt, kann sehr wohl von dem Wort “Hilfe” gesprochen werden – Hilfe, die zu grossen Teilen durch Hilfsorganisationen und damit auch durch Spenderinnen und Spender ermöglich wurde.

Das Thema Wirtschaftswachstum ist nur bedingt als Messgrösse für Entwicklungshilfe anzuschauen.

Die afrikanischen Staaten können grob gesehen in drei ökonomische Gruppen eingeteilt werden: Erdölexportierende Länder, Länder mit Wachstumspotential und Länder mit geringem Wachstum.

Erdölexportierende Länder haben meistens ein stärkeres Wachstum als andere, wobei in dieser Gruppe der vorsichtige und nachhaltige Umgang mit dem Rohstoff einen weiteren Vorsprung ausmachen kann.

Desweiteren spielen für das Wachstumspotential die Lage (Binnenstaaten sind vergleichbar ärmer als solche mit Meeranschluss), die Produktivität der Industrie (welche im Vergleich mit Indien und China sehr gering ist) und schlussendlich natürlich die Wirtschaftspolitik eine gewichtige Rolle.

Der Zusammenhang zwischen Entwicklungshilfe beziehungsweise Entwicklungspolitik und dem Wirtschaftswachstum ist schwierig darzustellen und zu verstehen. Stichworte sind hier unter anderem der Schuldenerlass, intelligente Wirtschaftspolitik  und Abschaffung von Handelsembargos.
Dambisa Moyos Kritik kann soweit nachvollzogen werden, als dass sich das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in Afrika zwischen 1950 und 2003 trotz aller Hilfe halbiert hat.

Aktuell ist die grösste Bedrohung des afrikanischen Wirtschaftswachstums sicherlich nicht die Entwicklungshilfe, sondern die allgemeine Wirtschaftskrise, welche Afrika mit doppelter Härte treffen wird. Kaum ein afrikanisches Land wird sich im Vergleich mit Europa ein sinnvolles Konjunkturprogramm zusammenstellen können.

Diese Krisensituation konnte während der Erstellung von “Dead Aid” nicht vorausgeahnt und somit folglich auch nicht berücksichtigt werden.

Hosentaschen-Transaktion

Den Vorwurf der allgemeinen Korruption kann Afrika schwer von sich weisen, doch ist dies kein Phänomen der afrikanischen Staaten oder der Entwicklungshilfe, sondern überall, wo Armut herrscht, ein Problem.
Laut Frau Moyo sind Entwicklungsgelder ungebundene finanzielle Unterstützungen, welche korrupte Regierungen – ohne Rechenschaft zu Verwendungszwecken abzulegen – zur eigenen Stärkung verwenden.

Grundsätzlich muss man die Zielgruppe der Entwicklungsgelder unterscheiden. Soll die Hilfe direkt zum Volk fliessen oder erhält die Regierung Geld für die Erhöhung ihrer Haushalte?

Als effektives Kontrollorgan zur direkten Unterstützung des Volkes haben sich lokale Verbände erwiesen. In Uganda wurde das Volk durch die Regierung über Radio und Zeitung über bevorstehende Transfers von Mitteln zur Unterstützung der Schulen informiert. Lokale Elternverbände kümmerten sich dann um die Kontrolle des Materialflusses. Erreichten dort 1996 lediglich 13 Prozent der Mittel die Zielinstitution, so waren es 2002 bereits 80 Prozent.
Der Weg der Entwicklungsgelder muss transparent und auf Regierungsebene auch an die Bedingung geknüpft sein, die Investition möglichst nachvollziehbar und koordiniert einzusetzen.

Um dies zu verwirklichen wurde vor kurzem das von über hundert Ländern unterzeichnete Programm “Accra Agenda for Action” ins Leben gerufen, womit die Effektivität der verwendeten Gelder überprüfen werden soll.

Stoppt die Hilfe!

Als konkrete Alternative zur “unglücklichen” Entwicklungshilfe fordert Frau Moyo in ihrem Erstlingswerk einen absehbaren Stopp dieser Hilfe. Die afrikanischen Staaten sollen einen Anruf mit der Ankündigung der Einstellung der Unterstützung in genau fünf Jahren erhalten.

Somit sollen die Staaten zu mehr Verantwortung und Eigeninitiative gezwungen werden und vermehrt finanziell unabhängig (unter anderem durch Steuereinnahmen und Verschuldung) agieren.

Natürlich gäbe es Ausnahmesituationen wie bei Hungersnöten und Naturkatastrophen, aber um die Wirtschaftslage müsste Afrika sich selber kümmern.

Gute Idee? Als konkrete Folge davon müssten fest geplante Investitionen in den Bereichen Gesundheitswesen, Infrastruktur und Bildung zurückgestellt werden, um die eigenen Haushaltsfinanzen abzusichern. Danach müsste auf unabsehbare Zeit hinaus gespart werden, um diese Investitionen wieder in finanzielle Reichweite ziehen zu können.

