Kultur | 20.07.2009

Viele Klischees und ein bisschen Musik

Der Hype um die amerikanische Band The Gossip ist gross. Beim Konzert in Zürich stand nicht die Musik im Zentrum, sondern die extravagante Sängerin Beth Ditto.
Weiss, was das Publikum von ihr hören und sehen will: Beth Ditto.
Bild: www.fujirockers.com So viel Haut gabs am Konzert in Zürich glücklicherweise nicht zu sehen. www.flickr.com

Zuerst ein kurzer Blick auf das Geschehen jenseits des Bühnenrandes: Der Versuch des Abart Clubs, gehypte, mittelgrosse Acts, die teilweise arg an der Grenze zum Pop kratzen, im altehrwürdigen Kaufleuten dem Publikum zu präsentieren, erscheint organisatorisch und finanziell durchaus sinnvoll. Die Hoffnung, dass sich durch diese Zusammenarbeit ein musikinteressiertes Volk in die Gemächer des oft als Nobellokal verschrienen Clubs zu locken, bewahrheitete sich aber kaum.

Poloshirts und Goldküstenfrisuren

Vielmehr stiess man auf das übliche Inventar: Frauen in Stöckelschuhen und filigranen Sommerkleidchen, begleitet von ihren braungebrannten hünenhaften Mannsbildern. Eine kleine Wannabe-Paris mit Blackberry, ganz viele schlimme Poloshirts und brav gekämmte Goldküstenfrisuren und andere schnöselige Kreaturen. Ziemlich wohlgenährte und ganz offensichtlich lesbische Beth Ditto-Bewunderinnen machten das Klischeepublikum endgültig perfekt. Seit sogar Magazine wie die Annabelle über Beth Ditto berichten – und zwar nur im Zusammenhang mit Mode und Lifestyle – möchte natürlich jeder die schwergewichtige Rampensau in Aktion erleben. Die Musik wird da zur Nebensache.

Dittos wuchtige Präsenz

Diese Tatsache führte für den musikinteressierten Konzertbesucher zu einer durchzogenen Abendbilanz. Das Volk erschien ganz offensichtlich wegen Beth Ditto und nicht wegen der Band Gossip. Man hätte sich wohl kaum daran gestört, wenn drei unscheinbare Hobbymusiker die üppige Sängerin mit der wuchtigen Stimme begleitet hätten. Dittos gewaltiges Stimmorgan tröstete etwas über diesen Fakt hinweg und wurde vom Tonmischer sehr bevorzugt behandelt. So dümpelte die Show musikalisch relativ ereignislos dahin. Ganz anders jedoch aus der Perspektive derer, welche die Neo-Modekönigin Beth Ditto in ihrer ganzen Wucht erleben wollten. Sie interagierte eifrig mit dem Publikum, hielt Händchen mit der ersten Reihe und verteilte allen eine ordentliche Portion Liebe. Verteilte artig Wasserfläschchen gegen das schwül-heisse Saunaklima und liess die Speckröllchen im Takt wackeln. Als sich das Konzert, nach einem Set gemischt aus neuen und alten Songs, dem Ende zuneigte, wurde es ihr gar so heiss, dass sie ihr schwarzes XXL-Sommerkleidchen gegen ein schwarzes Latex-Unding wechselte, welches stark an zu enge Velohosen erinnerte, jedoch glücklicherweise noch knapp bis unter ihren superstarken Büstenhalter reichte.

Personenkult bis zum Schluss

Als die Band dann zum Schluss ihren durch die Remix-Könige Soulwax bekannt gewordenen Hit „Standing In Way Of Control“ anstimmte, kam nochmal so etwas wie euphorische Stimmung auf, welche den lahmen Gesamteindruck aber nicht recht zu kitten vermochte. Nach einer kurzen, als Konzertende getarnten Liedpause, streifte Ditto zu einer abschliessenden Kuschelrunde einmal quer durch das Saalpublikum, um so ihrer klischeehaften Personenkult-Show einen krönenden Abgang zu bieten. Und das nach nur einer knappen Stunde Spielzeit.

Das ernüchternde Fazit: Diejenigen, die wegen der Person Beth Ditto gekommen waren, kamen gut auf ihre Kosten. Diejenigen, welche die Band The Gossip in musikalischer Höchstform erleben wollten, eher nicht. Schade. Und bei solch schwülen Sommertemperaturen sollte man Clubkonzerte verbieten. Oder Klimaanlagen einbauen.

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