Gesellschaft | 06.07.2009

Verbot des blauen Dunstes

Text von Harry V. | Bilder von www.nawaina.de
Das seit dem 1. Juli 2009 gültige Rauchverbot in Bern sorgt für Gesprächsstoff. Ein Tink.ch Reporter und Raucher gibt Tipps.
Das Rauchverbot will den blauen Dunst aus den Berner Lokalen vertreiben,
Bild: www.nawaina.de

Bern, 1. Juli 2009. „Wir haben jetzt Verbot hier, sorry.“ Kaum die Zigarette angezündet, steht der Kellner auch schon vor mir, in seiner Stimme liegt ehrliches Bedauern. „Sie rauchen auch?“, frage ich. Er lächelt kurz und zeigt mit dem Finger zur Tür.

Das „Gesetz zum Schutz vor dem Passivrauchen“ ist in Bern angekommen. Die Reaktionen meiner Raucherfreunde reichen von gelassenem Schulterzucken bis hin zu schäumender Wut und Paranoia („Hauptsache die da oben können wieder irgendeine Minderheit ausschliessen!“). Was für oder gegen ein Rauchverbot spricht, wo es sinnvoll ist und wo weniger, das denke sich jeder selbst aus. Ich wende mich lieber der Realität zu: Das Rauchverbot ist durchgesetzt worden und wir Raucher müssen damit leben. Im Sommer ein Leichtes. Jeder vernünftige Mensch zieht Strassencafes, Terrassen und Biergärten den geschlossenen Räumen vor und dort ist das Rauchen weiterhin erlaubt – genauso wie an der Aare oder Zuhause auf dem Balkon. Den Sommer werden wir überstehen. Doch nach der Wärme kommt wieder die Kälte – und auf diesen Moment sollte der smarte Raucher vorbereitet sein. Schliesslich rauchen wir nicht zum Spass, sondern weil wir süchtig sind.

Wie also, liebe Raucherinnen und Raucher, überstehen wir den nächsten Winter, ohne uns die Finger abzufrieren?

A )  Das Rauchen aufgeben

Sicher die beste Lösung. Rauchen bringt wenig und schadet viel – wer damit aufhört, tut sich einen Gefallen. Diese Variante kommt aber nicht für jeden in Frage. („Aufhören? Das ist doch genau das, was DIE erreichen wollen!“)

B )  Rauchen, wo es erlaubt ist

Im Kanton Bern sind bereits 18 Gastrobetriebe (davon 9 in der Stadt) mit Fumoirs ausgestattet – dies sind abgetrennte, gut belüftete Räume, in denen geraucht werden darf. Weitere 17 Fumoirs sind in Planung. Falls deine Lieblingsbeiz ungefähr so gross ist wie dein Wohnzimmer, wirst du kein Fumoir finden können. Jedoch könnte sie – bei einer Grösse von weniger als 80 Quadratmetern und bei der Erfüllung gewisser Auflagen – ein offizielles Raucherlokal werden. Ein Verzeichnis von Lokalen, in denen legal weitergeraucht werden darf, findet der interessierte Nikotinabhängige unter www.raucherguide.ch.

C )  Anarchie!

Du suchst dir einen Beizer, der das Rauchverbot nicht beachtet. So was wirst du finden, wenn du gründlich genug suchst, am schnellsten wohl auf dem Lande. Sehen wir uns also nach einer neuen Stammbeiz um, in Oberried bei Niederscherli oder so. Ein Ausflug ins Grüne ist immer schön. Doch auch in der Stadt kann man illegale Raucherhöhlen finden. So leistet der St.Galler Wirt Hans-Ullrich Illg bereits seit Oktober 2008 tapfer Widerstand gegen das Rauchverbot. Er erhielt Mahnungen, es kam zu Gesprächen und Fristen, schliesslich wurde ihm das Wirtepatent entzogen – jedoch alles vergebens. Jetzt droht die Stadtpolizei mit der Zwangsräumung des Lokals. Doch die Gäste dieser St.Galler Kneippe rauchen gnadenlos weiter – angeführt von ihrem Wirt Hans-Ullrich Illg.

Wer sich dazu bewegt fühlt, selbst in den Kampf zu ziehen, der nehme sich ein Vorbild an den zwei Damen, die am Freitagabend vor dem „3 Eidgenossen“ in Bern dazu aufforderten, im Lokalinneren rauchen zu gehen. Leider folgte kein einziger der Raucher, die gemütlich an den Tischen in der Rathausgasse sassen, diesem Aufruf zum zivilen Ungehorsam. Doch wie ich hoffe, lassen sich die Anhänger der A.R.F. (Anti-Rauchverbots Front) davon nicht entmutigen. Andere Zeiten werden kommen und die Raucher aller Kantone werden sich erheben, um gemeinsam für ihre Freiheit zu kämpfen – spätestens wenn der erste Schnee fällt. Das heisst, falls wir bis dahin nicht schon lange vergessen haben, dass wir früher qualmen konnten, wann und wo immer es uns gefiel. Man gewöhnt sich an alles, nicht wahr?