Eine finanzielle Unabhängigkeit könnte demzufolge mit Unterstützung der Entwicklungshilfe schneller erreicht werden als ohne, besonders auch in Anbetracht der momentan vorherrschenden Weltwirtschaftskrise.

Kein “Aha-Effekt”

Effektive Entwicklungshilfe ist oftmals nicht in Zahlen und Statistiken greifbar darzustellen. Schlussendlich darf vor lauter Ziffern auch das letzte Glied der Hilfskette, der hilfsbedürftige Mensch, nicht vergessen werden!
Für die Daseinsberechtigung von Entwicklungshilfen sowie deren Kritikern muss man sich aber mit nachvollziehbaren Zahlen auseinandersetzen. Genau diese Nachvollziehbarkeit fehlt – neben anderen bereits erwähnten Punkten – oftmals im Buch “Dead Aid”, was die Lektüre nichtsdestotrotz interessant zum Lesen aber weniger  interessant als Praxismodell macht.


"Dead Aid" von Dambisa Moyo, erschienen 2009 im Pinguin-Verlag. Bisher nur in englischer Sprache erhältlich.
Als Lesealternative: "Die unterste Milliarde: Warum die ärmsten Länder scheitern und was man dagegen tun kann" von Paul Collier, erschienen im Beck-Verlag. In Deutsch erhältlich.

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Spanische Zickereien und lustige Franzosen

Da jeder Teilnehmer in einer anderen türkischen Gastfamilie untergebracht war, trafen wir uns zum ersten Mal in einem Hotel. Allgemeine Informationen, einfacher Smalltalk in Englisch und das Sammeln von, wie sich später herausstellte, fast immer falschen ersten Eindrücken war angesagt. Es zeigte sich wieder einmal, dass Klischees meistens eben doch wahr sind. Da war zum Beispiel eine Kalifornierin mit langen, blonden Locken, ein sehr grosser Holländer, der mit Abstand am blassesten war und die hellsten Haare hatte. Ein Ägypter, den man nur schon an der Hautfarbe erkannte, und eine Teilnehmerin aus Taiwan, ebenfalls unverkennbar. Der Franzose und der Italiener hatten sich spätestens nach den ersten gesprochenen Worten unfreiwillig geoutet. Natürlich gab es auch Ausnahmen: ein blonder Spanier aus Madrid zum Beispiel, eine fliessend spanisch sprechende Kölnerin oder eine Spanierin aus Gran Canaria mit norwegischem Nachnamen. Das Mädchen mit der grossen Kamera kam aus der Tschechischen Republik, daneben ein paar Türken, die (noch) brav auf ihren Stühlen hockten und sich zu Hause fühlten.

International diskutieren

Schon nach wenigen Tagen hatte sich eine typische Gruppendynamik gebildet. Was sonst der Klassenclown ist, war in unserem Fall der Franzose. Mit seiner Aussprache brachte er alle zum Lachen, sein “What the föck” oder “Shöt öp” wurden ständig nachgeahmt. Die etwas Älteren fanden sich öfters zusammen, es wurden weltpolitische Themen diskutiert oder Studiengebühren, Kleider- und Dönerpreise verglichen (Döner sind in der Schweiz mit Abstand am teuersten). Die Amerikanerin erstaunte zum Teil mit ihrer Unwissenheit und trug ihren Teil zur allgemeinen Unterhaltung bei, indem sie steif und fest behauptete, eine Meerjungfrau zu sein. Ihr wurde dann bald erklärt, was Kommunismus ist und dass es heutzutage noch Monarchien gibt. Die Mädchen aus der Tschechischen Republik und Taiwan waren eher ruhig. Die eine hielt jeden erdenklich peinlichen Moment mit ihrer Kamera fest, die andere konnte sich einfach nicht mit dem Essen anfreunden und wärmte regelmässig ihre selbst mitgebrachten Nudel- und Reissuppen auf.

Hauptsächlich wurde in Englisch kommuniziert, wobei die Amerikanerin aus San Diego mehrmals aufgefordert wurde, doch bitte “richtiges Englisch” zu sprechen. Die Spanier unterhielten sich in Spanisch, die Türken, der Holländer und der Franzose konnten sogar ein paar Sätze Deutsch. Der Ägypter fand, es sollten doch gefälligst alle Englisch reden, und brachte einem im Gegenzug arabische Fluchwörter bei. Man versuchte sich in Italienisch, Französisch, Holländisch, natürlich in Türkisch und zum Teil sogar in Portugiesisch.

Keine Geheimnisse

Die Gruppe funktionierte gut und alle genossen ihre Ferien in der Türkei. Nächtliche Zimmerpartys im Hotel fehlten genau so wenig wie lange, schlaflose Busfahrten, Sonne, Meer und abendliches Feiern zu türkischer Partymusik. Nach der ersten Woche kannte man sich langsam besser und so begannen auch die ersten Zickereien und Geheimnistuereien, wobei letztere nie lange geheim blieben. Man tauschte sich aus und tratschte, niemand kannte den anderen so gut, um dessen Geheimnisse bewahren zu müssen.

