Politik | 20.07.2009

Neue Wähler mit Ausländern und Homosexuellen

Text von Joël Meier | Bilder von Nathalie Kornoski
Geeignete Führungspersonen gibt es bei den Republikanern praktisch keine. Dafür könnte es einen anderen Weg geben, wie sie aus ihrer Krise herauskommen. Einige Gedanken zu diesem Richtungswechsel.
Bild: Nathalie Kornoski

Audra Shay ist seit gut zwei Wochen Präsidentin der „Young Republicans“, der offiziellen Vereinigung junger Republikaner. Während Shays Alter eher nicht auf eine Vertreterin der jungen Generation schliessen lässt – sie ist 38 – beweist doch ihr Flair für das soziale Netzwerk Facebook eine gewisse Jugendlichkeit. Doch genau das wurde ihr zum Verhängnis. Nur einige Tage vor ihrer Wahl in das Präsidium schrieb ein gewisser Eric auf ihrer Facebook-Seite: „Obama ist der neue Terrorist […] Wir müssen das Land zurückkriegen von all diesen verrückten Negern und Illegalen.“ Acht Minuten später antwortete Shay: „Sag’s ihnen, Eric! Lol.“

 

Audra Shay ist nur eines von vielen Beispielen für den katastrophalen Zustand der republikanischen Partei. Orientierungskrise, Ideenlosigkeit und ein denkbar lächerliches Führungspersonal verstärken gegenwärtig den Abwärtstrend der „Grand Old Party“, der spätestens mit der Wahlniederlage von 2008 und frühestens mit dem desaströsen Irakkrieg im Jahr 2003 begann.

 

Schwache Auswahl

Die derzeitige Suche nach einer starken Führungspersönlichkeit ist ein jämmerlicher Anblick. Schauen wir uns die möglichen Kandidaten kurz an: John McCain wurde in der Präsidentschaftswahl unwiderruflich zum Verlierer gebrandmarkt und scheidet auch wegen seines hohen Alters als republikanischer Vorkämpfer aus. Sarah Palin zeigt zwar Interesse, doch die ultrakonservative Bärenjägerin aus Alaska scheint sich alle Mühe zu machen, inkohärent und dumm zu wirken. Der ehemalige Vizepräsident Dick Cheney wirkt wie eine Karikatur eines verrückten James-Bond-Bösewichts (er führte beispielsweise eine geheime Spezialeinheit, die Feinde auf sein Kommando tötete). Newt Gingrich ist zwar ein talentierter Politiker und guter Redner mit vielen Ideen, hat jedoch keinerlei Charisma und ist zu alt. Radiomoderator Rush Limbaugh, der einzige Nicht-Politiker im inoffiziellen Kampf um den Posten als „Stimme der Republikaner“, ist bekannt für seine fremdenfeindlichen und populistischen Tiraden. Wer bleibt? Der offizielle Parteipräsident Michael Steele fällt als potente Führungsperson ebenfalls weg: Er ist äusserst langweilig und meinungsschwach.

 

Progressives Facelift

Dieses Machtvakuum an der Spitze der Republikaner wirkt sich nicht nur auf die Organisiertheit der Partei aus, sondern auch auf ihr Ideenreichtum. Schon lange kamen keine anregenden Impulse mehr aus den konservativen Ecken des Kongresses. Das neueste demokratische Dokument zur Reform der Krankenversicherung wird von den Republikanern zwar leidenschaftlich kritisiert, einen eigenen Vorschlag können sie aber nicht vorweisen. Ihre Positionen zu Finanzkrise und Umweltpolitik wirken anachronistisch. Noch schlimmer steht es um die gesellschaftspolitischen Themen: Meinungsführer vom Schlage Palin und Limbaugh irritieren mit ihren erschreckend debilen Äusserungen zu den Themen Homo-Ehe, Abtreibung und Religion.

 

Genau diese gesellschaftspolitischen Positionen sind es aber, die die Republikaner einem progressiven Facelift unterziehen müssten, um in Zukunft eine Chance auf Erfolg haben zu können: Umweltfreundlichkeit (ist relativ gut kombinierbar mit dem gewohnt liberalen Wirtschaftsdenken), Ausländerfreundlichkeit (ist ebenfalls gut vereinbar mit den Interessen der Wirtschaft) und Schwulenfreundlichkeit (hier müssten sich die Republikaner überwinden) sind zeitgemäss und attraktiv für junge Wähler. Eine «Verjüngung« im Personal kann sicherlich auch nicht schaden. Ein „Newsweek“-Journalist gibt noch folgenden Tipp: Die „Grand Old Party“ müsse das Internet als politisches Werkzeug entdecken. Hier wäre ich aber vorsichtig. Twitter und Facebook können bei fahrlässigem Umgang schnell gefährlich werden. Audra Shay kann ein Liedchen davon singen.