Kultur | 06.07.2009

„Wir lassen das Licht am Abend raus“

Zwei Tink.ch- Reporterinnen verbrachten einen Kinoabend auf dem Petersplatz, der einen nostalgisch stimmte und dennoch zu topaktuellen Themen aufmerksam machte. Vor dem Film führten sie noch ein Interview mit einem der Projektleiter von "Cinéma Solaire".
Christof Seiler versucht, auch die letzten Sonnenstrahlen einzufangen.Fotos: Jasmin Back Der Projektor wird mit Solarstrom betrieben. Reto Schmid (links) und Christof Seiler mit ihrer Lichtspeicherkiste.

Christof Seiler (28) richtet die Solarplanen nochmals in Richtung Sonne. „Vielleicht nützt es noch etwas.“ Die Sonne verschwindet langsam hinter der Häuserreihe. In der Mitte des Petersplatz haben Seiler und sein Kollege Reto Schmid (30) eine Leinwand aufgehängt. Zehn Meter davor steht der Projektor, der den 16-Millimeter-Film auf die weisse Fläche zwischen den Bäumen bringen wird. Der Eintritt ist gratis.

Fast vergessene Filme

Bereits zum vierten Mal führen die beiden das Projekt „Cinema Solaire“ durch. Zum ersten Mal auch in Basel. „Wir fangen am Tag das Licht ein, um es dann am Abend – in Form eines unterhaltsamen Kinoabends – wieder raus zu lassen“, sagt der Grafiker und Fotograf Christof. Die Filme zeigen die beiden in verschiedenen Orten in der Schweiz. Es sind meist ältere, „fast vergessene“ Filme. Spezielle Kriterien der Filmauswahl gäbe es aber keine. Transportiert wird das Material auf Fahrradanhängern.

Ziel des Projekts ist aber nicht nur der unterhaltsame Aspekt. So möchten sie auf die Solarenergie aufmerksam machen. „Toll wäre natürlich, wenn sich nach unserem Kinoabend jemand entschliessen würde, auf Solarstrom umzustellen. Dieser ist zurzeit aber leider im Vergleich zu anderen Energiequellen noch sehr teuer.“ Im Allgemeinen möchten sie mit einem solchen Projekt die Leute auf erneuerbare Energien hinweisen, die viele Möglichkeiten offen halten.

Solarenergie war zu langweilig

Seinen Ursprung habe das Solarkino im Zivildienst, erzählt Christof schmunzelnd. Damals arbeiteten sie für eine Solarvereinigung und mussten einen Tag der offenen Tür organisieren. Sie versuchten, der Bevölkerung Solarenergie zu erklären und detailliert aufzuzeigen. Es blieb beim Versuch, denn das Interesse war alles andere als vorhanden. „Es war einfach zu langweilig“, stellt Seiler fest. Reto und Christof suchten nach Möglichkeiten, ihre Vision praktisch rüberbringen zu können. Dann entstand die Idee mit dem Solarkino. Einzige Schwierigkeit war am Anfang das Gewicht  der Batterien. „Sie sind zu schwer. Wir hatten grosse Mühe, wenn wir mit dem Velo unterwegs waren“, sagt er. Mit dem Solarkino verdienen sie nicht viel. Die Hauptkosten werden von den Sponsoren gedeckt. Der kleine Rest, der übrig bleibt, entschädigt sie ein bisschen für den Arbeitsaufwand. „Das Grossartigste an diesem Projekt ist, dass wir Arbeit und Hobby verbinden können“, meint Seiler abschliessend und betont, dass sie jedoch keine „Hardcore-Ökos“ seien.

Charmantes Kino

Unterdessen sind schon einige Kinogänger eingetrudelt. Klappstühle und Decken wurden platziert, denn für die Sitzmöglichkeit muss jeder Besucher selber sorgen. Es riecht nach „Antibrumm“ und mitgebrachtem Popcorn, das Kinopublikum vertritt alle Altersgruppen. Nachdem Seiler und Schmid ihr Projekt kurz vorgestellt haben, beginnt der Film. In einer Pause kann sich jeder noch eine Kugel Eis holen, gesponsert von den den Industriellen Werken Basel (IWB). Nur das stetige Rattern des Projektors und die vereinzelten Nachtgeräusche der Stadt lenken manchmal vom Film ab, was den Charme des Openair-Abends aber nur noch verstärkt.

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