So wusste jeder um das charmante Getue einiger Türken, den daraus folgenden Liebeskummer der Spanierin oder den heimlichen Schwarm des Ägypters. Jenes Mädchen wiederum verstand sich blendend mit dem Verflossenen der Spanierin, was zu einigen Zickereien und einem Haufen spanischem Gefluche führte. Es war allgemein bekannt, dass die blonde Amerikanerin sich ein bisschen in den grossen Holländer verguckt hatte, dieser aber lieber stundenlang mit der Deutschen über Gott und die Welt diskutierte und wohl erst zum Schluss sein Glück erkannte. Kleinigkeiten wurden aufgedeckt: Wie viele Anti-Durchfalltabletten der Franzose jeden Tag schluckte, dass der Ägypter sogar mit zwei Koffern und in First Class angereist war, der Holländer nur Diesel-Unterwäsche trug und der Italiener mit offenem Mund schlief und dabei schnarchte.

Es passierten so viele Dinge mit zuvor fremden Leuten, dass ich mir vorkam, als wären die nächsten Monate meines Lebens vorgespult und innerhalb dieser zwei Wochen abgelaufen. Manchmal geht alles so einfach und schnell. Zum Glück gibt es diese Momente im Leben. Die Kunst liegt nun darin, einen Teil dieses Ferienglücks mitzunehmen und voller positiver Energie wieder in den Alltag zurückzukehren. Dann hat man seine Ferien wirklich genossen und dabei etwas fürs Leben gewonnen.

Freunde eines kleinen Appenzellers

In der traditionellen, in ihren Ursprüngen immer noch sehr konservativen Schweiz, werden Ausländer teils schräg beäugt. Einerseits, weil die neue Jugendkriminalität grösstenteils aus jenen Kreisen kommt und andererseits aber auch, weil der Durchschnittsschweizer Neuem gegenüber eher ängstlich eingestellt ist. Ich weiss noch, wie ich den kleinen Portugiesen im Kindergarten so kritisch musterte, bis er mir die Zunge zeigte. Im Appenzellerland jedoch ist man der europäischen Kultur gegenüber sehr kritisch, vielleicht mehr als in jedem anderen Schweizer Kanton. So wurde beispielsweise das Frauenstimmrecht (Symbol des neuen Lebensstils, des new way of life) erst in den Siebzigern angenommen. Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar.

Schweizer Fettnäpfchenpolitik
Dass nun just ein Herisauer seine Freunde rund um den Globus sucht, erstaunt daher. Schon im Frühling sorgten er und sein damals neuer Freund für negative Schlagzeilen und erst vergangene Woche war es ein weiterer Kumpel, der unseren Herisauer in ein schlechtes Licht rückte. Dabei sollte es doch sein Jahr werden. Ich will nicht länger Geheimniskrämerei betreiben – natürlich sprech ich von Hans-Rudolf Merz, unserem aktuellen Bundespräsidenten. Aussenpolitik war noch nie die ultimative Stärke unserer Landesregierung – Micheline Calmy-Reys peinliche Aktion mit Kopftuch ist das wohl prominenteste Beispiel der nahen Vergangenheit. Oft versuchen sich auch die Bundesratspräsidenten im Ausland. Tritte ins Fettnäpfchen blieben dabei keine Seltenheit.
Als im Frühling Mahmud Ahmadinedschad in die Schweiz zu Besuch kam, ging ein Bild um die Welt: Merz schüttelt dem vielerorts verhassten iranischen Diktator fröhlich die Hände. Die Mimik könnte den Eindruck erwecken, die Schweiz unterstütze den Iran und seinen Diktator Ahmadinedschad. Weiter wurde diskutiert, ob es die Aufgabe von Merz war, den Iraner zu empfangen. Was man nicht alles tut, für wahre Freunde.

Wie im Jodlerchörli
Und nun, letzte Woche, verreiste Merz nach Libyen. Er war auf Besuch bei einem weiteren Freund: Diktator Muammar al-Gaddafi. Als Da Hannibal, Sohn des libyschen Playboys und Öl-Tycoons, und seine damals hochschwangere Frau im vergangenen Jahr von der Genfer Polizei wegen unbewiesenen Anklagen mit übertriebenem Aufgebot verhaftet und festgehalten wurden, verlangte Libyen eine offizielle Entschuldigung. Dazu hielt die launische Regierung zwei Schweizer Geiseln fest. Merz reiste nach Libyen und tat die Pflicht, die er persönlich für unumgänglich hielt. Er machte einen Kniefall und entschuldigte sich hochoffiziell. Damit erhoffte er sich natürlich die Freilassung der Geiseln, was jedoch vertraglich nicht geregelt wurde.
Hansruedi Merz wird sich gedacht haben: Wenn ich im Herisauer Jodlerchörli dem Noldi die Vereinskasse anvertraue, enttäuscht er mich nicht. So wird es doch auch mit meinem Freund Muammar sein. Denn der Appenzeller verkörpert den weltoffenen Schweizer – er macht keinen Unterschied zwischen Noldi und Muammar, zwischen Mahmud und Micheline.

