Kultur | 20.07.2009

Der Turntable-Spezialist

Zum Abschluss der dreiteiligen Konzertserie "Turntables" kommt noch einmal etwas ganz anderes als das bisher Gesehene beziehungsweise Gehörte: Der Franzose eRikm nimmt sein Publikum mit auf eine kurze Reise in eine andere Welt - in seine eigene!
Der Turntable-Spezialist: eRikm,
Bild: Beat Roder und Sabine Burger

Als der Künstler die Bühne betritt und ein leises „Bonsoir“ von sich gibt, ist das Publikum noch vertieft in eigene Gespräche oder noch auf Platzsuche. Der Mann, der da plötzlich aufgetaucht ist und nun energisch seine Hände reibt, wird kaum wahrgenommen. Doch sobald die ersten Trommeltakte im kleinen Konzertraum ertönen, wird es sofort still. Der vorhin so unscheinbare eRikm bewegt sich geschmeidig hinter seinen Plattenspielern im Takt zur Musik. Die von ihm produzierten Geräusche visualisiert er mit tänzerischen Bewegungen. Die Musik-Kunst ist somit nicht nur hörbar, sondern auch für das Auge sichtbar.

 

Den Grundrhythmus seiner musikalischen Vorstellung bildet das ununterbrochene Knarren eines alten Plattenspielers. Darüber hinaus fügt er viele perkussive Effekte ein, die das Publikum – oder zumindest ihre Füsse – zum Wippen bringen. Nach einem rhythmisierenden Abschnitt folgt das genaue Gegenteil, verschiedene Töne werden übereinander gelappt und erzeugen so einen falschen Akkord, der immer lauter und lauter bis fast ins Unerträgliche anschwillt. Das Publikum wird erst nach einem Moment erlöst, indem der Musiker die Lautstärke abdämpft.

 

eRikm ändert nach diesem ersten Teil der Performance den Stil. Seine musikalischen Bewegungen werden nun schneller und hektischer, die Finger des Künstlers rasen nur so über die verschiedenen Knöpfe und Hebel und fabrizieren einen Geräusche-Cocktail, der die Zuschauer zum Staunen bringt.

Platten, die ihren Dienst geleistet haben, werden achtlos auf den Boden geworfen. Der DJ arbeitet jetzt vermehrt mit technisch veränderten Stimmen und blendet immer wieder Melodien ein, die wie aus Videospielen kopiert klingen. Dies lässt der Musik etwas Menschliches abgewinnen. Als dann noch Hip-Hop-Beats zu hören sind, fühlt man sich fast so, als würde ein „normaler“ DJ vor einem stehen.

 

So plötzlich wie er angefangen hat, hört eRikm auch wieder auf und man findet sich, etwas in Trance versetzt, auf der Obergasse wieder und überlegt taumelnd, was einem da gerade passiert ist.