Gesellschaft | 13.07.2009

Wenn Wetter schmerzt

Text von Céline Graf | Bilder von img.album.de
Schon im babylonischen Zeitalter 3000 v. Chr. findet man auf einer Tontafel in Keilschrift den ersten Hinweis auf das Wohlbefinden in Abhängigkeit des Wetters: "Von dem weiten Himmel her hat ein Wind geweht und hat im Auge des Menschen eine Krankheit veranlasst.»
Das Wetter spüren wie ein heraufziehendes Gewitter,
Bild: img.album.de

Von einer Krankheit ist hier aber nicht die Rede. Die gesteigerte Reaktionsbereitschaft des Körpers auf Veränderungen des Wetters wie Luftdruck, Temperatur, Feuchtigkeit und Bewölkung nennt man Wetterfühligkeit oder „Meteoropathologie“. Wetterfühlige Menschen haben also eine erniedrigte Reizschwelle des vegetativen Nervensystems.

Wetterlagen, die sich auf den menschlichen Organismus auswirken, sind Kalt- und Warmfrontpassagen, Gewitter und Föhnsituationen. Der Körper reagiert mit Müdigkeit, Schlafstörungen, Schmerzen in Gelenken, Muskeln und Kopf. Auch die Stimmung kann durch die Überempfindlichkeit beeinflusst werden. Psychische Symptome bei Wetterfühligen sind allgemeines Unwohlsein, Angst, Unlust und Konzentrationsstörungen.

Wer aber bei tagelangem Regenwetter eine gewisse Antriebslosigkeit verspürt, ist deswegen natürlich nicht gleich wetterfühlig. Zu unterscheiden von der Wetterfühligkeit ist indes die Wetterempfindlichkeit. Diese äussert sich bei atmosphärischen Veränderungen durch Verschlimmerung bestehender Krankheiten, örtlicher Beschwerden und Schmerzen.

Natürlicher Schutzreflex

Die Ursachen des Phänomens der Wetterfühligkeit sind bis jetzt ungeklärt. Angesichts der weiten Verbreitung erstaunt diese Tatsache – im mitteleuropäischen Lebensraum sind bis zu 30% der Bevölkerung wetterfühlig. Manche Meteoropathologen nehmen an, dass es sich bei der Wetterfühligkeit um einen uralten Schutzreflex des Körpers handelt, der bei Wetterwechsel Mensch und Tier vorwarnt. Auch von Gewittern ausgehende elektromagnetische Blitzimpulse (sogenannte „Sferics“) sollen im Körper Reaktionen wie Kopfschmerzen hervorrufen.

Die Ratschläge im Internet könnten aus einem „Gesünder leben“–Buch stammen: Viel Trinken, Spazieren gehen, gesunde Ernährung, genügend Schlaf, Wechselduschen, viel Sport treiben, Stress vermeiden. Spezifisch scheint einzig der Hinweis, dass Wetterfühlige auch bei schlechtem Wetter oder extremeren Wetterbedingungen vor die Tür gehen sollten, um die Reizschwelle zu erhöhen, sich also gegen Föhn und Co. etwas „abzuhärten“.