Kultur | 20.07.2009

Ein Sommernachtstraum im Konzertsaal

Text von Jessica Hefti | Bilder von Jessica Hefti
A Fine Frenzy heisst nach Shakespeare's Sommertraum: Ein schöner Wahnsinn. Dem Namen wurde die US-amerikanische Sängerin und Pianistin bei ihrem Auftritt im KKL am Blue Balls Festival in Luzern gerecht.
Die eindrückliche Kulisse, mittendrin A Fine Frenzy.
Bild: Jessica Hefti

Eigentlich sollte es Sommer sein. Eigentlich sollte es Besucher eines Konzertes in einer Halle reuen, an einem Juliabend drinnen zu sitzen. Doch genau diese konnten fingerzeigend lästern über solche, die derweil in Gummistiefeln und Jackenschichten gut 100 km weiter weg auf dem Gurtenberg einem lauen Sommerabend nachtrauerten. Die Sterne an der Decke des Konzertsaales im KKL leuchteten heute Abend heller.

Das Blue Balls Festival ist ein Fest der anderen Sorte. Auch hier bezahlt man zwei Franken Pfand für die Becher und das Essgeschirr, aber die Bar bot auch für das Upper-Class-Niveau genügend Standards. Es roch nicht nach Dreck, sondern nach Farbe, mit welcher Künstler auf der SWATCH-Plattform sich ein sogenanntes Art-Battle leisteten . Als Erinnerung gab es keine Schlammkrusten auf den Jeans, sondern Art-Poster, die aus einem Kalender gerissen werden konnten und man mit nach Hause nahm. Alles ein bisschen Art halt.

Theatralischer Auftritt

Und während viele, wohl das eher ältere Publikum, im Luzerner Saal auf Seal wartete, sang derweil im imposanten Konzertsaal des KKL A Fine Frenzy. Auch sie schätze Seal und erinnerte sich, dass es dieses Lied war, welche ihre Eltern mit deren Hochzeitstag verband. Doch die beiden, beides Schauspiellehrer, sind heute leider getrennt. Ein Schicksalsschlag für die musikalische Tochter und es band sie im Alter von fünf noch stärker an die Musik und Literatur. Und doch war zu sehen, dass es einen Einfluss gehabt haben muss, wenn man so zwischen zwei Schauspiellehrenden aufwuchs. Alice Sudol, wie A Fine Frenzy eigentlich heisst, bewegte sich des Öfteren theatralisch. Der Konzertsaal im KKL war imposant. Die vielen Lichter, die hohe Decke, reihenweise Galerien. Und doch war es diese Frau, die mit ihrem Wesen alle Blicke auf sich zog. Selber beeindruckt von diesem Auftrittsort unterhielt sie das Publikum mit Mini-Geschichten, die einen Versprecher nach dem anderen nachzogen. Es schien, als passiere ihr das absichtlich, als blosser Unterhaltungswert.

Mal feenhaft, mal ladylike

Im April des letzten Jahres war sie im Kaufleuten in Zürich aufgetreten. Da trug sie ein grünes Kleid, wirkte feenhaft, unschuldig und mit ihr auf der Bühne waren zwei Musiker. Am vergangenen Samstag im KKL aber waren sie zu fünft, beinahe eine Premiere, wie A Fine Frenzy erzählte: „This is our second gig.“ So in dieser Formation. Im schwarzen Kleid, mit Blazer und gefährlich hohen Schuhen war sie eine Dame geworden. Immer noch trank sie Tee auf der Bühne und immer noch faltete sie ihre Hände vor dem Mund zu einer Geste, hinter welcher sie ihre Überwältigung zu verbergen schien. Aber wie sie da mit eigener Perkussion plötzlich Tanzeinlagen bot, ein Tribut auf die Popkultur gab und der Saal zu „Seven Nation Army“ von The White Stripes lautstark mitklatschte, war aus der Sing- und Songwriterin, dem Mädchen, das halt einfach gut singen kann, eine Entertainerin geworden. Wahnsinnig schön war das anzusehen.