Kultur | 16.07.2009

Der Hausberg ruft!

Das Gurtenfestival wartet mit dem spektakulärsten Programm des diesjährigen Festivalsommers in der Schweiz auf.
Der imposante Blick vom Hügel auf die Hauptbühne, Fotos: Mario Caviezel Wartende Schlange an der Bergstation Durchnässter Boden Rutschpartie ohne Hemmungen Platten-Wasserspiel Ska-P in "spanischer" Mission Die Band Ska-P provoziert auf ihre Art Gimma in seinem Element Ein Gummiboot in Richtung Gimma-Bühne Gurten bei Nacht und Regen Licht und Schattenspiele Auf der Suche nach Schattenplätzen Ein Schattenspender für alle Licht und Schatten an der Hauptbühne Die Jungs der Band Sorgente heizten ein Die erleuchtete Bühne während dem Konzert der Band Bloc Party Franz Ferdinand bringt den Hausberg zum Beben,
Bild: www.partyguide.ch Plakat 2 Gurtenfestival 2009, Fotos:www.gurtenfestival.ch

Freitag: 2. Tag – Vom Regen verweht

Der Weg zum Berner Hausberg am zweiten Openair-Tag ist gewöhnungsbedürftig. Die Sicht wird durch starken Nebel schlechter, der Regen stärker und die wartende Schlange vor der Gurtenbahntalsstation länger. Dies kann jedoch die vorherrschende gute Stimmung nicht trüben. Das Warten in der Schlange wird zu einem Amüsement. Obwohl ein deftiger Platzregen vom Himmel fällt, lachen, witzeln und hüpfen die vorwiegend jungen Leute. Die Zeit verfliegt im Nu!

 

 

 

 

Auf dem Gurten angekommen, präsentiert sich die Lage nicht anders. Aufgrund des Platzregens haben sich überall auf dem Gelände Wassertümpel gebildet. Trotzdem: Die Festivalgäste belagern die Hauptbühne trotz des durchnässten Bodens und tanzen zu den poppigen Klängen von Ayo.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Währenddessen nutzen andere Besucher den glitschigen Rasen zu einer Rutschpartie. Unterhaltsam ist es allemal, auch wenn es zu etlichen Bruchlandungen kommt. Dies ist jedoch für die Hauptakteure kein Grund, mit den Aufwärmeübungen fortzusetzen und den Hang nochmals hinunterzurutschen. Ein anderes Erlebnis bieten auch die ausgelegten Platten auf dem Rasen. Nach jedem Tritt spritzt das unter der Oberfläche aufgestaute Wasser aus den Rillen wie eine Fontäne. Ob sie nun zu einer Konkurrenz für die Wasserspiele auf dem Berner Bundesplatz werden, lässt sich erst sagen, wenn die noch ausstehenden Bands wie Ska-P oder Stress die Schar vor der Hauptbühne zum Springen auffordern.

 

 

 

Gratis-Duschen werden langsam überfällig und obwohl die Gummistiefel in Bern ausverkauft sind, ist die Stimmung auf dem Gurten weiterhin heiter. Die sozialkritischen Texte der  bekanntesten spanischen Skapunk-Band standen im Gegensatz zu den tanzbaren Melodien. Die madrilenische Band Ska-P lässt mit ihren punkigen Liedern die spanische Sonne über den grauen Gurtenhimmel erscheinen. Ihre sozialkritische Texte untermalen sie mit einer provokativen Bühnenschow, indem sie kulturelle Themenfelder wie Gewalt, Antikapitalismus, Konsumgesellschaft, Anti-Religion, Stierkämpfe und das Verbot von Drogen vor tausenden Festivalbesuchern verbildlichen. So tritt eines der Band-Mitglieder als katholischer Seelsorger auf, der im Verlaufe des Liedes Züge einer Prostituierten annimmt. Die Jungs von Ska-P sind und bleiben auch bei schaurigem Gurtenwetter Musik-Anarchisten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Bündner Rapper Gimma lockte in die wenigstens von oben trockene Zeltbühne. Mit seinem Bündner Charme, den mehr oder weniger tiefsinnigen Texten sprach der „Berner Müntschi-Trinker“ auf gewitzte Weise das Publikum an. Ein Konzert, das nicht nur Rap-Fans gefiel.

 

 

 

 

 

 

Siehe da: Auf einmal taucht im Publikum ein Gummiboot auf. Für diese Aktion ist „Viva con Agua Schweiz“ verantwortlich. Freiwillige sammeln die Depotbecher auf dem Gelände ein und wandeln diese in sauberes Trinkwasser für ein Brunnenprojekt in Mozambique um. Gimmas Aufforderung, man solle auf sein Kommando alle Becher in Richtung Gummiboot schiessen, kamen die Anhänger gerne nach.