“Wie ich das wohl mache?”

Yukseks Stücke wie “Tonight” sind kaum mehr von einer elektronischen Party wegzudenken. Nach zahlreichen Remixes für Tiga, Chromeo oder Birdy Nam Nam erschient anfangs diesen Jahres sein erstes Album “Away from the Sea” (Savoire Faire, Universal).

Pierre oder Yuksek?

Pierre ist gut.

Wie geht’s dir, Pierre?

Mir geht’s gut, ich bin nur etwas müde, es war ein langes Wochenende. Ich war unter anderem in Montreux, dafür wurde der Auftritt am Benicassim abgesagt, weil es dort so gestürmt hat.


Deine Konzerte zeigen einen grossen Aufstieg. Letztes Jahr war dein Auftritt in Montreux noch kostenlos, nun warst du dort wie auch hier ein Headliner.

Das ist eine grosse Freude. Auch, dass ich nun eine ganze CD aufnehmen konnte. Es ist ein grosses Glück zu sehen, wie sich die Leute über meine Musik freuen und wie sie meine Stücke kennen. Ich bin wirklich sehr zufrieden, wie es gerade läuft. Auf Tour zu sein, macht einen riesigen Spass, ist aber auch sehr anstrengend und ermüdend.

Was machst du, um trotzdem immer gute Auftritte zu bieten?

So ermüdend ist es ja nicht. Wir sind mit dem Tourbus unterwegs, da kann ich mich gut ausruhen. Ich habe damit immer meine Wohnung dabei und alles, was ich so brauche. Gerade auf Festivals sind die Garderoben nicht so toll. Mit dem Bus habe ich einen Ort, wo ich mich zurückziehen und entspannen kann. Und ich muss nicht dauernd auf irgendwelche Flüge und zu Hotels rennen. Von Freude am Leben im Tourbus höre ich zum ersten Mal. Na ja, so super ist es nicht, natürlich ist es daheim noch bequemer. Wenn ich als DJ unterwegs bin und nicht viel Material dabei habe, dann reise ich auch mal gerne mit dem Auto oder dem Flugzeug und nächtige dann im Hotel. Aber mit dem vielen Equipment von Festival zu Festival reisen – da bin ich echt froh, wenn ich immer mein kleines Haus dabei habe.

Du bist sehr viel unterwegs, ganz ohne eine Gruppe. Fühlst du dich manchmal einsam?

Ich bin zwar alleine auf der Bühne, aber mit einigen Leuten unterwegs auf Tour, ich bin also nicht wirklich alleine.

Möchtest du denn gerne mal mit einer Gruppe unterwegs sein?

Vielleicht beim nächsten Album oder der nächsten Tour. Ich stelle mir aber nicht eine fixe Gruppe mit Schlagzeug, Gitarre und so weiter vor, wie man das sich im herkömmlichen Sinne vorstellt. Ich möchte lieber als Band auftreten wie es zum Beispiel Hot Chip tut, jeder ist vorne und bringt seine Stimme mit rein und übernimmt sozusagen eine Stimme der Musik. Bei Elektromusik funktioniert das einfach besser, als wenn ich meine Musik auf eine herkömmlich besetzte Band umschreibe. In Frankreich scheint es gerade eine sehr lebhafte und innovative Szene der Elektronischen Musik zu geben. Ich weiss nicht warum das ist, aber vielleicht funktioniert es bei uns einfach gerade sehr gut, und ein Erfolg in der Heimat kann hilfreich sein, auch international grössere Touren zu machen. Bands wie Daft Punk, Cassius oder Justice feiern ja riesige Erfolge. Auch Bands, die nicht so danach klingen wie beispielsweise Phoenix sympathisieren damit. Auf der anderen Seite gibt’s diese Entwicklung auch in anderen Ländern. Bis vor kurzem kannte man hier kaum Bands aus Australien, nun sind da Cut Copy, Midnight Juggernauts oder Empire of the Sun, die grosse Erfolge feiern können. Vielleicht ist auch einfach ein gutes Netzwerk der Schlüssel zum Erfolg, so findet man einfacher eine Agentur, die sich für die Musik begeistern kann.

Du hättest mal gesagt, dass du für die Freude als DJ auflegst und für die Gefühle Musik machst.

DJ zu sein ist entspannender, ich muss nicht so viel vorbereiten. Ich nehme einfach meine Platten und gehe los. Bei Live-Musik muss ich viel mehr vorbereiten und mich auch mehr konzentrieren. Man kann auch meine Fehler viel besser hören, gerade wenn falsch gesungen wird. DJ zu sein hat auch den Vorteil, dass ich da meine neuen Remixe ausprobieren kann, das würde ich bei Live-Auftritten nie tun. Ich respektiere DJ’s, sehe mich selber aber nicht als einen sehr guten.

Viele Leute erzählen, du hättest nun mit deinem Erfolg deinem Label den Rücken gekehrt und zu einem grösseren Label gewechselt, was anscheinend nicht stimmt.

