Gesellschaft | 06.07.2009

Lieblingsplätze XII: „Jetzt hani denn keini Närve meh“

Wenn es um meine Lieblingsplätze in Basel geht, muss ich nicht lange überlegen. Neben der Pfalz, dem Rheinbord und einigen Starbucks-Cafés gibt es jedoch einen Platz, den ich mit voller Passion liebe und dennoch wie die Pest hasse: Den Basler Bahnhof.
Als bei der Ankunft oder der Abreise: Die Tink.ch-Reporterin liebt den Basler Bahnhof.
Bild: commons.wikimedia.org

Als glückliche Besitzerin eines Generalabonnements ist der Bahnhof schon fast zu meinem zweiten Zuhause geworden. Mein Körper scheint sich an das Bahnhof-Klima angepasst zuhaben. Wie ist es sonst zu erklären, dass ich mich von der Eingangshalle bis zu den Gleisen bewegen kann, ohne auch nur einen Kratzer abzukriegen? Geschickt schlängle ich mich durch die Passanten, greife morgens mit der Hand in einen „20minuten“-Kasten und abends in den „Blick am Abend“-Kasten. Weiter die Rolltreppe hinauf, wo ich mir zuerst einen Weg suchen muss, da die Personen, die mir entgegenkommen, natürlich den Weg versperren müssen. Oben angekommen erreicht man die lange Passarelle mit den vielen kleinen Läden an den Seiten neben den Rolltreppen, welche wiederum zu den Gleisen hinunter führen.

Geht es noch lauter?
Natürlich zehrt es auch an meinen Nerven, wenn zu viele Menschen am Bahnhof sind und ich das Gefühl habe, dass der grosse Bahnhof vielleicht doch ein wenig zu klein ist für diese Menschenmenge. Auch ich habe das Gefühl, dass es manchmal nicht lauter geht. Hier ein Pfeifen, da ein Zug, der abfährt und dort ein kleines Kind, das schreit.
Doch das beste Rezept dazu ist Musik. Ich drehe dabei die Musik ganz laut auf und spaziere gemütlich an den Leuten vorbei. Was sie nun sagen, weiss ich nicht, doch ich kann versuchen, ihre Gesichtsausdrücke, ihre Gedanken zu lesen. Und meistens entspricht dies einem „Jetzt hani denn keini Närve meh, dä Bahnhof isch eifach z voll!“, welches mir ein Lächeln auf die Lippen zaubert, da ich in diesem Moment nicht die Einzige bin, die so denkt. Und so kann ich beruhigt in den Zug steigen, wo der Stress bei der Suche nach einem Platz jedoch weitergeht.

Plötzlich ganz still
Wenn ich nach Konzertbesuchen oder sonstigen Reisen spätabends oder frühmorgens wieder in Basel ankomme, ist der Bahnhof kaum wiederzuerkennen. Die Läden sind geschlossen, die Menschenmenge ist verschwunden. Die Stille im Bahnhof ist dann schon fast beängstigend, da bin ich froh, wenn ich auch hier meine Musik dabei habe.

Ich liebe es aus Basel wegzufahren und genauso liebe ich es, wieder nach Basel zurückzukehren. All die Gesichter zu sehen, die wie ich gerade ein Ziel vor Augen haben. Gesichter, die in meine Lieblingsstadt kommen und meine Lieblingsstadt verlassen. Und wenn dies an meinem Lieblingsplatz, dem Basler Bahnhof, geschieht, ist es doch umso besser.