Kultur | 27.07.2009

Ein Festival oder doch eine Modenschau?

Text von Martin Sigrist
Vom 17. bis 19. Juli fand das zwölfte Melt Festival im deutschen Gräfenhainichen statt. Wie immer bot das Gelände einer ehemaligen Tagebaustädte mit einem gefluteten See und ausgedienten riesigen Baumaschinen eine aussergewöhnliche Kulisse für ein Festival mit Musik.
Openair-Feeling ohne nass zu werden: Durchsichtige Planen schützten die Besucher. Fotos: Martin Sigrist

Das Programm war wie jedes Jahr sehr vielfältig, mit Fokus auf viel elektronischer Musik und etwas wenigem Indie-Rock. Das Festival bot ausreichend Highlights wie etwa Fever Ray, das Soloprojekt der Schwedin Karin Dreijer Andersson, welche nur selten live zu sehen ist. Daneben Animal Collective, die mit ihren mehrheitlich instrumentalen Elektrosphären auf der Hauptbühne einmal ganz anders zur Geltung kommen konnten. Auch Newcomer wie die Briten von Filthy Dukes, die mit ihrem Nu Rave auf dem Melt neben etablierten Bands genau das richtige Publikum vorgefunden haben. Von vielen wurde der Auftritt der norwegischen Röyksopp als bestes Konzert überhaupt erkoren. Leider war ihr Konzert zumindest zu Beginn jedoch so schlecht abgemischt, dass ausser dem Bass nicht viel zu hören war. Ein Problem, dass auch die Qualität weiterer Auftritte schmälerte. Musikalisch hat das Line-Up auch dieses Jahr wieder an Qualität zugelegt und war Garant für ein teilweise stressiges Programm über mehrere Stunden, um alle guten Konzerte mitzuerleben.

Verbesserungen in der Infrastruktur

Nach den zahlreichen Kritiken der letzten Jahre haben sich die Organisatoren um eine Verbesserung in diversen Bereichen bemüht. Das Konzertgelände wurde grösser und die Bühnen anders verteilt. Damit sollte mehr Platz für die einzelnen Konzerte aber auch für sonstige Aktivitäten entstehen. Leider bot das Gelände neben den üblichen Steintreppen und schnell abgegrasten Wiesen kaum Fläche zur Entspannung. Als weitere Verbesserung wurden mehr Toiletten aufgestellt, beim Anblick der sehr langen Schlangen davor hätte man sich trotzdem noch mehr Einrichtungen gewünscht. Wasserspender hingegen waren auch dieses Jahr nirgends vorhanden. Bei den ordentlichen Getränkepreisen hatte das nicht sehr sommerliche Wetter zumindest diesbezüglich Vorteile.

Gerüstet für das Wetter

Am Freitagabend meldete sich mit einem nicht mehr endenden Regenfall das Wetter zu Wort. Ein dieses Jahr neu mit durchsichtiger Folie bedeckte Zelt einer Bühne sollte dem Regen nicht standhalten und musste evakuiert und das Festivalprogramm an jenem Abend frühzeitig beendet werden. Das Festival war auf solche Wetterkapriolen gut vorbereitet und am nächsten Tag waren das Zelt mit neuen Planen und die matschigen Wiesen mit Plastikmatten bedeckt. Einzig die ebenfalls neue Strandbühne direkt am Baggersee wollte nicht mehr trocknen und so war der langersehnte, kurzfristig verlegte Auftritt von MSTRKRFT eine schweisstreibende Angelegenheit, wollte man auf, oder eher in dem nassen Sand tanzen.

Das Festival wirkte dieses Jahr wohl nicht zuletzt durch die Verbesserungen gegenüber dem letzten Jahr entspannter und friedlicher. Die Security-Mannschaft hielt sich vermehrt im Hintergrund und die Beschränkung der Besucherzahl auf nun 20’000 scheint dem Festival wirklich gut zu bekommen. Beim Anblick der Besucher wähnte man sich teilweise jedoch eher auf einem Laufsteg oder vielmehr einer Persiflage eines solchen.