Richtig, also dass es nicht stimmt. Ich bin bei einem kleinen französischen Label namens Savoire Faire, den Vertrieb macht dann in Frankreich Barclay und weltweit Universal. Du magst Stücke über Schuhe, Flugzeuge und Sex. Na, ich weiss nicht, aber die drei Dinge mag ich schon. Ich habe immer gerne mit Flugzeugen gespielt und ich kaufe sehr gerne Schuhe, das stimmt also auch. Und Sex, na ja, das muss man nicht erklären (lacht).

In fast jedem Interview wirst du nach deiner Arbeitsweise auf der Bühne gefragt. Kannst du dir erklären warum?

Es scheint heute komisch zu sein, wenn ein Typ auf der Bühne elektronische Musik macht mit mehr als nur seinem Computer. Da interessiert es die Leute, wie ich das wohl mache und wie ich meine Musik produziere. Anscheinend ist meine Musik anders, oder wird zumindest anders wahrgenommen, so dass man sich die Produktion nicht vorstellen kann. Dann macht sich Pierre auf, um sich vor seinem Auftritt noch etwas im Tourbus zu entspannen.

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“Ich würde die Erde auflockern”

Heute habt ihr das letzte Konzert eurer Tour gegeben. Wie fühlt ihr euch? Seid ihr noch fit?

Büne: (lacht) Ja, fit sind wir schon noch, aber auch sehr melancholisch. Das war eine sehr intensive Zeit! Wir waren jetzt ein Jahr lang unterwegs, aber vorher waren noch die Aufnahmen im Studio, das ist sowieso eine intensive Zeit. Und jetzt hört’s einfach Knall auf Fall auf… S schisst mi ah!

Was war das Highlight dieser Tour?

Das ist wahrscheinlich für alle ein bisschen anders. Aber für mich war es der “Indoorschluss” im Bierhübeli. Wir haben vier Mal nacheinander dort gespielt und am Sonntag war das letzte Konzert. Davor wurden wir von einem Freund zu einem “dickä Frässä” eingeladen. Am Abend sind wir dann ein bisschen betrunken und überfressen im Bierhübeli angekommen und haben dort etwa eineinhalb Stunden lang Soundcheck gemacht, aber in spezieller Form: Wir haben einfach alle irgendwelche Bluestunes gespielt und so traditionelle Nummern und haben uns sehr amüsiert. Langsam kam dann der Gig, wir waren richtig aufgeladen und spielten wohl eins der besten Konzerte in der Geschichte der Ochsners. Beim letzten Gig gibt’s auch immer die “Dernièrenspässe”. Das ist etwas, das die Technische Crew mit der Band macht, um sie aus dem Takt zu bringen. Einfach ein Spass nach dem anderen. Das ist wie ein Fiebermesser, der zeigt, ob es der Crew wohl war im Umfeld der Band. Wenn du also einen “Hundeschissdräck” auf dem Mikrofon hast, hast du sehr wahrscheinlich etwas falsch gemacht (lacht). Während dem Gig haben sie einfach Jokes gemacht und man hat gemerkt, dass sie extrem viel Freude hatten, mit uns unterwegs zu sein.

Was war das Peinlichste das euch irgendwann mal wiederfahren ist?

Weisst du, irgendwie bin ein wahnsinnig guter Verdränger! Wenn’s peinlich wird, vergesse ich’s einfach (lacht). Ich weiss es echt nicht mehr. Ich habe die ganze Zeit Tagebuch geführt im Internet, von den Aufnahmen, dem Mischen bis zu dieser Tour und ich müsste es wohl noch mal nachlesen. Ich denke, es gäbe enorm viele peinliche Momente, aber ich habe sie alle verdrängt (lacht).

Was macht ihr nach dieser Tour?

Ich probiere die angefangen Texte in die Form zu bringen, in der ich das Gefühl habe, dass sie die richtigen sind. Danach geht’s wieder ab in den Proberaum und schon geht’s wieder los. Natürlich will ich in dieser Zeit wieder versuchen, Fuss zu fassen im Alltag.

Wann dürfen wir mit der nächsten Platte rechnen?

Ich habe das Gefühl, im Verlauf des nächsten Jahres gehen wir ins Studio… Dann wird’s etwa Anfang 2011.

Ist etwas Spezielles geplant?

Das wird einfach der “Rimini Flashdown Part 2”. Und es wird meiner Meinung nach eine aussergewöhnlich bildhafte Scheibe. Es wird ein Film. Ich habe schon die ganze Zeit den Gedanken, eine Scheibe wirklich zu verfilmen. Ein richtig abgedrehter Sciene-Fiction-Film (lacht).

Macht ihr danach noch Part 3 und 4?

Nur Part 3, es wird eine Trilogie.

Die erfolgreichsten Schweizer Bands kommen aus Bern. Woran liegt das?

Ich weiss es nicht. Es gibt viele Leute, die sagen, der Berner Dialekt eigne sich gut für die Musik. Aber eigentlich kann man das ja nicht sagen: Bligg ist auch äussert erfolgreich, aber nicht Berndeutsch. Dann Stress, ist auch nicht Berndeutsch. Ich glaube einfach, dass Berndeutsch eine sehr hohe Akzeptanz hat.

