Gesellschaft | 13.07.2009

Tra(u)m(a) 3

Text von Claudio Herger | Bilder von Claudio Herger
Tramfahren in der Sommerzeit kann auch aufs Gemüt schlagen, wie ein Tink.ch-Reporter erfahren musste. Baustellen schmücken den Weg entlang der Tramlinie 3.
Baustellen legen den Tramverkehr lahm,
Bild: Claudio Herger

Neben den Grossbaustellen „Wankdorfplatz“ und „Tram Bern West“ ist auch der Thunplatz für einige Zeit gesperrt. Nichts desto trotz machte ich mich auf, die Tramlinie 3 von Bernmobil genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich stehe an der Anfangsstation und warte vor einem kleinen Kiosk, welcher neben Kaugummi und anderen Artikeln auch Kebabs zum Verkauf anbietet, als das Tram pünktlich gemäss der Anzeige eintrifft. Es macht eine Kehrtwende und bevor ich mich versehe, stehe ich vor einer der aufgehenden Türen. Ich gehe automatisch ein Stück zur Seite – obwohl nur ein Mann das Tram verlässt – und steige in das Tram ein.

Die Fahrt beginnt; das Tram-Museum, welches bei der Haltestelle zu liegen kommt, verschwindet langsam aus meinem Blickfeld. Nach der Haltestelle Beaumont führen beim Eigerplatz bereits wieder die Tramschienen in Richtung eines Gebäudes. Doch die grossen Buchstaben auf den schmalen, aber dafür hohen Garagentoren, lassen darauf schliessen, dass sich hier das Depot von Bernmobil befindet.

Die nächste Haltestellen-Durchsage, „Hasler“, ertönt aus dem Lautsprecher und klingt ziemlich gestresst. Vielleicht ist das nur so ein Gefühl, aber im Allgemeinen wirken die Durchsagen der Haltestellen auf mich nicht so feinfühlend wie diejenigen an den SBB-Bahnhöfen.

Beim Kocherpark fällt mir auf, dass mir das Tram, welches uns entgegen rast, bekannt vor kommt. Auf dem Weg zur Haltestelle Weissenbühl sah ich das Tram an mir in Richtung Bahnhof vorbeifahren, bevor meine Fahrgelegenheit eintraf. Der Grund dafür ist ein einfacher: Der Trambetrieb wurde aufgrund der Bauphase massiv eingeschränkt. Am heutigen Tag verkehren nur drei Trams auf der Linie 3.

Nach der Haltestelle Kocherpark folgt die Endhaltestelle. Ohne den Hirschengraben zu passieren, wird die Wendeschleife gefahren und die provisorische Haltestelle in der Schwanengasse angesteuert. Eine Durchsage bleibt aus. Der Endpunkt der Fahrt ist erreicht. Ich verlasse das Tram und bin im ersten Augenblick ein bisschen ratlos. Ob das Verhalten des Bernmobil-Teams sehr freundlich auf auswärtige Gäste wirkt, sei dahingestellt. Beim SBB-Hauptbahnhof verkehren unter dem Baldachin die Ersatzbusse, welche den Anschluss zur Station Saali gewährleisten.

Da kein Tram mehr in Richtung Saali fährt, spaziere ich am nächsten Tag an der Baustelle am Thunplatz vorbei. Fleissige Arbeiter sind bemüht, die Tramgleise auszuwechseln. Diese Herren verdienen ein dickes Lob, denn sie arbeiten stets unter Zeitdruck und vollbringen kleine Wunder. Sie haben während des Umbaus sicher reichlich Überstunden geleistet – und dies nur, um die Tramlinie pünktlich wieder freizugeben.