 

 

 

 

 

Alles Beten half nicht; auch noch zur späten Stunde regnet es im Sekundentakt. Eines kann jedoch der Wettergott den Festivalbesuchern nicht nehmen, nämlich die schöne Sicht auf das Nachtleben des Berner Hausbergs und die Lust weiter im Regen das Tanzbein zu schwingen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag: 1. Tag – Zwischen Licht und Schatten

Der Weg auf den Gurten, am Nachmittag ein leichtes Spiel, am Abend kommt die schwierige Entscheidung: 45 min. auf die Gurtenbahn warten, ungeduldig von einem Bein auf das andere trampeln in Vorfreude auf die kommenden Bands, das Open-Air-Feeling erwartend oder 45 min. laufen, den steilen, bald von Bestacts bebenden Berg hinauf. Nach dem Verlust tausender Schweissperlen, kommt einem der erlösende Beat vom Partyberg entgegen und ab gehts ins noch spärliche Getümmel.

 

Es ist heiss, es ist schwül, die Sonne prallt auf den Kopf; was kann man sich mehr wünschen für den perfekten Auftakt. Schattenhungrige kommen auch auf ihre Kost – überall hat es Schattenspender und die Getränke-Schenke kommt in vollen Zügen zum Einsatz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Den grössten Schattenspender befindet sich ausgerechnet hinter der Heineken-Bar. Wer sich dort ein Platz sichern kann, weiss, dass der Rücken von einer ungeplanten Erötung verschont und das Bier immer kühl bleibt!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der beste Schattenplatz befindet sich jedoch schön versteckt hinter dem grössten Schattenspender, an einem schmalen Weg zwischen dem „Märit“ und dem „Bacardy-Dome“. Dieses Plätzchen bietet eine perfekte Sicht auf die riesige Hauptbühne und der ihr anschliessenden Sonnenschirmoase.

 

 

 

 

 

 

 

Nichts desto trotz: Es bleibt noch immer sehr heiss, auch im Schatten. Dieses Phänomen hat nicht unbedingt mit der Intensität der Sonneneinstrahlung zu tun, sondenr vielmehr mit den Künstlern auf der Bühne. Die Jungs Faffu, Ojam, Peti, Dungee, Mr. Jacobsen und Tobsen der Münchner Band Sorgente rocken was das Zeug hält und zeigen mit ihrer gelungenen Performance, dass man auch im Schatten Kalorien verbrennen kann!

 

 

 

 

Eine soulige Stimme ertönt von der Hauptbühne; es ist diejenige des Leadsängers – Kele Okereke – der Band Bloc Party. Nach einem kurzen Intermezzo zeigt die englische Rockband, weshalb sie auf den Gurten eingeladen wurde. Mitten im Konzert springt Kele – das Mikrofonkabel hinter sich ziehend – in die Menge und sorgt für eine pulsierende, publikumsnahe Atmosphäre. Eine solche mehr oder weniger spontane Aktion wirkt immer elektrisierend auf die Massen.

 

 

 

 

Langsam aber stetig füllt sich um 23.00 Uhr der Platz vor der Hauptbühne. Der Grund: Die Indie-Rockband aus Glasgow Franz Ferdinand ist das Aushängeschild des Abends. Auf charmante Art und Weise betreten die Schotten das Feld, ergreifen die Instrumente und kündigen ihr erstes Lied an. Schon jetzt wissen eingefleischte Fans, dass der ehemalige Englischlehrer und jetzige Frontsänger – Alex Kaprano – der tobenden Masse eine ganz spezielle Show bieten wird. Der Funke springt sofort über; mit gestandenen und neuen Liedern und mit einem perfekt inszenierten Lichtspektakel bringt die schottische Band sogar das hinterste Schlafzelt auf dem Gurten zum Beben! Nach 90 min. ist Schluss mit dem Tanzen. Als Abschiedsgeschenk ziehen dunkle Wolken über den Berner Himmel auf und kündigen das typisch britische Wetter an; beim letzten Taktschlag fängt es an zu tröpfeln und schliesslich kommt die gratis Dusche vom Himmel.

 

 

 

 

Was noch kommt

Bands wie Oasis, Kings of Leon, Franz Ferdinand Bloc Party, Travis und Razorlight treten heuer neben vielen mehr vom 16. bis 19. Juli in Bern auf. Sie garantieren, dass der Gurten wieder mal heftig durchgeschüttelt wird. 26 internationale Acts stehen dieses Jahr in den Startlöchern. Darunter einige Perlen, die es unbedingt zu entdecken gilt. Newcomer wie Glasvegas, White Lies, Baddies, Friendly Fires und Eskimo Joe werden ihre musikalischen Spuren hinterlassen.

Mit den Lovebugs, Gimma, Stress, Patent Ochsner, und weiteren 27 Bands aus der Schweiz ist das Schweizer Musikschaffen äusserst prominent vertreten. Und in den drei Dance-Tents sorgen rund 60 DJs aus dem In- und Ausland für kurze Nächte und müde Beine. Kurz: Die Organisatoren des Gurtenfestivals versprechen sich im Sommerjahr 2009 ein Event der Superlative – auch wettermässig. Und sollten Dauerregen, Gewitter, Blitz und Donner den Berner Heimberg heimsuchen, so wird mit grosser Wahrscheinlichkeit im Schlamm weiter!