YB-Fans haben dein Lied “Scharlachrot” kopiert und Scharlachrot mit “Gäubschwarz” ausgewechselt. Was sagst du dazu?

Ich bin froh. Das macht mich stolz. Ich habe Freude daran. Und sie haben ja auch den Song “Happy” genommen, auf den Häberli bezogen. Das hat mich auch sehr gefreut.

Jetzt geben wir dir noch ein paar Stichworte und du sagst einfach spontan, was dir dazu einfällt.

SVP: Das ist eine dieser vielfälltigen Parteien die es in der Schweiz gibt. Mein Grossvater hat immer gesagt: “Es braucht einfach alle verschiedenen Farben für einen anständigen Regenbogen!” Und da gehört die SVP auch rein. Ich finde einfach ihre Politik für mich nicht wählbar. Ich kann die Art und Weise absolut nicht akzeptieren, wie sie Wahlkampagnen machen und despektierlich über manche Leute reden. Ich hoffe, dass sie einfach eine Partei bleibt, die eine gewisse Wählerschaft hat, da es diese Leute halt auch gibt in der Schweiz, aber dass sie nicht all zu breit “chöi mäiä”.

Finanzkrise: Es gibt ein Gedicht von Kurt Tucholsky aus dem Jahre 1930. Dieses hat genau das vorausgesagt, was jetzt passiert ist. Es war alles sehr absehbar und hoch gepokert. Was mich wahnsinnig wütend macht, ist, dass wenn eine Bank Profit macht, ist der Profit immer bei ihnen und sie verteilen. Aber wenn sie nicht Profit macht, kommt der Staat und hilft. Wenn sie aber wieder Oberwasser haben, sind sie die, die Bonis zahlen. Das ist Kapitalismus. Die freie Marktwirtschaft. Und das ist äusserst fragwürdig!

Lieblingszimmer: Ich habe im Moment kein Zimmer. Aber ich würde mir eins einrichten, das aussieht wie ein Schlafzimmer (lacht).

Lieblingswort: Lieblingswort? Lötnechnütlagfaue! In einem Wort (lacht).

Lieblingsfestival: Das ist schwierig, denn es gibt ein paar Festivals, die wirklich was an sich haben, das mir sehr gefällt. Gurten auf jeden Fall. Das ist etwas… Ich denke es ist wohl schon der Gurten!

Orte an denen du deine Texte schreibst: Es gibt keinen speziellen Ort. Früher hat’s das gegeben. Da habe ich probiert, mich an bestimmte Orte zurückzuziehen, wo ich weiss, dass da eine Kraft ist, die mich antreibt. Inzwischen texte ich aber überall.

Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du? Ein Regenwurm. Ich würde die Erde auflockern.

Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du? Orange.

Wenn du ein Regentropfen wärst, wo würdest du landen? (lacht mal eine Weile) Gute Frage! (lacht immer noch) Ich würde in die Mitte einer Rose fallen. Oder in eine Orangenblüte.

Wallis: Wenn man hinten auf der Bühne steht und Richtung Westen schaut könnte man meinen, man wäre schon im Rhonetal in Frankreich. Und darunter fängt die Provence an. Wenn man ganz gut die Nase aufmacht, kann man schon den Lavendel riechen. Das ist eben auch Wallis.

Eine letzte Runde

Das hier ist eure letzte Tour, das heute war eines der letzten grossen Konzertes. Wie sehr ist euch bewusst, dass dies die “Letschti Rundi” ist?

Momentan ist das noch nicht so präsent in unseren Köpfen. Es ist zwar klar, dass wir nichts mehr zusammen im Studio machen, aber die Gigs laufen jetzt ja noch eine Weile weiter. Darm ist das Ende für uns noch nicht so absehbar. Es ist also nicht so, dass wir jedes Mal auf die Bühne gehen und denken: “Schade, das ist das letzte Mal.” Klar sind wir ein bisschen Wehmütig, aber die positiven Gefühle überwiegen im Moment. Ausserdem denke ich, dass wir die Momente viel mehr auskosten. Alles ist noch viel intensiver als sonst.

Ihr wart jetzt sehr viele Jahre unterwegs. Was war euer absolutes Highlight und wie ist es euch in dieser Zeit ergangen?

Diese Frage ist schon ein paar Mal gefallen und ich konnte sie nie richtig beantworten. Das kann ich auch jetzt nicht, denn es gibt nicht einen fixen Moment, von dem man sagen kann: Das war der schönste Moment. Es sind halt immer wieder Etappenziele, die man erreicht und Gigs die irgendwie ein Highlight sind. Und wie es uns ergangen ist? Grundsätzlich haben wir es immer sehr zu schätzen gewusst, dass wir so ein Privileg haben und durch die ganze Deutschschweiz touren können und Leute haben, die unsere Musik hören und uns unterstützen. Wir hatten wirklich eine sehr gute und lustige Zeit und ich würde keine Sekunde missen.

