Kultur | 06.07.2009

King Kong im Sittertobel

Von solch jungen Leuten erwartet man Energie, doch die Ladung, die uns bei Dúné ins Gesicht geschmissen wird, ist unvergleichlich. Ein Gespräch mit dem Sänger und der einzigen Frau der Band.
Sänger Mattias inszeniert sich wie ein Grosser.
Bild: Anton Coene Tim Broddin

Dúné sind sechs Jungen und ein Mädchen. Einer steigt brüllend wie King Kong auf das Gerüst der Sternenbühne. Das Mädchen spuckt den Gorilla mit Wasser an. Ein anderer beschäftigt sich mehr mit seiner Zigarette als mit den Synthesizer-Tasten. Der Sänger hüpft und posiert wie ein grosser Rockstar. Grosses Chaos, grosse Show. Ein Gespräch mit Sänger Mattias und Cecilia.

Ihr habt gerade ein explosives Konzert gespielt. Woher kommt diese Energie?

Mattias: Wir sind alle sehr jung. Wir haben viel Energie, die verbraucht werden will. Sobald wir auf der Bühne sind, können wir gar nicht anders. Wenn ich auf der Bühne stillzustehen versuche, dann flippe ich aus.

Cecilia: Als wir anfingen, waren wir alle noch in der Schule und keiner von uns war damit wirklich glücklich. Es war für uns eine Art Alltagsflucht: Wir machten die Musik, die wir wollten und das gab uns diese Energie. Es gibt so einige Tage, an denen du denkst: „Ach, nicht noch ein Tag.“ Aber die Musik baut dich immer wieder auf.

Ist Musik eine Droge?

Cecilia: Ja, sie macht dich high.

Welche Musik mochtet ihr, als ihr klein wart?

Mattias: Als Knirps hörte ich ganz viele Kinderlieder (lacht).

Cecilia: Die Songs der Sechziger.

Mattias: Als ich klein war, stahl ich alle Schallplatten meiner Eltern. Da drauf waren die Beatles, The Who und natürlich die Stones! Durch meine Brüder kam ich dann in eine starke Smashing Pumpkins-Phase.

Cecilia: Ich hörte oft klassische Musik. Damals spielte ich Violine. Und dann verliebte ich mich heimlich in Mattias, der mir die Beatles und The Who vorstellte.

(King Kong alias Ole setzt sich zu uns und begrüsst uns in akzentlosem Deutsch.)

Euer Deutsch ist ja schon richtig perfekt.

Ole: Wir sind jetzt nach Berlin umgezogen. Da ist es schon angebracht, ein wenig sprechen zu können.

Du bist ja während des Konzerts total durchgedreht. Kletterst du immer auf das Bühnengerüst?

Ole: Nein, eigentlich nicht (lacht).

Mattias: Das ist das Wichtigste an unseren Konzerten: Man weiss nie, was passieren wird.

So wie Oles Kommentar zu deiner Einleitung (Mattias: „This is a song about my Ex-Girlfriend“ – Ole: „I’m his Ex-Girlfriend“). Die Leute in Skandinavien sind für ihren lockeren Umgang mit Homosexualität bekannt. Wie seht ihr das?

(Mattias lacht und Cecilia schubst ihn an.)

Mattias: Wir provozieren gerne mit Homosexualität. Ole und ich können uns auch küssen, ohne dass es ein grosses Problem ist. Uns ist es einfach egal, was die anderen denken. Das ist doch das Tolle daran. Wir sind vollkommen auf der Seite der Homosexualität.

Cecilia: Es ist schrecklich, dass es deswegen noch so grosse Konflikte gibt.

In Zürich hatten wir erst gerade die Europride.

Mattias: Das war bestimmt toll. Ich bin froh dass es vorangeht. Aber es ist schrecklich dass es so lange dauert.