Jetzt geben wir euch noch ein paar Stichworte und ihr sagt einfach spontan, was euch dazu einfällt.

SVP: Die Meinung dieser Partei entspricht absolut nicht unserer Meinung.


Faschismus: Fundamentalismus, Faschismus, in welcher Form auch immer, ist für uns nicht tragbar.

Lieblingszimmer: Zimmer 17. Das heisst? Dort wo die Krankenschwestern schön sind und die Drogen gratis.

Lieblingswort: “Huere easy”. Sind zwar zwei aber egal. Oder “Sellerie” ist auch sehr geil.


Lieblingsfestival: Gurten!

Orte an denen ihr Texte schreibt: Zuhause oder im Bandraum.


Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du? Ratte.

Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du? Schwierige Frage. Ähm, eine Kaktusfrucht.


Wenn du ein Regentropfen wärst, wo würdest du landen? In der Aare.


Wallis: Wein, Fleisch und nervige Fussballpräsidenten.


Cannabis: Was ist das?


Hopp: YB!

“Ich wäre eine Litschi”

Du hast dein letztes Album “0816” getauft. Willst du mit diesem Titel sagen, dass deine Songs nur knapp am langweiligen Durchschnitt durchgehen? Oder wie bist du auf diesen Titel gekommen?

Jeder kennt den Ausdruck “0815” und der steht ja bekanntlich für das normale. Und das Konzept für dieses Album ist nicht so normal. So etwas hat es bis jetzt noch nicht gegeben. Wir haben mit sehr vielen traditionellen Elementen gearbeitet und lange nach einem geeigneten Albumtitel gesucht, um das Ganze auf den Punkt zu bringen. Ich könnte mir keinen besseren Namen vorstellen!

Mittlerweile kopieren ja auch andere Künstler wie zum Beispiel Gimma mit dem Trio Eugster deine Idee mit den traditionellen Instrumenten. Was hälst du davon?

Ich weiss jetzt nicht, ob Gimma mit dem Trio Eugster unbedingt eine Kopie davon ist. Gimma hat ja vorher schon mit gewissen schweizerischen Elementen gearbeitet. Nicht unbedingt musikalisch, aber dafür in seinen Videoclips. Wenn es sonst noch ein paar Leute gibt, die das machen, ist das gut so! Musik lebt ein Stück weit davon, dass immer jemand etwas Frisches bringt und die anderen sich dadurch inspirieren lassen. Ich bin einmal an einem Burger-King vorbei gefahren und gleich daneben stand ein Plakat von McDonalds. Darauf stand: “Oft kopiert, aber nie erreicht!” Das fand ich noch witzig.

Was hat dich zu deinem Song “Musigg i dä Schwiiz” inspiriert?

Ich bin der Meinung, dass es in dem kleinen Land, in dem wir leben, eigentlich einen sehr grossen Output hat. Wir haben viele gute Bands, das sieht man auch an den Festivals aber auch in der Hitparade. Und die Namen der meisten Bands haben ja auch mehrere Bedeutungen. Zum Beispiel Gotthard, das ist zum einen der Bandname und zum anderen der Berg mit dem meisten Stau. Und diese Tatsachen haben mich auf die Idee gebracht, diesen Song zu machen, wo ich auch mit den Bedeutungen dieser Bandnamen arbeite und so einen Text zusammen stelle. Ich bin ein sehr grosser Befürworter für nationale Musik und ich finde, dass sie auch gefördert werden sollte. Und da es niemand anders gemacht hat, habe ich es halt machen müssen (lacht).

Was war bisher das Highlight deiner Karriere?

Das Highlight meiner Karriere war sicher die Platinauszeichnung vor ein paar Wochen. Für “0816” habe ich dreimal Platin bekommen und das war ein sehr grosses Highlight. Als wir dieses Album produziert haben, habe ich für mich gesagt wenn dieses Album nicht Goldstatus erreicht, das sind 15’000 verkaufte Platten, stimmt etwas nicht mit dieser Musik. Wir haben sehr viel investiert und ich wusste, dass es eine sehr gute Platte ist. Es ist gute Musik, es ist gut gemacht, es steckt ein gutes Handwerk dahinter. Jetzt ist alles anders gekommen. Wir haben dreimal Platin und ich kann es immer noch nicht glauben, wenn ich am Morgen aufwache.

Was planst du in naher und ferner Zukunft?

Von “0816” wird es eine Platinversion geben. Damit will ich meinen Fans danken, die extra in einen Plattenladen gehen und meine Platte kaufen, aber auch denen, die extra ins Wallis fahren, um meine Show zu sehen. Viele Künstler bringen Platinversionen raus mit zwei oder drei zusätzlichen Songs. Aber ich finde, dass die Leute ein bisschen verarscht werden, weil man ja so das Album doppelt kauft. Wir wollen das nicht so machen und haben deswegen die ganze Platte noch mal neu aufgenommen. Und zwar mit noch mehr traditionellen Instrumenten. Das wird eine Dreier-CD in einer ganz schönen Kartonverpackung. Die erste CD wird die Akkustikversion, die zweite das Originalalbum mit Bonussongs und die dritte Disc ist eine DVD, die uns bei der Produktion des Albums zeigt.

Jetzt geben wir dir noch ein paar Stichworte und du sagst einfach spontan, was dir dazu einfällt.

SVP: Nicht mein Ding.

Faschismus: Noch weniger mein Ding.


Lieblingszimmer: Schlafzimmer.

Lieblingswort: bligg.ch

Lieblingsfestival: Kann ich nicht sagen. Jedes Festival hat etwas Charmantes.

Orte an denen du deine Texte schreibst: Grösstenteils im Auto, aber auch im Studio passieren viele Sachen. Eigentlich überall! Ich habe immer mein Handy dabei und wenn mir was in den Sinn kommt, schreibe ich es rein und arbeite es danach im Studio aus. Es kommen zum Teil auch Ideen auf dem WC.


Wenn du ein Tier wärst, welches wärst du? Ich glaube ich wäre ein Hund.

Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du? Eine Litschi! Litschis habe ich sehr gerne.

Wenn du ein Regentropfen wärst, wo würdest du landen? Im Zürisee.

Wallis: Unglaublich schön, unglaublich nette Leute und ein sehr guter Ort, um Ferien zu machen! Wenn man sich wirklich richtig erholen will, sollte man ins Wallis kommen.

“Ich bin ein moderner Schweizer”

Wie schaffst du es, in nur 5 Monaten 22 Konzerte zu haben?

Stress: Waren es nur 22? (lacht) Ich denke es waren mehr. Das ist nicht so schlimm. Klar, man muss körperlich fit sein, aber das ist für mich kein Problem, denn ich betreibe viel Sport. Aber das wichtigste ist, dass du Spass hast. Ohne Spass würde es nie gehen.

Was war auf deiner aktuellen Tour das absolute Highlight?

Die Afterpartys (lacht verstohlen). Nein, das ist schwer zu sagen. Jedes Konzert ist für mich ein Highlight. Aber das Konzert in St.Gallen war für mich das absolute Highlight! Das Wetter war zwar scheisse, doch die Stimmung war wie immer in St.Gallen einfach nur geil.

Was war das peinlichste, was dir je auf einer Tour passiert ist?

Wenn ich nach einem Konzert betrunken am Boden liege und irgendein Fan kommt und sagt “Hey, du bist doch Stress.” (lacht)

Deine Eltern kommen aus Estland und du selbst hast bis du 12 Jahre alt warst in Estland gelebt. Wie stark fühlst du dich deinem Mutterland verbunden und wo fühlst du dich zu Hause?

Ich bin hier zu Hause in der Schweiz, es ist meine Heimat. Ich hatte hier meine Ausbildung und alle meine Erlebnisse. Einfach alles ist hier. Ich bin Schweizer – ein moderner Schweizer.

Deine Kindheit hast du in der kommunistischen Sowjetunion verbracht, hast du irgendwelche Erinnerungen daran?

Man sollte hier geniessen was man hat. Da war es nicht so toll. Alle waren arm. Klar, es waren alle gleich, trotzdem hatte man nie so viele Möglichkeiten wie man hier hat.

In deinen Texten beziehst du dich immer wieder auf den Klimawandel und auf nationale wie auch internationale Politik. Siehst du dich selbst als Vorbild für deine Fans?

Nein, ich sehe mich nicht als Vorbild. Ich denke, es ist normal zu sagen, was man denkt und was man glaubt. Mit der Musik und den Texten kann ich “meine” persönliche Welt auch besser machen. Und es ist sehr wichtig zu verstehen, was in der Welt läuft und vor allem warum.

Ist dir in der Schweiz jemals Rassismus direkt widerfahren?

Ich persönlich habe nie direkt Rassismus erfahren. Die Leute fragen mich zwar wegen meines Namens woher ich komme, doch den Leuten, denen man es ansieht, dass sie Ausländer sind, geht es wesentlich schlechter.

Was planst du in naher und ferner Zukunft?

Im Herbst kommt eine neue Version meines neuen Albums mit neuen Songs und Live-DVD raus. Für nächstes Jahr plane ich eine Best-Of-Platte mit einem Synphonieorchester. Damit werde ich sicher auch auf Tour gehen.

Jetzt geben wir dir noch ein paar Stichworte und du sagst einfach spontan, was dir dazu einfällt.

SVP: Vergangenheit.

Faschismus: Auch Vergangenheit, man muss aber aufpassen.

WEF: Fuck off.

Lieblingszimmer: Keller.

Lieblingswort: Puttain oder Fuck.

Orte, an denen du deine Texte schreibst: Zu Hause in meiner Wohnung in Lausanne.

Wenn du eine Frucht wärst, welche wärst du? Banane (lacht)

Wallis: Wunderschön, es sollte aber mehr Events wie das Openair Gampel geben.

Cannabis: Moderne Medizin.

Melanie: Meine Frau und beste Hälfte.